334 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
unglückselige Droysen'sche Antrag angenommen, entfernten sich viele Mitglieder ausdem Hause, theils mit Zorn, theils mit tiefer Niedergeschlagenheit. Der zweite An-trag der Ausschußminorität wurde mit nur 205 gegen 165 Stimmen angenommen;mit wenigen Ausnahmen stimmten alle Preußen dafür. Der Tag war zu Ende; eswar Abends 8 Uhr. Bon diesem Tage an erschien die Nationalversammlung als kläg-liches Schattenbild in den Augen der deutschen sowol als der fremden Machte; siehatte sich selbst getödtet. Die Geschichte aber wird die Namen der Männer bewah-ren und richten, die, als Preußen und Deutschland in Gegensatz geriethen, lieberDeutschland vernichteten, als Preußen in seine natürliche Stellung zu Deutschlandzurückwarfen!
Wahrend dies in der Paulskirche, dieser großen Katakombe von jugendlichenIllusionen und alten Berühmtheiten, vorsichging, wogte das Volk im Gefühle derentscheidenden Niederlage, welche die deutsche Sache durch einige Dutzend schwach"sinnige Stimmen erlitten, unmuthig durch die Straßen. Schon fielen einzelne Ex-cesse vor. Vor dem Hotel des Herzogs von Augustenburg tobte die Menge; Heck-scher war in Gefahr schon in dieser Nacht. Die verschiedenen Fractionen der Linkentraten zusammen und beriethen, ob es jetzt nicht zweckmäßiger sei, aus dieser doch ver-lorenen Versammlung auszutreten. Die Heftigern wollten ein selbständiges Parla-ment; die Ruhigern wollten nur eine Neuwahl. Doch kam es zu keinem Beschlusse-Sämmtliche politische Vereine dagegen erklärten der Linken durch Deputationen ihreZustimmung, und eine große Versammlung auf der Pfingstweide ward für den17. Sept. beschlossen. Sie fand statt; aber obwol sie alle demokratischen Häupterund Massen der Umgegend umfaßte, ging sie doch ruhig vorüber: nur daß heftigReden und wilde Anträge die Menge reizten. Dann zog man in Procession in dieStadt zurück, an der Spitze deutsche, in Trauerflor gehüllte Fahnen; die Wachestraten salutirend ins Gewehr, und die Aufregung der Gemüther verbreitete sich durchdie ganze Stadt. So dauerte dieser Zustand bis zum 18. Sept., wo die demokra-tische Partei, um das Maß des Kläglichen vollzumachen, die ersten Barrikaden er-richtete und gegen die Versammlung und die Reichsregierung zu den Waffen griff'Der Kampf dauerte den 18. und die Nacht des 18. zum 19. Der Reichsver-weser rief Truppen über Truppen aus der Umgegend, und unter dem DonnerKanonen ward endlich am Morgew des 19. Sept. der Aufruhr begraben. Die Sch^derung dieser Tage gehört uns nicht weiter an. Die Würfel waren gefallen. Schle^wig-Holstein hatte von Frankfurt keine Hülfe, Preußen von der deutschen Nation^Versammlung keine Opposition mehr zu erwarten. Die schleswig. holsteinische Sa^war von diesem Augenblicke an in ein neues Stadium getreten
Das ist die kurze Geschichte des Malmoer Waffenstillstandes in Frankfurt.
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bleibt uns noch der dritte Theil dieses denkwürdigen Acts der neuern Geschichte ^ropas übrig, Dasjenige, was ihm vorausging und was ihm folgte in Schlesw'SHolstein selbst, und was, wenn auch ohne Bedeutung für Deutschland, doch die Mkommende Lage der Dinge in den Herzogthümern bis auf den heutigen Tag beherrscht h
e) Der Malmoer Waffenstillstand, das Staatsgrundgesetz Und der Abgang der ProvisorsRegierung in SchleSwig-Holstein. .
Während dies Alles in Berlin und Frankfurt geschah, nahmen natürlichdie Herzogthümer in ihrer Weise an der Beendigung der Waffenstillstandsfrage tyDiese Theilnahme hat drei sehr bestimmt geschiedene Abschnitte, denen die bishergestellten Ereignisse in leicht verständlicher Weise ihren Platz anweisen. Den eN^Abschnitt bildet die Vertagung der neuen constituirenden Landesversammlung- ^
zweiten die Annahme des Staatsgrundgesehes und der Kamps gegen die Ausfuh ^des Waffenstillstandes; den dritten der Eintritt des deutschen Reichscommissarsder Aögang der provisorischen Regierung. Mit dem letzten schließt die Bewegwelche der Waffenstillstand hervorgerufen.
Nachdem das Wahlgesetz für die constituirende Versammlung angenommen,