Band 
Fünfter Band.
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3S6 Schleswig'Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.

hatte freilich Zeit genug, daS Bedenkliche dieses Verfahrens zu fühlen; aber er ver-mochte doch nicht, es ganz zu durchschauen. Mit seiner Hülfe gelang denn dieserpolitische Act, der ganz geeignet war, die vollständige Unfähigkeit des Neichsmim-steriums und die große Klugheit seiner Feinde deutlich genug zu beweisen. Die Densammlung, am 15. Aug. zusammengetreten, kannte bereits die Auffoderung, sich Z"vertagen. Der gesunde Verstand der Mitglieder sagte ihnen, daß dies nur einen Sinnhabe, wenn die Verhandlungen in Malmoe gegen die Ansprüche der Herzogthümerauszufallen drohten. Die Linke, die sich schon damals von der Rechten schied, hi^sofort eine Privatversammlung, und beschloß wenigstens die Annahme der fünf erstenParagraphen des Entwurfs, welche die Selbständigkeit und Untheilbarkeit der Herzog'thümer und ihr Angehören an Deutschland enthielten. M. von Gagern wardessen sehr thätig, dies zu hindern, und es gelang ihm in der Hauptsache. Am17. Aug. ward der Antrag auf Vertagung förmlich eingebracht. Die weitere Der'Handlung pflog man in geheimer Sitzung. Die Debatte war, wenn auch nichteben heftig, was dem Charakter deS Norddeutschen wenig zusagt, so doch hartnäckig'Die Linke widersetzte sich im richtigen Verständniß der Lage, sie that alles Möglicheum den Fehler, den die Regierung durch ihr voreiliges Nachgeben begangen, wiedergutzumachen. Freilich konnte sie aber unter diesen Umständen unmöglich siegetDenn einerseits hatte die Regierung noch immer nicht das Mindeste für das Aller'nothwendigste, die Herstellung eines Heeres in den Herzogthümern gethan, sodaß diesrbeiden reichen und tapfern Lande ohne alle Vertheidigungsmittel waren; andererseitsließ sich nicht leugnen, daß die Nichtvertagung eine sehr bedenkliche Oppositiongegen den bestimmten Willen des Reichs, dem man doch Gehorsam gelobt, bildenwürde. Endlich konnte die Nationalversammlung noch Alles wieder gutmachen. DRegierung war in der Sitzung persönlich anwesend. Der Antrag auf Vertagtward mit 75 gegen 26 Stimmen angenommen; zugleich aber stellte die Landes^'sammlung 10 Propositionen auf, die ihr wenigstens die Möglichkeit gaben, unllveränderten Verhältnissen wieder selbstthätig aufzutreten. Diese Propositionen ging^wesentlich dahin: daß der Ausschußbericht über das Staatsgrundgesetz baldigst erstattwerde, daß das Bureau der Versammlung dieselbe stets wieder berufen könne, Adaß sie in jedem Falle zum 15. Sept. wieder zusammentreten solle. Diese Beschul!,wurden von der Versammlung am 19. Aug. gefaßt, und sogleich dem Reichsm^sterium mitgetheilt, daS herzlich zufrieden war. Dagegen war das Land in hoh^Grade unzufrieden, umsomehr als die provisorische Regierung nicht die geringsten Anst^ten machte, die Wehrkraft des Landes auf gehörigen Fuß zu setzen. In ihrem Sch^selbst fanden darüber die heftigsten Debatten statt; namentlich war es Th. Olshausi^der mit den übrigen Mitgliedern in der schärfsten Opposition stand. Bei Veranlaß^jenes Beschlusses der provisorischen Regierung, die Vertagung zu bewilligen, erkla^OlShausen endlich, daß er eher seine Stelle niederlegen als an diesem Beschlusse ,haben wolle. Sein Austritt ward am 19. Aug. angezeigt, und so groß war schon ^mals die Gewalt der Reaction, daß sich in der Landesversammlung nicht einmal r*Majorität fand, die ihm einen Dank votirt hätte! In jedem Falle waren die Hzogthümer jetzt außen vor die Frage nach ihrer eigenen Zukunft hingestellt; und "höchster Spannung erwartete man die Nachrichten aus Malmoe. .

Diese Nachrichten kamen am 30. Aug., und empörten die Gemüther, verten die Interessen so sehr, daß man einmüthig war, sie so einfach nicht hin"^ ^zu wollen, obwol man sich selbst aller Mittel dagegen beraubt hatte. Die provll hsche Regierung, die sich durchaus nicht um die Verhandlungen gekümmert hatte, , ^die nichts wußte, als was in den Zeitungen stand, war völlig rathloS. Die Gel ^der provisorischen Regierung sollten hiernach aufgehoben, die provisorische Regler^selbst sollte entlassen, eine neue gebildet, und an ihre Spitze der Graf Karl Moltke, ^tödtliche Feind der ganzen Bewegung, gestellt werden. Jetzt war eS im allgeweund im eigenen Interesse hohe Zeit für Alle, ihr Äußerstes zu thun. .gt

ter wäre dieses Land gewesen, wenn die Männer, die an der Spitze standen,