350 Schleswig-Holstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
stenhaus durch die Einsetzung nach einem englischen Plane jedenfalls mehr von Eng-land als von Rußland abhängig geworden sein: und gerade das Gegentheil wollteRußland und mußte es wollen; andererseits aber wäre Preußen gar zu leichten
Kaufs auS dieser schwierigen Lage herausgekommen. Rußland war also entschiedener
Gegner dieses Plans. Indessen konnte und wollte es nicht offen hervortreten. 3"Hülfe kam ihm die entschiedene Abneigung der Dänen, die weder ein selbständigesSchleswig anerkennen, noch mit einem selbständigen Holstein vereint sein mochten.Es war nicht schwer für Rußland, mit solcher Unterstützung seine Operationen zubeginnen. Das dänische Cabinet, geleitet von dem russischen, betrug sich dabei mit
großer Geschicklichkeit. ES wich jeder bestimmten Erklärung aus, und wenn man
Eines eingeräumt hatte, trat es sogleich mit einer zweiten schwierigern Federung ausDie gemeinsame Regkrung aber erklärte eS mit großer Bestimmtheit für eine illegaleBehörde, und weigerte sich, in irgend welche Communication mit derselben zu treten,um dem „Aufruhr" gegenüber keinen Fußbreit Boden zu verlieren. Gegen diedeutsche Centralgewalt benahm eS sich vorsichtig, und begnügte sich, fortwährend übe*die großen Rechtsverletzungen, denen eS theils durch dieselbe, theils durch die Herzog'thümer ausgesetzt sei, bittere Klage bei allen Cabineten zu führen, denen die Central'gewalt nichts als sehr ehrlich gemeinte, aber dabei sehr unwirksame Noten entgegen-zusehen hatte: wie die Noten Schmerlings vom 16. und vom 29. Dec.. Danebensuchte Dänemark in Wien seine alten Verbindungen zu erhalten, und Preußen durchHinweisen aus den revolutionären Zustand der Herzogthümer in jedem energisch^Einschreiten zu lahmen. Aus der Ferne drohten dann Schweden und Rußland, davsie jede Besetzung JütlandS durch Preußen nicht dulden würden; und auch Frank-reich, in dem seit Ludwig Napoleon's Präsidentschaft Rußlands Diplomatie wied^einen Boden gefunden, trat Dem bei. Auf diese Weise war der englische Plan ^Grunde von vornherein unmöglich geworden. Zugleich aber ließ Dänemark bei all^Höfen in jeder Weise gegen das Augustenburger Fürstenhaus intriguiren. Es gingweit, daß eS seinen Gesandten unter dem 12. Jan. 1849 eine dahin abzielende 3^struction mittheilte, nach welcher die Gesandten die Sache der Herzogthümer alsRebellion, die Vorschläge der Dänen als besondere Vergünstigung darstellen sollt^und in welcher sogar die Stelle vorkam: „und dessenungeachtet der Aufruhr v§nehmlich von ehrbegierigen und ihrer Pflicht durchaus vergessenden, dem Königshofso nahestehenden Prinzen geführt und geleitet ward." Durch alles Dies gelang §den Plan Englands unausführbar zu machen, ehe noch ein ernsthafter VorsE,auftauchte; und Preußen, auch hier überflügelt, sah mehr und mehr die Noth^digkeit eines neuen KriegeS ein.
Indessen bedarf eS keiner Auseinandersetzung, warum Preußen diesenfast um jeden Preis vermeiden wollte. Die Schwierigkeiten für eine Politik, die^,der Erhebung Deutschlands nur nach einem Mittel suchte, ihren Einfluß zu vcrg^ßern, und die dadurch gezwungen ward, sich als festen Damm jeder revolutionärBewegung entgegenzustellen, während sie zu gleicher Zeit die Erhebung in den ^zogthümern noch aufrechtzuhalten schien, mußten fast täglich wachsen. Wir sindim Stande, genau anzugeben, was damals zwischen London und Berlin verha^.ward; allein soviel ist gewiß, daß Preußen zu äußerstem Nachgeben bereitBunscn, der im Herzogthum Schleswig als Abgeordneter zur deutschen Nationa^sammlung gewählt war, mußte sein Mandat in der Mitte Januar niederlege"/Stedmann, wieder im Verein mit Reedtz, reclamirte sogleich dagegen, daß eine ^Wahl vollzogen werde. Die preußische Circularnote endlich vom 23. Jan., von ^wir sogleich sprechen werden, zeigte, daß Preußen nicht nur nicht die PrincipsVolkssouverainetät in Deutschland, sondern auch nicht die Selbständigkeit derthümer wolle. .
Es stellte sich immer bestimmter heraus, daß die Herzogthümer auf ihreHülfe angewiesen waren. In der That sahen sie Dies auch ein und begännezu verfahren. Obschon keineswegs das Ende ihres Auftretens dem Anfang