318 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
gefallen wäre. Unterstützt von den bestimmtesten Versprechungen Rußlands und aufdie Hülfe Schwedens rechnend, höhnte und verletzte es Preußen und Deutschlandauf alle Weise. Merkwürdig, wie daS geschehen konnte angesichts der Erhebung desganzen mächtigen Deutschland! Während das siegreiche Heer der Deutschen inraschen Märschen sich der Eider näherte, zogen die Reste der dänischen Armee hinterihm her. Gleichsam zum Spotte sehte man am 27. Mai in Kopenhagen ein Pn-sengericht ein, und condemnirte die ersten deutschen Schiffe. Zu gleicher Zeit wurden,am 28. und 29. Mai, die deutschen Truppen, die gegen Alsen standen, von denDänen mit großer Übermacht angegriffen, und mit einem Verlust von 210 Mannzurückgedrängt; ja die Dänen rückten in Hadersleben ein, besetzten den ganzen Nor-den Schleswigs, höhnten die Preußen, verhafteten und mißhandelten die armen deut-scken Einwohner von Hadersleben und Apenrade, und Das angesichts einer Armee,die sie im Nu hätte erdrücken können, angesichts der englischen Bedingungen, dieeine Räumung beider Herzogthümer vorschrieben. Zu gleicher Zeit freilich langteder Großfürst Konstantin in Stockholm an, wo er von dem Könige Oskar auf dasherzlichste bewillkommnet ward; von da ging er nach Kopenhagen, wo ihn Hof undVolk mit unendlichem Jubel begrüßte. Eine Abtheilung der russischen Flotte stachin See, und Rußland versprach Dänemark im Falle finanzieller Bedrängniß dieSumme von 10 Millionen Rubeln als Vorschuß. Jetzt blähte sich der dänischeHochmuth; er glaubte mit solchen Alliirten leichtes Spiel zu haben. Die Mißhand-lungen der Deutschen stiegen, der Zorn derselben wuchs; zugleich aber sank derGlaube an Preußens Willen und Macht. Es blieb nur Eins übrig: daß war Frank-furt. Die hartgedrückten deutschen Einwohner in Hadersleben und Apenrade be-schlossen ein Äußerstes zu thun. Sie sandten, außer Stande die dänische Herrschtlänger zu ertragen, eine Deputation nach Frankfurt, um Hülse bittend; andere De-putationen der Herzogthümer schloffen sich an. So groß war die Noth und der Un-wille der Herzogthümer, daß selbst die provisorische Regierung sich bewegt fühlteBeseler eilte gleichfalls nach dem Sitze der deutschen Nationalversammlung.
Hier nun vereinigten sich sofort die schleßwig-holsteinischen Abgeordneten,gaben am 2. Juni bei dem Ausschusse für völkerrechtliche und internationale Ver-hältnisse einen Antrag ein, daß die Nationalversammlung sich endlich entschiedenschleswig. holsteinischen Sache annehmen möge. Der Ausschuß beschloß, bereits ^3. Juni, bei der Nationalversammlung demzufolge zu beantragen: „Die deutschetionalversammlung erklärt, daß die schlcswigsche Sache, als eine Angelegenheitdeutschen Nation, zu dem Bereich ihrer Wirksamkeit gehört, und verlangt, daß ^dem Abschlüsse deß Friedens mit der Krone Dänemark das Recht der Herzogthü^Schleswig und Holstein und die Ehre Deutschlands gewahrt werde. Auch spr^die deutsche Nationalversammlung die zuversichtliche Erwartung aus, daß in ^Voraussetzung, daß der Rückzug der deutschen Bundestruppen nach dem SüdtSchleswigs strategischen Gründen beizumessen sei, für die erfoderliche Verstärk^des BundeSheeres in SchleSwig-Holstein, sowie für die Sicherstellung des durch ^erwähnten Rückzug den feindlichen Einfällen etwa blosgestellten nördlichen Schles^schleunige und wirksame Sorge getroffen werde." Noch niemals hatte die Versaglung einen so halben, so lauen und nichtssagenden Antrag vernommen; dennochdie Majorität nicht blos bereit, ihn anzunehmen, sondern sogar jede Discussion b"über abzuschneiden. Und doch war es vollkommen klar, daß mit einem solchentrage nicht das Allermindeste gewonnen sein werde. Aber auch dieser Antrag ^nicht sogleich auf die TagesoHnung. Erst am 8. Juni ward der Bericht daru ^erstattet; und der Schluß dieses Bericht- lautete dahin: daß der Ausschuß fich ^zu einer kategorischen Erklärung habe verstehen können, durch welche ganz Sc^e --als unthcilbar Deutschland erhalten bleiben müßte. Schleswig habe ein Recht ^die Verbindung mit Holstein, aber Deutschland habe kein Recht auf Schleswig ^ein BundeSland. Am 9. Juni ward nun die Debatte trotz des Widerstrebe ^Majorität eröffnet. Heckscher, mit seiner advocatischen Gewandtheit, war Berichten