Staat und Stadt Frankfurt. 383
gestellt), durch Zureden und Einschreiten die Ruhe leidlich wiederherzustellen, diefreilich in der Nacht abermals an mehren Orten, doch nicht in der Art gestört wurde,baß bedeutende Excesse vorgefallen wären. Dennoch kostete es den Linicntruppen undder vollzählig erschienenen Stadtwehr nicht wenig Mühe, größern Unordnungen vor-i"beugen.
Seinerseits hatte der Senat von den Foderungen der Adresse Preßfreiheit undpolitische Amnestie, deren letztere nur wenige Frankfurter bedurften, bewilligt, Ein-führung der Schwurgerichte in nahe Aussicht gestellt, die andern Punkte aber, theilsnur das Gesammtvaterland darüber entscheiden könne, theils weil sie eine Ver-änderung der Constitutionsergänzungsacte erfoderten, welche nur unter bestimmtenvornien zu bewerkstelligen wäre, mit Versicherungen seines guten Willens vorläufigdon der Hand gewiesen. Die Gleichstellung der Juden gehörte namentlich zu diesenPunkten, und der Senat wurde zur Ablehnung desselben von dem vormärzlich ge-llsten Theil der Einwohnerschaft theils mit bewogen, theils darin unterstützt. Ein^-heil der Urheber und Unterzeichner der Adresse stand ihm ebenfalls zur Seite,hauptsächlich in der ehrenwerthen Absicht, unter so bedenklichen Verhältnissen dieAutorität des Gesetzes und der obrigkeitlichen Behörde zu stützen, Einzelne auch aus^"ider guten Gründen.
In der That erzeugte der gerechte, von der Zopfpartei aber bis zum Unsinn^steigerte Unwille über die vorgefallenen Excesse in einzelnen Theilen der Bürgcr-lchaft xine solche Reaction, daß sich dieselbe gegen die deutsche Fahne kehrte, welche4- März zum ersten mal, und zwar von den Tumultuanten am Römer aufge-?f ""it worden war. Als wenige Tage nachher eine kleine Zahl (ungefähr 12) bra-2 ^, den, Großherzogthum Hessen angehöriger Männer, die als Deputation vond "dMstadt zurückkehrten, friedlich, klanglos, mit zwei schwarzrothgvldenen Fahnen in^ Stadt erschienen, fielen bewaffnete Dormärzler wüthend über dieses Zeichen derfutschen Einheit her, entrissen es den Trägern mit Gewalt, brachten dieselben für°>nc>, Augenblick in Haft, und trieben allerlei Unfug. Mehre Freunde der Be-^Egung erklärten hierauf in öffentlichen Blättern, sie erachteten es nunmehr als eineEhrensache, die verpönten Farben an ihren Hüten zu tragen, was zahlreich geschah.
öffentliche Unwille, die Lächerlichkeit der Demonstration, und die mächtigen Be-l Punzen jener Tage machten solchen anachronistischen Sondcrbestrcbungen ein schnei-de Im Laufe des März wurde die schwarzrothgoldene Fahne vor dem Palast
de f utschcn Bundesversammlung aufgesteckt. Schon am 9. März hatte dieselbe die"Eschen Farben zu Wappen und Farben des Deutschen Bundes erklärt,au« ^"Eerdessen waren die fremden Theilnehmer an dem Krawall in aller Stille^ der Stadt entfernt worden; die Bürgcrwchr blieb Tag und Nacht in Thätigkeit.Ui,^ ^onat fühlte sich bewogen, am 14. März sämmtlichen Einwohnern des Stadt-h-d Landgebiets öffentlich in einer etwas emphatischen Weise Dank zu sagen, welche, """glich zeigte, daß jede Besorgniß keineswegs geschwunden war. Wie wäre diesand den Bewegungen in Baden, bei der fieberhaften Unruhe, in welche die langD auernde, hartnäckige Weigerung des Kurfürsten von Hessen die benachbarte StadtUnd versetzte, bei den wiederholt versuchten Zerstörungen an der Mainzer Eisenbahnfast ?h"f'chcn Erscheinungen in der Nähe möglich gewesen? An der Börse warenf"Nd Tag Gerüchte von Contrerevolutionen verbreitet, die in Paris stattge-bau ^ h^ben sollten. Statt dessen kamen in der Mitte des März die Nachrichten"as Berlin und Wien eiirgetretenen neuen Revolutionen. Die Welt schien
^"^n zu gehen: wie hätte der Rückschlag sich nicht auch in Frankfurtiveich machen sollen? Glücklicherweise gingen die vereinzelten, planlosen Tumulte^stllen damals vorfielen, nicht von geschlossenen Parteien, sondern von dem Muth-oder der Exaltation Einzelner aus.