Band 
Fünfter Band.
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256 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

General Schmiedl mit 10000 Mann. Jellachich'ö Hauptcorps war aus östreichischenKerntruppen zusammengesetzt; die übrigen Corps bildete größtentheils der kroatische Land-sturm. Die ungarische Armee zahlte vier Bataillone Linientruppen, vier BatailloneMobilgarden, drei Schwadronen Husaren, und 9000 Landstürmler aus Tolna, Sch"'megh, Szalad und andern Nachbarcomitaten. Jellachich selbst rückte mit dem Haupt-corps über Olegrad auf der geraden Straße nach..Groß-Kanischa vor. Der rechteFlügel zog vor Essek, und foderte die Festung zur Übergabe auf. Der Commandant,General Jovich, steckte alsbald die schwarzgelbe Fahne auf, womit sich die Kroatenbegnügten. Der linke Flügel marschirte fortwährend in der Nahe des Hauptcorps-Der ungarische Commandant, Graf Adam Teleky, retirirte, wie bereits erwähnt, beimHerannahen Zellachich's bis Keßthely, und ließ ihn ohne den geringsten Widerstandin Ungarn eindringen. Teleky wollte sogar noch weiter fliehen, und den Banus bisBudapesth vorrücken lassen. Zum Glück theilten nicht alle Offiziere und Soldatenseine Gesinnung. Die Offiziercorps von Nikolaus- und Alexander-Husaren begabensich unter Anführung des Majors Bubna und des Rittmeisters Barczay zu Teleky,und erklärten ihm geradezu, daß sie sich nicht weiter zurückziehen, sondern für Königund Vaterland kämpfen würden, falls nicht Jellachich einen ausdrücklichen Befehldes Königs zum Einmarsch in Ungarn vorzeige. Bubna und Barczay wurden hier-auf im Namen des gestimmten Offiziercorps mit der Auffoderung an Jellachich ab-gesandt, sich rücksichtlich seines Einfalls zu legitimiren, und da er Dem nicht zu ge-nügen vermochte, sah sich Teleky zum Standhalten genöthigt. Dieselbe Auffoderungwurde auch von andern commandirenden königlichen Militairs an Jellachich gerichtet.Natürlich konnte er auch diesen keine schriftliche Ermächtigung zu seinem Marscheausweisen, sodaß die anfragenden Generale in die peinlichste Verlegenheit geriethen-Letztere wagten es nicht, gegen den königlichen Feldmarschall zu kämpfen, wollten aberauch nicht offen auf seine Seite treten. Manche zerhieben den Knoten, indem firunter solchen Verhältnissen resignirten: wie die Generale Bechtold und Wöllenhoftr-Baron Kondelka, Major des in Ofen garnisonirenden Bataillons Prinz von Preu-ßen, schiffte sich mit dem größten Theile seiner Offiziere und der Fahne nach Wie"ein. Unter den später aufgefangenen Briefen Zellachich's befand sich auch einer,welchem sich Jellachich bei Latour über diese misliche Stellung beschwert, und darausdringt: die Regierung möge ihn öffentlich als ihren Agenten anerkennen.

Da Graf Teleky, trotz der entschiedenen Auffoderung seiner Offiziere, nicht käm-pfen wollte, die andern Generale sich aber ebenso unzuverlässig erwiesen, ward aufKossuth's'Antrag in der Sitzung vom 15. Sept. der Erzherzog Stephan durch ein*Deputation der Nationalversammlung aufgefodcrt: sich zur Armee zu begeben, weunach altungarischem Recht der Statthalter zugleich Generalcapitain Ungarns und ^Zeiten äußerster Gefahr zur Anführung der Armee verpflichtet sei. Zu nicht gerimger Überraschung Aller erklärte Erzherzog Stephan unverzüglich, er werde diesem Aul*trage nachkommen, und am nächsten Morgen (es war 11 '/2 Uhr Nachts, als ^Deputation bei ihm erschien) ins Lager gehen. Die Nationalversammlung wollte ^ser Bereitwilligkeit des Palatin kein volles Zutrauen schenken; sie gab ihm, wieM^mehre Deputirte es als undelicat zurückwiesen, drei Civilcommissare, angeblichVerpflegung der Armee, eigentlich aber zur Überwachung des prinzlichen Cornrna^danten, an die Seite. Es waren dies die radicalen Deputirten Perczel, Aßtalos lMBönis. Der Palatin verweilte, ungeachtet der versprochenen Eile, noch drei ^in Ofen, ebenso lange auf seinem Stammgut Alcsuth, und langte erst am 21. ^p'in Keßthely, am nordwestlichen Ufer des Plattensees, an. Am südwestlichen User, *Szemes, befand sich Zellachich's Hauptquartier. „ §

Erzherzog Franz Karl billigte im Namen des Kaisers öffentlich die Übernahmdes Commando von Seiten des Palatin. Insgeheim sandte er ihm aber dietion zu, sich in keinen Kampf gegen den Ban einzulassen. Um dem VertrauenNation einerseits und den Befehlen der Dynastie andererseits soviel als möglichentsprechen, blieb somit dem Palatin nur der Weg der Unterhandlungen übrig.