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Staat und Stadt Frankfurt.
nie wieder eingeführt werden. Vergehen und Verbrechen, durch die Presse verübt,werden nach dem bestehenden Rechte geahndet."
Am Abend vorher hatte eine große Versammlung in der Reitbahn stattgefun-den, zu welcher sich mehr als 2000 Bürger einsanden, und woselbst eine Adressean den Senat besprochen, beschlossen und allgemein unterzeichnet wurde, die ausfolgende Punkte drang: 1) Aufhebung aller seit dem Januar 1819 erlassenen Aus'nahmegesetze z 2) unbedingte Preßfreiheit; 3) Schwurgerichte; 4) allgemeine Volks-bewaffnung; 5) allgemeines deutsches Parlament; 6) staatsbürgerliche Gleichheit ohneUnterschied deS Glaubens; 7) freie Berechtigung zur öffentlichen Vereinigung; 8) po-litische Amnestie, mit Wiedereinsetzung in den Vollgenuß der bürgerlichen Rechte-Die Adresse war würdevoll, freisinnig, patriotisch, ganz in dem Tone, von welchessehr zu wünschen gewesen, daß man ihn immer beibehalten hatte. Auch standen dieMänner, welche später zu entgegengesetzten Parteien traten, damals einträchtig neben-einander: Jucho und Reinganum, der nachmalige Abgeordnete zur ReichsversamrN-lung, und seine principiellen Gegner Hadermann und Varrentrapp, der Vorsieh^des Montagskränzchen und der des nachmaligen alten Bürgervereins, Friedrich Fu^und Dr. Binding 1., der Vertheidiger von 1793 und der der Auflösung der fraru*furter Constituante.
Ein Gefühl, so hieß es in der Adresse, durchgingt zunächst jede deutsche Brust'die Nothwendigkeit des Zusammenhaltens des gesammten Vaterlands gegen jedengriff, von welcher Seite er auch kommen möge. Begeistert und mit Kraft verth^digen läßt sich aber nur die Freiheit. So müssen denn auch wir die dem Date^lande noch mangelnden Bürgschaften der Freiheit ansprechen. Eindringlich wur^zugleich von jedem Angriffskrieg gegen Frankreich abgemahnt. Man bezog sich ^die Lehren der Geschichte und darauf, daß „wer Freiheit will, auch Freiheit acht^muß". Friedrich Funk, langer Hast entlassen, ein Sonderling in Haltung, Kleids
und Ansichten, wollte sich hiermit nicht begnügen. Nach seiner Meinung sollte
die
Adresse so etwas wie ein Schutz- und Trutzbündniß zwischen der Republik Frankstund der Republik Frankreich anbahnen. Dr. Reinganum bedeutete ihn aber, daß ^sich um deutsche Freiheit und Rechte deS deutschen Volks handele. Derselbe ^vr. MappeS brachten zugleich die Versammlung von dem höchst gefährlichen Ged^ken ab, die Adresse in Masse dem Senate zu überreichen. Man beschloß, dieselbe ^folgenden Tage bis 4 Uhr in einem Gasthause zu weiterer Unterzeichnung ausseS^und dann durch eine Abordnung übergeben zu lassen. Nachdem Jenes sehr zahlr^erfolgt war, ging Dieses unter großer Aufregung des Volks vor sich. Die Ad^"
wurde nicht vom Senate, sondern nur von den beiden Bürgermeistern entgegen
nommen. Während über den Inhalt derselben im Senate und im Gesetzgebers
de"
Körper, welche zu außerordentlicher Sitzung berufen worden, und bei deren Mitsdern man zum Theil keine sonderliche Sympathie für mehre darin enthaltene Foder"gen voraussetzte, Berathungen stattfanden, bildeten sich Zusammenrottungen,sächlich vor dem Römer (dem SenatSgebäude). Der breite Platz vor demselben ^wie die benachbarten Straßen, mit Menschen angefüllt, die schrien, lärmten, und
Thätlichkeiten drohten. Einzelne Hausen drangen bis in die Berathungszimmer
wurden nur mit großer Mühe wieder daraus entfernt. Ein Trupp suchte
die
wie es in dem halbofficiellen Berichte heißt, in den Domhof zu dringen, urn,^Sturmglocke zu läuten, wurde aber von den kräftigen Bürgern, die in desseuwohnen (den Metzgern), daran verhindert. Es fielen Steinwürfe gegen die Du öwachen, der ältere Bürgermeister wurde persönlich insultirt, und die Bewegungimmer mehr den Charakter eines Tumults an. Die Masse bestand, wieaus zwei ganz heterogenen Theilen. Neben edelherzigen aber überreizten (ruru ^jtder Turngemeinde angehörigen) Jünglingen, welche sich als die Apostel der ^
betrachteten, standen finstere, unheimliche Gesellen, die ganz andere Dinge
Fortschreiten der Menschheit im Schilde führten. Indessen gelang es der Kherbeigeeilten Stadtwehr (die Linientruppen waren hinter der nahen Paulsklrcy