Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848. 339
thünrern vernahm, stieg die Erbitterung. Graf Moltke wagte es, sich nach Holsteiniu einem vornehmen Freunde in der Nahe von Jhehoe zu begeben. Sogleich ver-sammelten sich die Bürger und Umwohner der Stadt und zogen auS, um auf ihnals Landesfeind zu fahnden, sodaß er schleunigst die Grenze des Landes überschreitenputzte. Ähnlich ging es dem Herrn von Lewetzow in Plön. Endlich aber erklärten^ vier notablen Männer, die man für die gemeinsame Regierung designirt hatte,daß sie auf keinen Fall weder unter Aufhebung aller Gesetze der provisorischen Re-??umg, noch unter einem solchen Präsidenten die Regierung deS Landes übernehmenkonnten. Jetzt mußten die Mächte nach andern Mitgliedern suchen. Allein es er-^ab sich bald, daß unter diesen Bedingungen überhaupt kein Mann von Ansehen inHerzogthümern sich finden werde, der die Regierung übernähme, und zwar wederder Rechten noch von der Linken. Mehre, denen diese an sich so bedeutendeStellung angetragen ward, lehnten ab; die Landesversammlung selbst erließ eine Er-dung an die Centralgewalt, worin sie eröffnete, daß das Land weder den Grafen^arl Moltke als Statthalter noch die Aufhebung der provisorischen Gesetze als Waf-lenstillstandsbedingung annehmen könne. Das Alles war vor der frankfurter De-ckte. Dänemark ward daher jetzt, da man doch das Ende des Kampfes in Frank-st noch nicht vorhersehen konnte, zu neuen Verhandlungen bewogen, und weil allepachte einverstanden waren, weder Deutschland noch die Herzogthümer aufs ÄußersteLeiben zu wollen, so mußte dänisch erseits Graf Moltke aufgegeben, und die Aushe-ung Gesetze auf eine bestimmte Zahl beschränkt werden. Auf diese Weise ge-den Herzogthümern doch Etwas. Der dänische Übermuth gab Gelegenheit zu fer-f/'"" nachdrücklichen Auftreten. Das dänische Cabinet hielt nämlich die Preußen^ gänzlich geschlagen und die Herzogthümer für unfähig zu jedem Widerstände.
glaubte sich entscheidende Schritte erlauben zu dürfen. Plötzlich begann eineleihe von dänischen Umtrieben, namentlich im nördlichen Schleswig, die die Sacheer Herzogthümer in äußerste Gefahr im Norden brachten. Ja Dänemark wagted sogar, am 18. Sept. eine „königliche Jmmediatcommission" für die gemeinsameLegierung der beiden Herzogthümer, bestehend aus Moltke, Johannsen, und einemPastor Hansen, einzusetzen, ohne sich um die Einsetzung der zwei Andern, die nachern Waffenstillstände erfoderlich waren, weiter zu kümmern. Diese Jmmediatcommis-^ offenbar ein kait aeoompli gegenüber dem Schwanken der Diplomatie bilden, erließ auch eine Proclamation, in der sie die Regierungsgewalt der Herzog-YUrrier für sich ausschließlich in Anspruch nahm. Jetzt entstand großer Unmuth inr ! Schleswig-holsteinischen Landesversammlung. Sie veröffentlichte, auf Antrag des"Hern Kanzleideputirten Rathgen, ein Manifest, worin sie sich aufs nachdrücklichstedje „Anarchie", welche jene Jmmediatcommission in die Verhältnisse der Her-^«thürner zu bringen drohe, erklärte, und der provisorischen Regierung ihre volle^"erstützung versprach. Es wurden Befehle gegeben, jedes Mitglied jener Commis-das von Alsen, wo sie residirte, aus das Festland herüberkommen werde, sofortNöeilich zu verhaften; ja selbst die Ritterschaft der Herzogthümer stellte eine form-Erklärung gegen die Jmmediatcommission und ein Vertrauensvotum für diezu syrische Regierung aus, und alle Maßregeln wurden ergriffen, um den Umtriebenzoox "ern. Zugleich ward die Publication des Staatsgrundgesetzes allenthalben voll-dtvv'f Ende September beschloß die Landesversammlung sogar, den Sitz der
ihr. Mischen Regierung von Rendsburg nach der Stadt Schleswig zu verlegen,
h^seits Besitz vom Herzogthum zu nehmen. Endlich beschäftigte sich die Landes-^ ^^.lung mit großem Eifer mit einer Reihe von organischen Gesetzen, weil vor-
dg "Mich die gesetzgebende Gewalt während des Waffenstillstands ruhen mußte; und3k^"udgesetzlich die Landesversammlung an demselben Orte tagen sollte, wo dieso schloß dieselbe ihre Sitzungen am 10. Oct. in Kiel, und gingWqr d SchleSwig. Freilich erhob sich dagegen heftige Opposition. Kiel
"er einzige Ort, in dem die öffentliche Meinung noch einen unmittelbaren Ein-
22 *