258 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.
sal schon in zarter Jugend dazu bestimmte, daß er im militairischen Eenkecorps denUnterricht genossen", verließ die Deputirtenbank. Er veröffentlichte am 18. Sept.Lincn Ausruf zur Errichtung eines Freikorps, das sich später unter dem NamenZrinycorpS Vortheilhast auszeichnete. Major Mack, Schöpfer der vielbewundertenungarischen Artillerie, bildete aus der studirenden Jugend ein Artilleriefreicorps.ron Lopresti organisirte ein Corps Loprestihusaren. Laffitte, früher Nationalgardemoberst in Paris, damals Champagnerhändler in Pcsth, errichtete ein französisch^Freicorps. Peter Zabokliczki, polnischer Emigrant, erließ einen Aufruf zur Bildungeiner polnischen Legion. Szeredy warb in Wien fleißig für Ungarn, und unter der"Kommando Gustav Mathey's langte schon am 19. Sept. die erste wiener Legion,4100 Mann stark, in Pesth an. Das ganze Land verwandelte sich in ein Lager,dessen Hauptquartier Budapesth war.
Aus Wien war am 16. Sept. die Antwort auf die neue Ernennung Batthyäny §zum Ministerpräsidenten eingetroffen. Batthyäny hatte die Bedingung gestellt, daß deinJellachich unverweilt der Befehl zum Rückzug ertheilt werde. Da man in Wien dar*auf nicht einging, erklärte Batthyäny dem Hause seinen Rücktritt. Er sehe sich, ^klarte er, hierzu umsomehr veranlaßt, als er auch das Vertrauen der Nation nich/besitze. Aber Batthyäny hatte sich in den vorhergehenden Tagen durch größere Th^ligkeit und Enschlossenheit das Vertrauen wieder erworben. Die Nationalversainrmlung versicherte ihn dessen, und drang in ihn, auf seinem Posten zu beharren unddie Minister zu ernennen. Es war in der Sitzung vom 17. Sept., als er aucheine Ministerliste mittheilte. Dieselbe enthielt folgende neue, sämmtlich der gemä'Wliberalen Richtung angehörende Namen: Ghyezy, Sz. Kirälyi, Erdödy, Vay undKemeny. Von den frühern Ministern waren bloS die ebenfalls gemäßigt LiberalenEötvöS und MeßäroS wieder aufgenommen. Esterhäzy hatte sich schon Anfang dekSeptember zurückgezogen, ebenso der friedliebende Klauzäl. Der edle Szechenyi war üb^das Spiel, das man mit seinem Vaterlande trieb, und dessen Untergang er voraufsah, in den ersten Septembertagen wahnsinnig geworden. Kossuth und Szemere, ^radicale Fraction des frühern Ministeriums, hatte man Übergängen, um dem wien^Cabinet keinen neuen Grund zur Verwerfung zu geben. Während der ErzherzogStephan, wie bereits erzählt, den ungarischen Boden verließ, ging die neue Minist^liste nach Wien. Dieselbe ward verworfen, weil — man überhaupt keine ungarisch^Minister mehr haben wollte. Kossuth erließ unterdessen, am 20. Sept., eine glühem^Anrede an die Nation, in welcher dieselbe zur Vertheidigung aufgerufen wurde. ^Wirkung dieser Proklamation, vielleicht die genialste von allen, die überhaupt ^Sturme der letzten Jahre erschienen, war ungeheuer.
Der freiwillige Rücktritt deS Erzherzogs Stephan kam dem wiener Cabinet Eerwünscht. Solange derselbe an der Spitze der ungarischen Verwaltung stand umdie Maßnahmen derselben durch seine Theilnahme gewissermaßen sanctionirte, korchman diese nicht geradezu stürzen, da man sonst genöthigt gewesen, auch einen kön^lichen Prinzen absetzen und als Hochverräther erklären zu lassen. Nun dieses Herv^rüß geschwunden, durfte die Reaction geradenwegs auf ihr Ziel lossteuern. An dem-selben Tage, wo Ferdinand V. die Abdankung Stephan's entgegennahm (25. Sep^unterzeichnete er zwei inhaltsschwere Manifeste, die der ganzen Verwickelung eineWendung geben sollten. In dem einen wurde Feldmarschallieutenant Graf Lanibozum königlichen Commissar in Ungarn und zum Obercommandanten aller in Ung^befindlichen, sowol regelmäßigen Truppen wie Nationalgarden und Freiwilligen ernan ^mit der Weisung, sich gleich nach Empfang dieses Befehls ins Lager zu bege^um zwischen den beiderseitigen Parteien jedes Blutvergießen zu verhindern, u^d ,dem zur „östreichischen Gesammtmonarchie gehörenden Ungarn, sowie in dessen Neländern" Ruhe und Frieden herzustellen. In dem zweiten Manifest ward das uns^rische Militair aufgefodert, sofort zu seinen Fahnen (den kaiserlich-königlichen)zukehren und^alle Feindseligkeiten einzustellen, da es unnatürlich sei, daß Solda^ ^
die zu einer Fahne geschworen, gegeneinander fechten sollen. Der Kamps würdt