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Fünfter Band.
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254 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

Denjenigen mochte ich sehen, der, solange ich auf diesem meinem Sitze innerhalb derGrenzen des Gesetzes Befehle ertheile, ohne Gegenzeichnung eines verantwortlichenMinisters Gegenbefehle zu ertheilen wagt!" Die Versammlung war damit einver-standen; sie drang in Koffuth, er möge das Präsidium eines neuen Ministeriumsübernehmen und dieses unverzüglich bilden. Derselbe erklärte sich hierzu bereit, undernannte sogleich, nebst einigen frühern Ministercollegen, die Deputirten PözmandYund Nyary und den Magnaten Pere'nyi zu Ministern. Die Versammlung sandte/mit ihrem Vicepra'sidenten Almäsy an der Spitze, eine aus sieben Mitgliedern be-stehende Deputation an den Palatin, um ihn von ihrem Urtheil über sein Schreibenzu benachrichtigen, und zugleich um die Bestätigung Kossuth's als Ministerpräsiden-ten zu bitten. Das Haus blieb versammelt, bis die Antwort des Palatin eingetroffen.

Koffuth benutzte die patriotische Erregung und Entrüstung der Nationalversamm-lung, um während der Zeit von kaum einer Stunde die wichtigsten und folgenreich-sten Beschlüsse zu erwirken. Das Finanzministerium ward zur Emittirung von Fünf-guldennoten ermächtigt. Die Conscription sollte einstweilen eingestellt, und im ganzenLande die Werbung für die nationale Armee begonnen werden. Die ganze Armeesollte sich in eine nationale umwandeln und den Namen.,„lloriveä" (Vaterlandsver-theidiger) führen. Allen Soldaten der Linie wurde der Übertritt in die Honved ge-stattet, und in letzterer die Löhnung um ein Drittel erhöht. Sämmtliche außer Lan-des befindliche ungarische Soldaten sollten bei ihrem Patriotismus zur alsbaldigenHeimkehr ausgefodert werden. Diese Beschlüsse nahm man auf Antrag Kossuth'smit Einstimmigkeit an.

Die Deputation war unterdessen mit der schriftlichen Antwort des Erzherzogszurückgekehrt. Der Palatin kann in seinem frühern Schreiben keine Gesetzwidrigkeitsehen, „da dasselbe die einfache Mittheilung eines Factums, kein Befehl, Gesetz oderVerordnung gewesen, mithin auch nicht der Gegenzeichnung eines verantwortliche"Ministers bedurft habe". In der Ernennung Kossuth's sieht er ein Zeichen desMistrauens gegen ihn, sowie einen Schritt, der nicht im Gesetz gegründet sei, den^nach Gefahren für das theure Vaterland hervorrufen könne. Doch erklärt er Mbereit, „dem Vaterlands seine Stellung und Alles zu opfern, wenn durch diese Pa-litik das Vaterland gerettet werden kann". Der Palatin vermochte auch wirklich i"die Ernennung Kossuth's nicht zu willigen, indem man diese Wahl in Wien um kei-nen Preis sanctionirt haben würde.

Koffuth selbst beantragte in der nächsten Sitzung (am 12. Sept.) die abermaligAbsendung einer Deputation an den Palatin. Sie sollte ihm das Vertrauen dekHauses und dessen Bedauern über das gestrige Misverständniß, zugleich aber auchdie Bitte ausdrücken: er selbst möge unverzüglich ein neues Ministerium ernenne"'Da trat Batthyany vor und erklärte: Letzteres sei unnöthig, da der Palatin ih"bereits zum Ministerpräsidenten ernannt habe. Diese Nachricht fand die aller""'freundlichste Aufnahme, denn der größte Theil der Nationalversammlung warthyany's Politik überdrüssig geworden. Der Graf wußte dies auch; aber noch imr"^bemüht, jedem gewaltsamen Schritt vorzubeugen, stellte er sich dennoch an die SpAder Regierung, damit diese nicht in die Hände der Radicalen fiele. Die erste Nach"richt, die der neue Premier dem Hause mittheilte, erschien auch nicht geeignet,pathien für ihn zu erwecken. ES war dies ein Schreiben L. Csanyi's mit der 2^zeige, daß Iellachich die ungarische Grenze ohne Schwertstreich überschrittenund bereits vor Groß-Kanischa stehe. Trotz dieses offenen Angriffs gedachtethyany noch immer auf dem bisherigen Pfade zu beharren. Er wollte denbewegen, das Land von der Invasion zu befreien, versprach aber, energische Mapregeln gegen das fernere Vorrücken Jellachich's, besonders Anstalten zur ^erth^gung der Hauptstadt, zu treffen. Da sich gegen seine Ernennung keinEinwurf erheben ließ, fügte sich das Haus. Auch Koffuth versprach, die ,des Premier auf jede mögliche Weise zu fördern. Batthyany blieb sonach ausnem Posten, bis von Wien seine Bestätigung oder Verwerfung anlangen würde.

Maßregel