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Fünfter Band.
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Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 257

leider vermochte der Prinz dem Ban weder zu imponircn noch ihn zu bereden. SchonSlangs Juni hatte Jellachich auf öffentlichem Markte in Agram das Bild des Pa»'attn ungestraft verbrennen lassen, und seitdem wiederholt Geringschätzung gegen dcn-lilben an den Tag gelegt. So richtete er seine Schreiben nicht an den Palatin undStatthalter von Ungarn, sondern nur an den Erzherzog Stephan. Der Ban wußte,vas er that. Stephan war seines ungarischen Patriotismus wegen am Hofe längsttn Ungnade gefallen, sodaß der Günstling der Camarilla den königlichen Prinzen mitMner Verachtung behandeln konnte. An diesem Mißverhältnisse scheiterte auch jetzt^tephan's Friedensversuch. Um dem Ban keinen Vorwand zu Besorgnissen rücksicht-'ch Persönlicher Sicherheit zu geben, wählte der Prinz einen möglichst neutralen Ortiur Unterhandlung. Dieselbe sollte auf dem Danipfer „Kissaludy" am Plattenseenattstnden. Am 21. Sept. gegen 2 Uhr Mittags machte der Dampfer in der Mitte^ Plattensees an einer bezeichneten Stelle Halt. Gegenüber am Ufer befand sichser Ban mit seinen Flügeladjutanten Hempesch und Platner und ungefähr 30 andern-Offizieren. Diese Begleiter spielten die einstudirte Rolle vortrefflich. Sie beschwo-ren den Ban, nicht aufs Dampfschiff zu gehen, da man dort Böses gegen ihn vor-ik ' drohten sogar, ihn mit Gewalt zurückzuhalten. Der Ban versprach,

yrer Weisung zu folgen, d. h. sein dem Palatin schriftlich gegebenes Versprechen,aß er erscheinen werde, zu brechen. Als das vom Dampfer entsendete Boot lan-ete, um den Ban abzuholen, bestiegen es statt seiner die zwei Flügeladjutanten, umHalalin cinzuladl-, 1 , ans Ufer zu kommen. Es versteht sich von selbst, daß diesI, Än Der Palatin entsendete jetzt den Husarenoffizier Major Aichy,

m "" ernstlich an sem Versprechen zu erinnern. Jellachich richtete in desMajors Gegenwart die Frage an seine Umgebung: „Offiziere der kaiserlichen Armee!

^ Ufer verlassen?" Der Verabredung gemäß riefen Alle: Nein, nein!<)as Boot kehrte abermals leer zurück- der Friedensversuch war gescheitert. Jetzt^ ^ ^mri Kampf gegen Jellachich und Die, welche ihm solches Verfahren

orschneben, zu beginnen. Zu diesem Äußersten mochte sich der Prinz nicht entschlie-fen. Stephan kehrte noch an demselben Tage nach Ofen zurück; in der nächsten(acht verließ er heimlich sein geliebtes Vaterland, indem er allein in einem Bauern-lass ^ ^ Grenze fuhr. In Wien ließ man ihn nicht vor. Er gab seine Ent°

^isung, die mit Freuden angenommen ward, und entfernte sich unverzüglich aus*en und den östreichischen Staaten. *)

H Zum Glück für die Nation hatte sie weder auf das Feldherrn- noch auf das^"üttlertalent des Erzherzogs zu viel vertraut, und darum in der Zwischenzeit eif-^ Wüstet. Die Werbung zu den Honveds und die Organisirung des Landsturmsd- ^liberal! vortrefflich vonstatten. Die Soldaten der Linie, denen der Eintritt inlvols o"^d jetzt freistand, gingen zu Hunderten über. Die schwarzgelben Offizierellten dies freilich verbieten; Einige setzten sogar Preise auf das Zurückbringen der"Deserteure". Moritz Perczel, den, wie sein Aufruf besagte, das „allwaltende Schick-

December 1848 circulirte in den ungarischen Blättern ein angeblich unter den zu-sollte ^"erien Papieren vorgefundenes Schreiben des Palatin, das ihn zum Verräther stempelnversckip-^s Schreiben ist vom 24. März 1848 datirt, an Ferdinand V. gerichtet, und gibtdaß^verie Mittel und Wege zur Unterdrückung Ungarns an. Wir gestehen offen, daß wirder uri^Eiben, wiewol es zuerst vom (wörtlich: Mittheiler, ein amtliches Organ

davo^6arischen Regierung) mitgetheilt wurde, für unecht hielten und noch halten. Abgesehenschwe^^ß es bei des Prinzen freiwilliger Entfernung aus Ungarn nicht auf einige Tage, gereinige Stunden ankam, und er demnach wol Zeit gefunden hatte, die ihn^ährey^tirenden Papiere zu sichern, berechtigt unS auch keine einzige That oder Äußerung^schuldil, ungarischen Verwaltung, ihn verräterischer Gesinnungen gegen die Nation zuHalter n» ' 3n Ungarn geboren und erzogen (sein Vater, Joseph, hatte 51 Jahre als SLatt-ents^^"6 in Ofen residirt), liebte er dieses Land wahrhaft und innig; nur daß er sichMit Gewenden Momente nicht entschließen konnte, der Politik seiner übelberathenen FamilieDie w entgegenzutreten.

" Gegenwart. V. 17