298 Schleswig-Holstein seit feiner Erhebung im Jahre 1848.
des ganzen Auftretens erheben, und dadurch das wachsame und richtig urtheilendeInteresse jener beiden Großmächte versöhnen.
Auf der andern Seite war Preußens Aufgabe, vom höherm Standpunkte ausbetrachtet, ganz dieselbe. Preußen mußte sich vernünftigerweise sagen, daß es alsfünftes und schwächstes Glied der Großmächte durchaus außer Stande sein werde, dieHerzogthümer für sich gegen den entschiedenen Willen jener Mächte zu gewinnen.Durch die Verhältnisse, die hier zu wiederholen unnöthig, war Preußen nun aller-dings veranlaßt worden, sich der Sache der Herzogthümer Dänemark gegenüber an-zunehmen. Es hatte seine Garderegimenter, Kaiser Franz und Alexander, nach Rends-burg geschickt, um den ersten Stoß der Dänen aufzuhalten. Bei der gänzlichen Aus-lösung der schleswig-holsteinischen Macht war Preußen thatsächlich nicht blos Herrder Kriegführung, sondern wirklich Herr im ganzen Lande. Es hatte daher aller-dings in Wirklichkeit bereits gerade die Stellung, welche ihm weder von Englandnoch von Rußland gelassen werden konnte, und die unter jeden andern Umständeneine vollständige Kriegserklärung gegen Beide gewesen wäre. Allein eben die außer-ordentlichen Umstände jener Zeit ließen das Ungewöhnliche als ein Gewöhnliches er-scheinen, und mit der bloßen noch zusammenhanglosen Besetzung Holsteins war f"*die preußische Politik noch keine Entscheidung gegeben. Das Bedenken jener beide"Mächte konnte erst da beginnen, wo Preußen Das, was ihm der Augenblick geböte",zu einem Dauernden zu machen suchte. Preußen mußte dies erkennen; es warnicht möglich, es nicht zu begreifen. Sowie es Jenes that, mußte es wissen, daß ^in der ganzen schleswig-holsteinischen Frage die Gesammtheit der europäischen Diplo*matie gegen sich haben und gegen die Herzogthümer wenden werde. Es konnte n""freilich auf diese Eventualität hin verfahren, wie es verfuhr; allein dann mußte es,um dieser Herzogthümer willen, wie einst für Schlesien, auf einen europäischen Krisögefaßt sein, den es nur durch ein Aufbieten des ganzen Deutschlands und mithindurch den Umsturz der ganzen Verfassung des deutschen Reichs, dem seine eigene g*'folgt wäre in dem Untergänge, hätte ertragen können. Es war nach dem herrsche"'den System und nach den Persönlichkeiten mehr als unwahrscheinlich, daß dies g*'schehen werde. Mithin blieb nur Eines übrig. Da es voraussichtlich die Gegnersch""der ganzen europäischen Diplomatie in dem Maße mehr sich zuziehen mußte,welchem es die Herzogthümer von üch abhängig machte, so mußte es, um wirkl^freie Hand zu behalten, soviel als möglich die Entwickelung der Selbständigkeit d**Herzogthümer fördern. Es mußte genug Sicherheit des staatsmännischen Urthei^besitzen, um sich sagen zu können, daß diese Selbständigkeit die Herzogthümer nnb*'dingt doch bei der fortwährenden Gefahr, die von Dänemark drohte, dem preußisch*Cabinet in die Arme treiben werde, und daß es dann, wenn auch nicht in denzogthümern, so doch über dieselben herrschen werde. Es mußte von der Lage d*Dinge zu erwarten wissen, was es mit seiner direkten und ausschließlichenMischung und Bevormundung nie erreichen konnte. .
So bewiesen alle Verhältnisse und Berechnungen in gleicher Weise und inchem Maße, daß in der möglichsten Selbständigkeit der Herzogthümer der ein^Ausweg aus der sehr ernsten Verwickelung gefunden werden könne, die mit der ^Hebung herannahte. Nie ist ein Grundsatz für die Herzogthümer wie für Pre"dklarer gewesen, und nie hat da- Verkennen des Großen und Allgemeinen "be" ?Halben und Vereinzelten traurigere Folgen gehabt. Was thaten nun Preußen e"^feits und die Herzogthümer andererseits dieser Sachlage gegenüber? Preußen ,weder den Muth, die Sache der Herzogthümer bis zu ihrer letzten, zwar sehraber doch unvermeidlichen Consequenz aufsichzunehmen, und die SelbständigkeitHerzogthümer zu einer diplomatischen und öffentlich rechtlichen Thatsache zu nmcy ^noch auch den, die Herzogthümer in seinen eigenen oder in Deutschlands Namen ^oder Deutschland als Provinz einzuverleiben. Es wollte die Herzogthümer vv"abhängig erhalten, und doch den Schein haben, als beabsichtige es die ^
Königs von Dänemark und damit die frühere politische Stellung der Herzogty