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Nassaus politische und sociale Zustände. 283
suchten, auch in der Setz- und Hegezeit das Wild ausrotten zu dürfen, da es ihrerstümperhaften WaidmannSkunst immer wieder über den Kopf zu wachsen begann.
.. Sicherer als das Wild wurden hingegen die Wälder von der allgemeinen Ver-wüstung getroffen. Die frühere Schmälerung des Rechts, Holz und Waldlaub zusammeln, wurde hart gerächt. Ganze Waldschläge wurden überall von den Bauernniedergehauen und natürlich meist in so ungeregelter Weise, daß auch der Nachwuchs^uf lange Jahre verdorben bleiben wird. Was der Einzelne an Holz bedurfte, dasholte er sich ungestört im Walde, und die Wenigsten glaubten ein Unrecht damit zubegehen. Auf dem Westerwalde hatte nicht nur ein Handel mit gesreveltem Brenn-holze statt, sondern sogar ein geregelter Verkauf mit Bretern aus gesreveltem Holze,^gestalt, daß dieser Verkehr die Preise der Breter auf einen weiten Umkreis herab-öudrücken drohte. Ganze Häuser wurden dort von gesreveltem Holze erbaut, undElne Gesellschaft von Zimmerleuten im Amte Hadamar konnte es übernehmen, ein-stöckige Wohnhäuser für 30 Gulden das Stück herzustellen. Die Brennholzprcise,welche in den vorhergegangenen Jahren durch den übergroßen Verbrauch der Berg-ab Hüttenindustrie zu einer kaum erschwinglichen Hohe gestiegen waren, fielen plötz-lich so tief herab, daß man überall fast nur durch förmliche Verschleuderung dasdeste Holz an den Mann bringen konnte. Am großartigsten wurde die Wälderver-Arstung aus dem östlichen Taunus, und hier namentlich in den gräflich Baffenheim'-
lchen Standesherrschaften ausgeführt. Dort wohnt ein in Elend und Hunger ver-
^Mmener Bauernschlag, dem ein unergiebiger Boden kaum die Hälfte Dessen erträgt,er zur kümmerlichen Leibesnothdurft braucht. Von Gott und der Welt durchfb" Mangel aller erträglichen Verbindungswege abgeschnitten, ohne Gewerbe odersonstige Quellen des Verdienstes, ist ein großer Theil dieses unglücklichen Bauern-proletariats auf Waldfrevel und Wilddieberei förmlich hingewiesen, worin es dennViele schon seit langer Zeit zur höchsten Virtuosität gebracht hatten. Diese. kmnnden lagen nun in einem Rechtsstreit mit ihrem Standesherrn, dem Grafen
on Bassenheim, und da sie glaubten, durch eine Nechtsverweigerung hierbei benach-
teiligt zu sein, so zogen sie, um sich selbst Recht zu schaffen, aus, und verwüstetenvu verschiedenen malen die Baffenheim'schen Waldungen aufs äußerste. Monate langurden fruchtlose Verhandlungen mit dem in München weilenden Grafen gepflogen.
. ^stlbe wollte auf die gefoderten Zugeständnisse nicht eingehen, und jedesmal waru!!* Verheerung in seinen Wäldern die Antwort darauf. Endlich sandte man,diesem faustrechtlichen Rechtsstreite ein Ende zu machen, Militaircolonnen vonlesbaden in die Baffenheim'schen Ortschaften. Die Soldaten fanden keinen Wider-§nd; fanden aber auch nichts zu essen in der bettelarmen Gegend. Als Ein-vick^brung bedrückten sie die hierdurch zu strafenden Einwohner nicht, da diese selbstritt ^ besaßen. Zuletzt mußte sich der Staat bequemen, die Executionstruppen aufKosten zu verpflegen.
il, Als endlich die Bauern nachdenklich geworden waren und einsahen, daß sie und^ Kinder bei dem wachsenden Ruin der Waldungen am meisten leiden müßten,Sannen sie von selbst der Waldfreiheit ein Ziel zu setzen. Der Fall ist öfter vor-Zinnien, daß der klügere Theil der Gemeinde hinauszog, um dem unvernünftigemsä'lle^ ^ gefrevelte Holz abzunehmen, und ihm dadurch die Lust am weitem Helz-hin " ^ vertreiben. Charakteristisch für die nassauische Bewegung bleibt es immer-der neuberufene verfassunggebende Landtag nichts Eiligeres zu thun hatte,te^i, st Waldrevolution zu beschwören, und daß das erste der von ihm ausgearbei-teten Gesetze ein Jagdgesetz war.
welch. ^)st dem Walde war es eigentlich nur noch die Gemeindeverfassung, gegen*Una^ ^ der Freiheitsdrang der Bauern wendete. Die verhaßten, von der Regie-ljch ^gedrungenen Schultheißen mußten beseitigt werden: es geschah dies unglaub-Eksten^ ""d ohne den mindesten Widerstand. Die Dorfschulzen hatten in dem^derv," über den unbegreiflichen Umschlag ebenso gut den Kopf verloren alswarts die Fürsten und ihre Minister. Die Regierung wagte es jetzt nicht, sich