Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 335
die Wahlen zum 28. Juli ausgeschrieben. Sie waren am 4. Aug. vollendet,^ni Allgemeinen bewiesen diese Wahlen, daß das kleine Land nicht eben einen Über-süß an politischen Notabilitäten, daß es aber noch weniger ein klares Verständnißsturer politischen Lage habe. Denn fast allenthalben waren die Führer der alten Op-position einerseits, und eine große Menge von Beamten und Geistlichen andererseitsgewählt. Der erste Blick aus die Wahlen mußte zeigen, daß diese Männer zwargroßer Zähigkeit an den alten Landesrechten und der Selbständigkeit und EinheitHerzogthümer Dänemark gegenüber festhalten, daß sie aber schwerlich im Standewürden, den großen, europäischen Verwickelungen, welche aus dieser Ausrecht-paltung der Rechte der Herzogthümer entstehen mußten, die Spitze zu bieten. Dieoolge bestätigte diese Annahme nur zu sehr; die Furcht vor dem Zuviel hat dieseconstituirende Versammlung, die bis in die Mitte des Jahres 1850 hinein bestand,^uf allen Punkten in das Zuwenig hineingetrieben, und der Reaction mehr Raumblassen, als für die Entwickelung der innern und äußern Volksrechte gut sein konnte.Während nun im Anfang August die Huldigung des Reichsverwesers, nur inhalben Deutschland vollzogen, von den Herzogthümern mit Jubel aufgenommen,llyon die Schwache des neuen Deutschland zeigte, drangen allerlei Gerüchte überkn Waffenstillstand in das Land. Eine große Unruhe bemächtigte sich der Gemü-yer. Ma„ lernte sich fürchten vor der Diplomatie, und begann allmälig zu begrei-E u, daß allerdings die Rechte der Herzogthümer nie als Vorwand angesehen werdenonnten, um andere Zwecke zu erreichen, und daß man sie daher auch im andernalle mit derselben Leichtigkeit beseitigen könnte. Das Gefühl ward allgemeiner, daß^ Herzogthümer ihre beste Stütze an sich selbst hätten. Allein dieses Gefühl fandoch immer keinen bestimmten Ausdruck. Mit fast unbegreiflicher Langsamkeit gingen^ öffentlichen Verhältnisse in den Herzogthümern ihren Weg. Die provisorischeeglerung mit ihrer unüberwindlichen Abneigung gegen verantwortliche Minister wollteso c? machen. Die Folge war, daß man Monate zu Dem brauchte, was manM in Wochen vollständig hätte erledigen können. Nachdem man am 4. Aug. dieWahlen beendet, erschien erst am 16. Aug. der Regierungsentwurf des Staats-vlundgesetzes, also erst dann, als bereits die Unterhandlungen über den Waffenstill-and im vollsten Gange waren, und die Durchführung jenes Staatsgrundgesetzess *")in schon höchst zweifelhaft werden mußte! Zugleich trat nun die Landesver-vunlung am 15. Aug. in Kiel zusammen. Trotz ihrer großen Abneigung gegenH^gische Schritte zur Förderung der innern Reform ließ sich aber dennoch mit Be-unitheit vorhersagen, daß sie Alles daran setzen werde, die Rechte der Herzogthü-L * gegen Dänemark und nöthigenfalls auch gegen die ganze Diplomatie mit großeralle *^gkeit aufrechtzuhalten. Man wußte dies in Berlin sehr wohl, und hartesck k ^llnd zu fürchten, daß die Herzogthümer sich endlich der preußischen Vormund-qa - im Waffenstillstände ihre theuersten Rechte gefährdete, entledigen, und sichin iE ^eu dem Reiche in die Arme werfen würden. Geschah dies, so waren damals,C ber Mute des Augustmonats, die Folgen unberechenbar. Der preußische Ministerl^phausen beeilte sich daher schon vor der Berufung der constituirenden Versamm-bers/r. ^ Reichsministerium aufzufodern, mit all seinem Einflüsse eine Vertagungselig Eu öu bewirken. Und hier beginnt die traurigste Rolle, welche jenes un-llnv- ^Eckscher'sche Ministerium gespielt hat. Anstatt zu begreifen, daß bei dem dochlg^^blichen Kampfe zwischen der deutschen und der preußischen Politik Deutsch-altz heulen treuern, ja fast keinen andern Bundesgenossen überhaupt haben werdeHerzogthümer, und daß daher Alles darauf ankomme, diese in ihrer ganzender k ihrem ganzen Muthe zu erhalten: beeilte sich sogar jenes Ministerium,„di/^fforischen Regierung der Herzogthümer schon am 11. Aug. zu schreiben, daßder schlösse der Versammlung möglicherweise den Stand der Dinge, wie er beidie^ ".^mg der Unterhandlungen vorliegt, wesentlich ändern könnten", und daßDt. Eglerung darum eine nur „kurze" Vertagung veranlassen möge. Zugleich wardon Gagern damit beauftragt, dies in aller Weise zu betreiben. Gagern