Band 
Fünfter Band.
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381
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Staat und Stadt Frankfurt. 381

^efts Alles in Wahrheit stattgefunden hatte. Während man aber über die pariserEvolution noch ganz im Unklaren war, bereitete sich die deutsche Revolution schonund klopfte in Frankfurt bereits an. Schon am 25. Febr. wurden vor den^hvren der Stadt und innerhalb ihrer Mauern Packele mit Broschüren gefunden,A^che „an die Bruder Proletarier" gerichtet waren, und zum Aufstande reizten.^°ch hatten solche Mittel in Frankfurt keineswegs die Wirkung wie etwa in demenachbarten Baden. Es blieb bei einer unbestimmten, unheimlichen Unruhe. Mehre" Männer, welche später zu der entschiedensten demokratischen Partei hielten, tru-L", wie sie sich damals ausdrückten, Bedenken, sich >m Vertrauen auf die pariserKamins der neuen Bewegung anzuschließen. Es ist leicht begreiflich, daß die Be-?E°enheiten, welche die Franzosen selbst als eine Überraschung bezeichneten, dem Deut»'chen noch weniger Bürgschaft ihrer Dauer insichzutragen schienen; und in den erstenWochen der Februarrevolution brachte fast jeder Tag Gerüchte von einer inotankreich ausgebrochenen Gegenrevolution.

Aber die Bewegung erhielt Kraft durch den elektrischen Schlag, der sie fort-^anzte. In Deutschland herrschten viel tiefergehende Übelstände vor als in Frank-^ch- Deutschland, das Land wissenschaftlicher Bildung und wissenschaftlicher Theo-entbehrte der meisten praktischen Resultate derselben: der Preßfreiheit, der Rcchts-°^>chheit aller seiner Bürger, der öffentlichen Gerichtsbarkeit, der Geschworenengerichtes- w. Wo konstitutionelle Freiheit aufzublühen begann, da hielt der Bundestag""der. Lederne Philisterei hielt in den meisten deutschen Staaten den Geist inr, so schmählichern Banden, da diese nicht einmal fest und dauerhaft, sondern nur«°ngend und drückend waren. Eine unselige Bureaukratie, unerträglicher als die Ari-weil ihr keine großen historischen Erinnerungen zur Seite stehen, drücktesck ?^er bleiernen, einschläfernden Schwere auf Herzen und Geister. Die 38 ver-miedenen Censuren, mit welchen Deutschland beglückt war, verhinderten zwar we-. 8, Plagten aber viel. Eine besonders feine Politik hatte die Censur in vielenrächen Staaten angewiesen, über deutsche Zustände so wenig als möglich, überK"i°sische hingegen so ziemlich Alles zuzulassen, was den» natürlicherweise dazurei^, daß man sich immer mehr gewöhnte, den Impuls hauptsächlich von Frank»zu erhalten. Das Nationalgefühl hatte sich an Schleswig-Holstein geklam-dvl^-e ^'l ihm sonst kein würdiger Spielraum gelassen war; das Bedürfniß nachK ocher Freiheit hatte sich in Theilnahme für den Deutschkatholicismus versteckt,die ^ nur auf diesem Gebiete sich Luft machen konnte. Seit die Diplomatie, jatzj Polizei sich der Religion als Mittel zum Zwecke bediente, war der ernste religiöse2i>er "" Volke gar sehr gesunken. Es hatte dem Zeitalter überhaupt, Deutschlandmeisten an einer großen Idee gefehlt, für welche es sich begeistern konnte;^ hatten sich diele unreife Köpfe auf die gefährlichen Traume der Communistenty,. Socialisten geworfen. In materieller Beziehung waren die schweren Wunden,das Hungerjahr 1846—47 geschlagen, nichts weniger als überall verharrscht,Hz die Noth des Volks, wenn auch keineswegs so groß, als wilder Parteigeist oderjc, Phantasie sie ausmalten, doch, zumal in manchen Landen und Gauen, nurvjxH^der und hart. Was Wunder also, daß der Schlag von Westen überall traf,zündete?

1. Baden zuerst, dann in Baiern und Würtemberg stoben die Funken. Amdeh arz brachten die frankfurter Blätter eine Proclamation des Bundestags, dieviel schmeichelte, nichts zusagte, und woraus nur daS Eine zu erkennener sich machtlos fühle. So schienen denn die Regierungen wie die Völker.'^en, sich selbst zu helfen. Baden bewilligte schon am 29. Febr., was der Bundes-d-z ^ am 3. März zu gestatten erlaubte: Preßfreiheit. Ihm folgten Würtemberg,avtee !°dherzogthum Hessen und Nassau. Der Senat der freien Stadt Frankfurt kam,hatte u * ^"sien Verhältnissen, am 4. März damit nach. Der Drang der Zeitensteten ^ ^"derm auch den Stil der obrigkeitlichen Erlasse sehr verbessert. Dieseganz einfach und verständlich dahin: „Die Presse ist frei. Die Censur darf