360 Schleswig-Hvlstein seit seiner Erhebung im Jahre 1848.
was wir als den ersten Abschnitt des ganzen FeldzugS bezeichnen müssen — die Be-setzung Schleswigs durch deutsche Truppen, ohne daß an ein Vorrücken nach Züt"land ernstlich gedacht ward. Diese Besetzung sollte durchaus, nach den bestimmtenInstruktionen, die General Prittwitz erhalten, den Charakter einer defensiven Maß"regel haben und behalten. Nur wenn die Dänen angriffen, sollte man von der WaffeGebrauch machen. Die ganze Kriegführung als solche war damit aufgehoben, unddie militairische Operation in dieser Zeit nichts als ein Versuch, neuen Verhand-lungen die Bahn zu brechen. Allerdings rückten die schleswig-holsteinischen Truppe"bis HaderSleben vor, oft unter kleinen Scharmützeln: namentlich bestanden sie ar"9. Apr. ein Gefecht mit den Dänen. Doch brachte alles Dies keine Entscheidung'Wichtiger zwar war die am 13. Apr. erfolgte Erstürmung der düppeler Schanzen,bei der sich Hannoveraner, Sachsen und Baiern betheiligten. Sie gelang glänzend,wiewol die Sachsen dabei zwei Kanonen verloren. Die Dänen hatten zeitig genug ihrGeschütz aus diesen Schanzen entfernt, sodaß auch hier keine entscheidende That ein-treten konnte. Nun hätte man von deutscher Seite Alsen nehmen können und sollen,da die düppeler Höhen den Zugang zu dieser Insel beherrschten. Allein dem stände"jene unglückseligen Bestimmungen des Waffenstillstandes entgegen, und so wurde"die braven Deutschen gezwungen, ein ganzes Vierteljahr lang vor der Insel mich"'tig zu liegen. Ja, als die trefflichen bückeburger Schützen einmal aus Verdruß überdiese klägliche Position die dänischen Wachtposten der Reihe nach, 26 an der Zahl/vom Festlande aus niederschössen, weil diese zuvor einen Bückeburger erschossen hatte"/da beschwerte man sich dänischerseits, und eine Ordonnanz kam eiligst aus dem Haupi'quartier mit dem Befehl, kein Feuer mehr auf die Dänen zu geben! Das n)§rhart genug; aber die Diplomatie gebot, und der Deutsche gehorchte. So stände"die Sachen bis gegen daS Ende deS Monats April hin, Niemandem zur Ehre, de"Dänen aber zum großen Vortheil.
Indessen war vom General Prittwitz die schleSwig-holsteinische Armee unter der"General von Bonin nach Norden vorausgeschickt worden: sie hielt Hadersleben beEvon wo auS sie sich allma'lig gegen die jütische Grenze hinaufzog. Die Schleswig-H^steiner glühten vor Eifer, sich mit den Dänen zu messen, und die Instruktionennin's machten einen Sonderangriff derselben auf die Letztem keineswegs unmögEAm 20. Apr. früh Morgens wurde eine JägercorpS und ein Bataillon unter de^Commando Zastrow's detachirt, um eine Recognoscirung der dänischen Stellung . .Kolding vorzunehmen. Kolding liegt an einem tiefen Einschnitte der Ostsee; h^standen die Dänen. Nachdem Zastrow sich informirt, dachte er, seiner Jnstruct"^gemäß, umzukehren. Allein kaum hatten die Deutschen die Dänen gesehen, als^sofort ein Geplänkel erhob, das immer heftiger ward, und bald in einen förrnEKampf überging. Die Dänen hatten sich in Kolding stark verschanzt; die Ha"'^die im Süden der Brücke liegen, waren verbarrikadirt und mit Schießscharten ^sehen; die Castelljäger, einer der besten Truppentheile der dänischen Armee, hielten ^Vorposten. Zwei Compagnien deS zweiten JägercorpS aber warfen sich mit ei"Hurrah auf diese Häuser und jagten die Dänen hinaus. Hinter diesen Häuser"stand erst der eigentliche Kampf. Hier war die Brücke über die Koldingau, derzige Zugang zur Stadt, stark verpalissadirt; das Thor war geschlossen, und ein §re ^feuer auS den umliegenden Häusern empfing die Stürmenden. Doch nichts ^ ^die Andringenden hemmen. Ohne Geschütz und ohne Sturmgeräth stürztenbraven jungen Männer auf die Brücke, stießen mit ihren Bayonneten durch dieliffaden, kletterten hinüber, drangen in die Häuser, lieferten in den Straßen der ^den Feinden einen kurzen aber wüthenden Kampf, und um 11 Uhr Morgensdie Stadt erobert. Die Dänen zogen mit beträchtlichem Verlust rasch ab nachden z die Schleswig-Holsteiner hatten 25 Todte und Verwundete. Unterzieren zeichneten sich Zastrow, den eine Kugel mitten auf die Brust auf den §l-