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Fünfter Band.
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260 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

lung mit der Nachricht, daß man die ungarische Krone aus Ofen nach Wien ent-führen wolle. Er rief die versammelten Bolksmassen auf, ihn hinüber nach Ofen zubegleiten, um die Entführung dieses Nationalkleinods durch Gewalt zu verhindern.Unterdessen verbreitete sich auch die Nachricht, Lamberg sei bereits in Ofen angekom-men, habe die Thore der Festung schließen und die Kanonen der ofener Festung^wälle zum Bombardement auf Pesth, den Sitz der Nationalversammlung, richtenlassen. Tausende, erhitzt und aufgeregt, eilten, mit Flinten, Sensen, Hacken u. s. w.bewaffnet, nach Ofen hinüber, um die Schließung der Festung zu verhindern. Ausder Pesth und Ofen verbindenden Brücke begegnete dieser Haufe dem Grafen Lam-berg selbst, der sich eben in einem Fiaker nach Pesth begeben wollte. Das Volk be-trachtete diesen Mann, den schon die Nationalversammlung der „Strafe der Verletztder Constitution und der Freiheit der Nation verfallen" erklärt hatte, als den Ur-heber der Gewaltstreiche, zu deren Verhinderung man eben auszog. Nieder mitdem Verrä'ther! schallte eS aus tausend Kehlen, sobald der Gras erkannt worden-Man fiel über ihn her, und nach wenigen Minuten — war Lamberg nicht mehr.

Wie sich wol erwarten ließ, sprach die Nationalversammlung ihre entschiedensteMisbilligung über den Mord aus; sie faßte auf der Stelle einen Beschluß, nachwelchem die pesther Stadtbehörde zur strengen Untersuchung dieser schauerlichen Volks-justiz angewiesen wurde. In derselben Sitzung erfolgte auf des Präsidenten Paz-mändy Antrag einstimmig der sehr folgenreiche Beschluß, welcher die vollziehende Ge-walt einer außerordentlichen Regierungsbehörde übertrug, indem unter den vorhan-denen Umständen die Einsetzung eines förmlichen Ministeriums nicht möglich war-Der Beschluß lautete: „Da gegenwärtig kein eigentliches Ministerium besteht, dasLand aber nicht ohne Regierung sein kann, so wird die vollziehende Gewalt einst"weilen dem LandeSvertheidigungöauSschusse übertragen." Dieser Ausschuß bestand schonseit einiger Zeit als eine der Regierung beigeordnete Behörde, die sich ausschließlichmit den Mitteln zur Landesvertheidigung zu befassen hatte. Jetzt, wo der Krieg zu*Hauptaufgabe wurde, hielt man eS für zweckmäßig, das Staatsruder überhaupt anden Ausschuß übergehen zu lassen. Mit Ausnahme von Meßaros und Pazmandy gehör-ten fast sämmtliche Mitglieder des Ausschusses der radicalen Partei an: so Szemere,Lad. Madaräß, Paul Nyary, Johann Pälfy, Emerich Zsembery, Joseph Patay undGraf Kasimir Batthyäny. Präses des Ausschusses war Kossuth; derselbe behielt auchdas Departement der Finanzen, wie Meßaros das des Krieges. Ludwig Batthyän?übernahm das Äußere, Nyäry das Innere, Szemere die Justiz und Madaräß diePolizei. Doch führte keiner dieser Männer den Ministertitel, sondern jeder unterzeichnnete als Mitglied des Landesvertheidigungsausschusses.

Nach dem Rücktritt Teleky's und des Erzherzogs Stephan hatte General Mög§das Commando übernommen. Er war es auch, der Stuhlweißenburg geräumt undsich bis Velencze, etwa drei Stunden vor Ofen, zurückgezogen hatte. Möga wollteauch hier nicht standhalten, angeblich weil der Landsturm noch nicht in genügend^Zahl angekommen und gehörig concentrirt sei. Aber die Offiziere hatten im Kriegsrathe beschlossen, durchaus nicht weiter zu retiriren, vielmehr offensiv aufzutreten/wenn Jellachich nicht binnen 24 Stunden innehalte. Am 29. Sept. begann den§wirklich der erste geordnete Kampf zwischen den kroatischen und den ungarischen Trup'pen. Die ungarische Armee zählte ungefähr 15000 Mann regulaires Militair uN^ebenso viel Landsturm aus den nahen Comitaten. Unter Möga commandirte ^rechten Flügel Oberst Holcsa, den linken Oberst Kiß, das Centrum Oberst Läzär,Artillerie, bestehend aus 24 Kanonen, Major Mack. Jellachich's linker Flügel eroffnete das Gefecht, indem er mit Tagesanbruch durch eine Schwenkung gegen Lova^bereny die ungarische Position zu umgehen suchte. Derselbe wurde aber vom ung^rischen rechten Flügel (ein Theil des Regiments Wasa, zwei Bataillone tolnaer ^tionalgarden, ein Bataillon Honved, zwei Schwadronen Husaren und sechs Kanone /gänzlich geworfen. Nicht besser erging es der Hauptmacht des Feindes, die um