Band 
Fünfter Band.
Seite
255
JPEG-Download
 

Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 255

An demselben Tage (9. Sept.), wo König Ferdinand der ungarischen Deputa-twn die feierliche Versicherung gab: „die Gesetze, Rechte und die Integrität desDeichs seiner ungarischen Krone seinem königlichen Eide gemäß aufrechtzuerhalten",hatte Jellachich mit seinen plündernden und mordenden Scharen die ungarische Grenzeüberschritten. Daß dieser ohne Nechtsgrund und Kriegserklärung erfolgte Einbruch"üt Wissen, ja aus Befehl des östreichischen Cabinets geschah, darüber konnte Nie-mand im Zweifel sein. Der Schritt Jellachich's war indessen der ungarischen Sachenicht ungünstig: Ungarn konnte nun ohne Bedenken der offenen Gewalt mit offenerGewalt begegnen. Mochten auch die Klagen der Kroaten, wie wir oben selbst zugestan-dn, nicht ganz ungegründet sein: in dem Augenblicke, wo sie mit den Waffen in derHand auf ungarischem Boden erschienen, hatten sie selbst ihren Klagebrief zerrissen.Ungarn war jetzt nicht nur berechtigt, sondern heilig verpflichtet, dem Feinde,.ent-gegenzutreten und den Vertheidigungskampf auf Tod und Leben anzunehmen. Diese Über-zeugung verwandelte auch Hunderte und Tausende, die bisher geschwankt, in die eis-*igsten Anhänger und Verfechter einer entschlossenen Politik, und entflammte dasganze Volk zu jener todesmuthigen Begeisterung, die bald dem Unternehmen deskroatischen Helden eine so klägliche Niederlage bereiten sollte.

Der kroatische Einbruch hatte noch eine andere heilsame Folge: er zerstreuteden Nimbus, mit dem sich Jellachich bisher zu umgeben gewußt. Nicht nur in Ost-^erch und im Auslande hatten Viele in Jellachich einen edeln Vorkämpfer für Frei-Selbständigkeit erblickt, einen Mann, der, von Patriotismus und Rechts-gesuhl erg uht, dem ungarischen wie dem östreichischen Ministerium zum Trotz den""d polttlschen Foderungen Kroatiens, waren sie auch etwas übertrieben,^ ^ g verschaffen wolle. Diese Täuschung konnte nur solange währen, als er'"^ darauf beschrankte, jedem Einflüsse Ungarns auf die kroatischen Verhältnisse zuwehren. In dem Momente aber, wo er angreifend auftrat, mit dem offen ausge-

w < Ungarns selbständige Regierung zu stürzen, woraus nicht Kroatien,

ol aber das östreichische Cabinet Vortheil ziehen konnte: fiel auch den Leichtgläubig-sten dre Binde von den Augen. Jetzt erkannte Jedermann, daß Jellachich nicht für^ Freiheit und Selbständigkeit seiner Landsleute oder des Slawenthums, sondernlur die absolutistischen Bestrebungen der Camarilla kämpfe und alle rechtlichen Ver-Mtrnsse mit Füßen trete. Die Folge hat gezeigt, daß diese Auffassung vollkommenwar. Jellachich hat an Kroatien schwerer als an Ungarn gesündigt. Er hat„geliebten Jllyriern", die ihm blind vertrauten, alles Andere, nur nicht die^erheit erobert. *)

^ Vor dem Einbrüche in Ungarn stand Jellachich selbst mit seinem 20000 Mannarken Hauptcorps bei Kopreinetz. Einige Meilen südwestlicher, bei Kreuz, standbrnpten mit der Reserve von 10000 Mann. In der Nähe von Essek befand sich

^ rechte Flügel unter General Hartlieb mit 14000, bei Varasdin der linke unter

Sv? ^ seinem Einbruch in Ungarn veröffentlichte Jellachich folgende in allen landesüblichendem gedruckte Proklamation: „An die ungarische Natron! Indem ich dieses Land betrete,diesen lebhafter Sympathie zugethan bin, nehme ich den Himmel zum Zeugen, daß ichihn nur thue, nachdem alle Mittel gütlicher Vereinbarung erschöpft sind. Ich thue

das durch die Complote einer Faction, von welcher das ungarische Ministerium nur

L-ch* Werkzeug ist, und welche in Folge ihrer verbrecherischen Plane auf nichts Ge-dernjch? hinzielt, als die königliche Majestät herabzuwürdigen und das heilige Dündniß zuHöni^-U, welches Ungarn und die mit seinem Könige und seiner Constitution verknüpftenverbündet- Vergebens wird man sich bemühen, einen Schritt als Empörung oderNem stempeln, zu welchem nur der reinste Patriotismus und die treueste Liebe zu mei-lwnenk fg.e.nuch treibt. Man fürchte übrigens nicht, ich wolle nur eine einzige der Conces-rischen zeitigen, ein einziges der Privilegien, welche daS königliche Wort kürzlich der unga-kommt z/^on bewilligte. Nicht ein Feind überzieht Ungarns Ebenen, sondern ein Freundbrüderii^" wyalen Unterthanen des konstitutionellen Königs zu Hülfe. Sie werden mir einehaßten , reichen, und mit Gottes Hülfe wollen wir das Land vorn Joche einer ver-

hinzri ^ A- Aen und rebellischen Regierung befreien." Wir fügen diesem Aktenstücke nichtsGeschichte selbst hat bereits den Commentar dazu geliefert.