304 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
daß aber das dänische Cabinet sich auf nichts einlassen wolle, und daß Preußen da-her nicht Schuld sei, wenn ernste Folgen aus dieser Hartnäckigkeit entständen. Ban-sen arbeitete diese Ansichten zu einem kurz nachher veröffentlichten Memoir aus,
daS unter den diplomatischen Schriften aller Zeit stets einen ausgezeichneten NanS
durch Klarheit seiner Fassung und richtige Beachtung der Verhältnisse behalten wird. *)Indessen erreichte Preußen dadurch nichts, als daß England auf die Sachlage mehrund mehr aufmerksam ward. Zugleich aber waren die Dänen keineswegs müßig'Orla Lehmann ging selbst nach London, und wußte mit seiner gewandten und ei^nehmenden Weise sich bei den Tones Eingang zu schaffen, die um so entschiedenersich der Sache Dänemarks anzunehmen anfingen, je weniger Palmerston geneigtschien, gegen Preußen Partei zu nehmen. Orla Lehmann stellte die Erhebung derHerzogthümer in England als einen Kampf des Pöbels gegen die Monarchiedas Bestehende dar, wie er in PariS denselben als den Kampf der aristokratisch^Grundbesitzer gegen die liberale Richtung des dänischen Cabinets darzustellen wußt*'Es gelang ihm darum auch bald, die „limes" für die dänische Sache zu gewinnetwenn auch nicht ohne bedeutende Kosten; und schon im Ansang April erschien^mehre schmähende Artikel dieses käuflichen, immer aber reactionairen Blattes geg^die Schleswig-Hylsteiner, die gegen das Bunsen'sche Memoir ein zweites PublicU^und eine zweite öffentliche Meinung aufzustellen suchten. Allerdings mußte Or^Lehmann dabei eine ernste Zurechtweisung von Bunsen hinnehmen. Doch ward sch^dadurch die bestimmte Theilnahme Englands paralysirt; und da die Schleswig-Ho^steiner selbst weder etwas thaten noch wollten, so konnten die Dänen annehmen, daß ^in London ebenso viel Terrain als die Preußen gewonnen hätten. So geschah es den"/daß Preußen sich in der ganzen schleSwig-holsteinischen Frage durchaus isolirt fühltf'Dazu kam, daß man in Berlin versäumte, sich zur rechten Zeit und in der geho^gen Weise an Schweden zu wenden, und sich dadurch das stockholmer Cabinetgänzlich entfremdete. Preußen stand sonach im Anfang April allerdings allein. ^hatte wol ganz Deutschland hinter sich und keinen offenen Feind; aber beringgehörte ein frischer und selbstthätiger Muth dazu, um diese Stellung zum VorthuPreußens auszubeuten. Diesen Muth besaß man nicht; und auf diese Weise ^die Entwickelung der Dinge in der diplomatischen Welt gleich von Anfang anden Händen Preußen- genommen und den Umständen in die Hände gegeben. ^war die Sachlage im Anfang des Aprilmonats. .
Während dies in London, Kopenbagen, Stockholm und Berlin geschah, undin Frankreich die Stimmung sich allmälig der dänischen Politik wieder zuwendete,gen die Dinge in Deutschland ihren Weg, und rissen die Haltlosigkeit Preußens.sich fort, ohne daß man auch hier beiderseits wußte, wie weit man gehen, wohinkommen werde. Nach dem Beschlusse vom 4. Apr. reiste Pechlin von Frankfurt ^Don Rendsburg aus ward Droysen als Einer der 17 Vertrauensmänner nach Ära"fürt geschickt und hier angenommen, wenngleich der Bundestagspräsident im AnfandZweifel über seine Zulassung aus sprach. Droysen als Mitglied der Siebzehner ^anfangs ungemein thätig. Die große Begeisterung, welche die Erhebung Schles^Holsteins und die Bitte der provisorischen Regierung, Schleswig in den Deuts^,Bund aufzunehmen, in ganz Deutschland erweckt hatten, kam ihm zu Hülse, und P^ßen mußte dringend wünschen, daß von Frankfurt und insbesondere vom Bundes^aus seinem Einschreiten ein kräftiger Rückhalt gegeben werde. Namentlich von DrÄ.ging auch der Antrag der Siebzehner an den Bundestag aus, der am 10gestellt ward: 1) Daß die provisorische Regierung für Schleswig-Holstein im
*) „Memoir on lks eonstitulional rtZkts ok tke Direktes ok LekIesvviS sn6 l^opresentecl to Vjgeount palmerston Okevalier Lunsen vn tke 8ltr ok >pri1a Postscript of iko 15tk ok ^pril. publiskeä wild öl. 6. Oruner's Lsss^ on tkequestion sn4 all lke okNcinl clooumsnts Otto von Denkstein" (London 19^)-