Schleswig-Holstein seit feiner Erhebung im Jahre 1848. 319
ter gewesen. Dahlmann sprach zuerst, und sprach mit jener eigenthümlichen Doppel-herzigkeit, die das Große für Deutschland über Alles liebt, aber die zugleich lieberdas Große aufgibt, als daß sie Gefahr liefe, ein kleines Unrecht zu begehen. Ererkannte an: „das Gleichgewicht Europas möge sich verrücken; aber wenn in derschleswigschen Sache nicht geschehe was Recht ist, so sei der deutschen Sache dasHaupt abgeschlagen." Das hinderte ihn nicht zu erklären, daß die Anträge desAusschusses „in dem Sinne alter deutscher Bescheidenheit gestellt seien"; und so^upfahl er den Ausschußantrag, der wahrlich nicht im Stande war, das HauptDeutschlands durch seine deutsche Bescheidenheit zu retten. Was nutzte es, die altehalbe Politik des Bundestags von 1821 und 1822 zu erzählen, wenn man selbstwieder bei einer gleichen halben anlangte? Eine Reihe von Rednern, die nicht eben
bestimmter und besser sprachen, folgte. Keiner, kein einziger von all diesen Mä'n-
uern wagte den wahren Sachverhalt darzulegen. Wie weit Andere auch nur vonbern Verständniß desselben entfernt waren, zeigte der Antrag des ehrlichen JakobGrimm: „Die Nationalversammlung beschließt, daß der Krieg gegen Dänemark so-lange mit Energie zu führen sei, bis es Deutschlands Rechte anerkenne, und daßbw deutsche Nation keine Einmischung fremder Nationen in ihre Sache dulden werde."-Haitz, mit seinem eigenthümlichen, hofmeisternden Vermittelungscharakter, beganndamit, Preußen zu rühmen, und die Linke, die wenig von den großen Dingen ver-stehe, erheblich zu tadeln; er schloß endlich mit dem Antrag: daß die deutsche Na-
ttonalversammlung die schleswigsche Sache, als eine Angelegenheit deutscher Nationzu dem Bereiche ihrer Wirksamkeit gehörend, anerkenne, und daß energische MittelLur Fortführung des Kriegs ergriffen werden, nebst Wahrung der deutschen Ehre;zweitens, daß die Genehmigung des abzuschließenden Friedens der Nationalversamm-lung vorbehalten werde. Droysen zeichnete sich, wie immer, dadurch aus, daß erauch in dieser großen, sein näheres Vaterland doch so ernst berührenden Frage garwcht das Wort ergriff. Zuletzt sprach Heckscher; dann folgte die Abstimmung: derAntrag des Ausschusses fiel. Hierauf ward der Antrag von Waitz in seinem ersten ^7 -heil angenommen; der zweite aber, der eigentlich allein definitive Bedeutung hatte, *durch, und zwar mit nicht weniger als 475 gegen 275 Stimmen. Also hatte^ deutsche Nationalversammlung in einer Sache, in der „Deutschland das Haupt^geschlagen werden" konnte, erklärt, daß sie auf die Genehmigung des über diese^uptangelegenheit Deutschlands zu schließenden Friedens verzichte! War es vonli^ un für einen englischen, russischen oder auch nur französischen Staatsmann mög-noch das Geringste auf die Bedeutung der Versammlung zu geben? SeitZeit war diese Versammlung in den Augen der Diplomatie abgeurtheilt.
- Preußen dagegen sah nun, was es gewonnen habe. Von jenem Tage an erstes der wirkliche und alleinige Herr der schteswig-holsteinischen Frage. Die Na-vnalversammlung hatte bewiesen, daß man mit ihr machen könne, was man wolle;^schien, als brauche man nicht mehr Kaiser von Deutschland zu sein, um ganz^lttschland befehlen zu können. Preußen, von da an unbeirrt durch die öffentlichet/?uung, ging seinen Weg. Trotz des lauten Rufs der armen bedrängten Hcrzog-den^^ trotz des wachsenden Unmuths der deutschen Völker blieb es ruhig im Sü-h , Schleswigs stehen, ertrug es die Blockade, ließ seine Schiffe condemniren, undhandelte hoffnunglos in London. Unterdessen aber war man in Dänemark nichtH^rg gewesen. Die Könige von Dänemark und Schweden hatten sich gegenseitigein gemacht, und in Malmoe gleichsam eine Gegenconferenz gegen die Londoner,dies Preußen sich am meisten geschützt fühlte, aufgestellt. Rußland unterstütztePre ^nferenz mit aller Kraft; England, um ihr entgegenzuwirken, erwartete, daßdrufp " das Seinige thun werde, um der erbetenen englischen Vermittelung Nach-kett ^ äeben. Aber Preußen that nichts. Wenig bedeutete es, daß General Hal-seier^ unter dem Vorgeben, den Geburtstag des Königs von Hannover
liefet "Em, die Dänen im Sundewitt angriff, und ihnen ein blutiges Treffenre, in dem durchaus nichts entschieden ward; ebenso wenig, daß der kühne Par-