Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1S48. 297
Entstehen einer deutschen Seemacht zu hindern, da es um jeden Preis sowol^ußland in der Ostsee als England auf dem Weltmeere einen neuen Rivalen wün-schen mußte. Endlich aber war die Opposition gegen Alles, was Guizot gethan, so6wß, daß man ohne weitere Untersuchung auch den von dem königlichen Cabinet fest-gehaltenen Anschluß an die Politik des dänischen Cabinets verwarf, und sich sehr ge-zeigt fühlte, den Herzogthümern blos darum Recht zu geben, weil man Guizot Un-echt gab. Außerdem erschien die Erhebung in dem Lichte einer Revolution gegeneinen Fürsten, und Frankreich sah demnach in dieser Erhebung einen natürlichen Ver-bündeten. Bei alledem blieb es jedoch, absorbirt von seinen eigenen Fragen, ziemlichgleichgültig gegen die ganze Sache; und als es endlich namentlich durch den Ein-marsch der sehr wenig republikanischgesinnten preußischen Truppen in die Herzogthü-Mer und dann in Jütland zu fürchten anfing, daß Preußen sich eine Acquisition auSben Herzogthümern machen werde, da wandte es sich mehr und mehr gegen die'chleswig-holsteinische Sache, und trat der Politik Englands bei. Dies geschah be-reits im Maimonat, und diese Stellung hat Frankreich, ohne jedoch sich direct inbie ganze Angelegenheit einzumischen, in allem Wesentlichen bis auf die Gegenwartbeibehalten. ..
Was Ostreich betrifft, so besaß es weder directe Veranlassung noch auch beielgener Erschütterung seiner Zustände Zeit und Kraft genug, sich weiter an der SacheA betheiligen. Es rückte dieser Angelegenheit erst im Jahre 1850 näher durch dieBeziehungen, in welche die schleswig-holsteinische Frage zum Deutschen Bundestage trat.
war die allgemeine Lage der politischen Verhältnisse, als die Dänen beiSchleswig standen und die preußischen Garderegimenter in Rendsburg einrückten." ergab sich als allgemeines Resultat, daß die beiden Hauptmächte, England und^ntßland, gegen die Ansprüche und die ganze Erhebung der Herzogthümer waren,Meu sie eine Vergrößerung Deutschlands oder doch Preußens zu Lande und zur Seeurch die Trennung derselben von dem dänischen Königreiche fürchteten. Dieses Re-sultat war so einfach, so klar, so nothwendig, daß die ganze staatsmännische Unfähig-st der provisorischen Regierung dazu gehörte, um es nicht als die einzige und ent-scheidende Hauptsache in der ganzen Lage der Herzogthümer anzusehen und danachöu handeln. Preußen dagegen begriff es seinerseits sehr wohl; allein es handelte miterner Halbheit und Unsicherheit, die es in dieser ganzen so ungemein wichtigen Sacheu eine höchst verkehrte, seiner Würde und seinen Interessen gleich sehr widersprechende^age bringen mußten.
als jenem Resultat war nun die Aufgabe der provisorischen Regierung gegeben,6 eine ganz bestimmte und unverrückbare. Verließ sie die Bahn, die dasselbe ihrZeichnete, so mußte sie sich und das Land unausbleiblich in unabsehbare Verwir-la stürzen. Es erschien natürlich unmöglich, der übereinstimmenden Absicht Eng-H^bs und Rußlands gegenüber den eigenen Willen der Herzogthümer durchzusetzen.^ .war ebenso unmöglich für dieselben, sich wieder in den alten Zustand vor 1848^"ckversetzen L" lassen. Die provisorische Regierung hätte daher mit fester HandH Erste und eigentliche Bedenken jener beiden Großmächte, um dessenwillen sie imrunde allein gegen die Erhebung und die Foderungen der Herzogthümer auftraten,Jürgen müssen. Sie hätte durch ihr ganzes Auftreten nach außen hin und durchganze Verwaltung im Innern den Beweis liefern müssen, daß sie um keinenrne^d Eine absolute Abhängigkeit der Herzogthümer von Preußen wolle; daß sie viel-beabsichtige, das frühere Maß der Selbständigkeit der Herzogthümer gegengebe ^ allen Mitteln wiederherzustellen; und daß sie dadurch jenen Mächtendurch ste eben hauptsächlich foderten — eine Garantie dafür, daß die Herzogthümer*eibu Kampf gegen Dänemark nicht einer mehr oder weniger directen Einver-
hin Preußen anheimfallen würden. Das Alles faßte sich nach allen Seiten
Her? in den Begriff und die Ausführung einer selbständigen Politik der
Niit o.^hunier. Diese Selbständigkeit konnte natürlich nicht an einem Tage, nichtlner Maßregel erreicht werden; aber man konnte sie zum lebendigen Princip