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Fünfter Band.
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Nassaus politische und sociale Zustände. 287

aufs Land gefahren wird, um in irgend einem Dorfe den Bermittler zu machen,iu schlichten, zu beruhigen.

^ Unter solchen Verhältnissen geschah es, daß die nach dem neuen Wahlgesetze^rufene Kammer säst zur Hälfte aus Staats- und Kirchendienern, zur andernHalste aus Bauern bestand. Man glaubte freisinnig gewählt zu haben, indem man^tarnte wählte, und hierbei namentlich zu den jüngsten Leuten griff, die oft kaumstit gestern angefangen hatten, an Politik zu denken. Dadurch geschah es, daß Nassau,kaum der Bureaukratie entronnen, doch wieder in eine neue, sehr bedenkliche Abart^selben, in eine wahre „Accessistokratie" verfiel, wo der Subalternbeamte dieselbeRolle übernahm, welche früher sein Vorgesetzter gespielt hatte. Bekanntlich find aberoie kleinen Despoten noch viel schlimmer als die großen.

Die Machtvollkommenheit und die Privilegien des Beamtenthumß sollten bleiben^ darin waren die bureaukratischen Demagogen einverstanden. Nur in dem in-"ern Organismus der Beamtenwelt sollte es anders werden: statt der Beamtenabso-lutie — eine Beamtenrepublik. Der einzelne Beamte bis zum letzten hinunter wolltesvuverain werden. Man begriff nicht, wie eine solche Unabhängigkeit im constitutio-Nellen Staate am wenigsten möglich war, während sie sich in einem absoluten Staate^eit eher hätte verwirklichen lassen. Nichts brachte demnach größere Erbitterung inder nassauischen Beamtenwelt hervor als ein Generalrescript des Märzministeriums,welches denjenigen Beamten, deren politisches Gewissen sich nicht mit der konstitutio-nellen Staatsform aussöhnen könne, es zur Ehrensache machte, abzutreten. Manf^.h hierin einen unerhörten Eingriff in die Rechte der Staatsdienerschaft. Wer dieStaatsprüfung bestanden hatte, der hielt damit auch seine lebenslängliche Versorgungunter allen Umständen für garantirt; wie konnte man da von Gewissensscrupeln und^hrenpunkten sprechen? Dies eben ist der Fluch der kleinen, armen Staaten, daßhur der öffentliche Dienst, bis in die höchsten Zweige hinaus, am meisten nach Brot3eht; ja daß wol kaum ein Minister Gewissens halber abdanken mag, da er wol^hne Gewissen, nicht aber ohne Besoldung leben könnte. Wenn man in einem^ande, wie Nassau, eine Zahl von nur 30 untauglichen Beamten plötzlich ihresDienstes entließe, so würde man eine Revolution hervorrufen, und 30 agitirendeProletarier würden an der Spitze derselben stehen. Das Schlimmste war, daß sichu durch die Märzbewegung zu so großem Einfluß gelangte Accessistokratie mit derneuen Ordnung der Dinge ebenso wenig zufrieden geben konnte als mit der alten.

enn bei allen revolutionären Tendenzen lief doch ihr letztes Ziel dem socialen^rundzug der Revolution schnurstracks entgegen. Nicht bei der Vereinfachung dertaatsmaschine konnte sie gewinnen, sondern nur bei einer womöglich noch gekünsteltem. brvielfältigung ihres Räderwerks, nicht bei einer Verringerung des Staatsbudgets,U^dern bei einer Erhöhung desselben. Es bildete daher einen wahrhaft komischenontrast, wenn man fortwährend von der Minderung der Staatsausgaben im Gan-^ sprach, und doch im Einzelnen fast alle Posten zu erhöhen beantragte. Nassau^ schon vorher nach einem System verwaltet worden, welches ursprünglich den^schnitt für große Staaten, nicht aber für einen Kleinstaat von 500000 Einwoh-nn hatte. Jetzt ging man noch viel weiter. Man sprach von Reform! indemdie neue Verwaltungsorganisation vollständigst auf den Stil eines Großstaats^schraubte.

^ Die Ministerkrisis nach den Märztagen hatte sich zwar in keiner unerwarteten,b E* doch wiederum in einer nirgend recht befriedigenden Weise gelöst. Der Führer8ef?s wegung, Hergenhahn, war an die Spitze gerufen worden. Den Demokratenden nicht, denn sie glaubten, daß der Minister den Volksmann erdrücken würdezStn .stokraten gefiel es auch nicht, denn der neue Minister war ja nur durch den

ihres Regiments in die Hohe gekommen. Die Bauern wußten wenig vonl^.^tchahn und Hürden bald mistrauisch gegen ihn. Den Beamten gefiel er vol-in r? a*" allerwenigsten. War er doch nicht in der Schule des Staatsdienstes, nichtoer Schreibstube großgewachsen, war es doch unerhört, daß ein Advocat, der also