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Staat und Stadt Frankfurt.
Der Kampf schwankt eine Zeitlang. Gegen 4 Uhr ist der größte Theil der westlichenStadttheile befreit; man kämpft mit großer Anstrengung auf beiden Seiten in deröstlichen, der Allerheiligengasse und der Fahrgasse nach dem Main zu. An derMainbrücke befindet sich eine starke, von tüchtigen Scharfschützen vertheidigte Barri-kade, zu der man schwer gelangen kann, da die Fahrgasse von Barrikaden starrt,auch die andern dahin führenden Straßen verrammelt sind. Die Vorstadt Sachse^Hausen auf der andern Mainseite, die sich am Abend vorher der Aufständischen er-wehrte, ist jetzt im Besitze derselben. Auch auf der Blechstraße wird heftig nwwohlbefestigte Barrikaden geka'mpft. Um 4^ Uhr tritt Waffenruhe ein; weiße Tü-cher flaggen an den Barrikaden und durch die Straßen. Das Neichsministeriuw,das bisjetzt Vermittclungsversuche der Linken, denen sich der Neichsverweser nichtabgeneigt gezeigt, kräftig abgewiesen, hatte den Waffenstillstand von einer Stunde be-willigt. Man hoffte, daß unterdessen von Darmstadt aus Geschütz eintreffen würde!auch war in Aussicht gestellt worden, daß bis dahin die Barrikaden geräumt, dr*Zuzügler entfernt sein würden. Letzteres jedoch ging nicht in Erfüllung.
Um dieselbe Zeit ward fast unmittelbar vor den Thoren der Stadt von eine^Haufen wilder, zum Theil betrunkener, mit Sensen und Flinten bewaffneter Zuzugsein schmählicher Mord an zwei Mitgliedern der Nationalversammlung, an Fürst FelilLichnowsky und dem preußischen General von Auerswald, begangen. Beide hatte"sich, Auerswald nur auf Lichnowsky's Bitten, zwischen 4 und 5 Uhr, in bürgerlich^Kleidung und zu Pferde zum Friedberger Thor hinausbegeben, um sich über de"Stand der Dinge zu unterrichten. Sie wurden jedoch bald erkannt, verfolgt, u"schlugen, der Wege unkundig oder in Bestürzung, einen Seitenweg ein, der sierade in die Gewalt deS meuterischen Haufens führte. In äußerster Gefahr, w'Schüssen und Steinwürfen angegriffen, fanden sie Schutz in dem Grundstück ^Gärtners Schmidt, der die Flüchtigen in seinem Hause verbarg und mit eigenerbensgefahr verleugnete. Die Meuterer durchsuchten indessen das Haus, und fand^Auerswald in einer Bodenkammer versteckt. Man führte den General unterHandlungen aus dem Garten nach dem Bornheimer Wege. Hier mag der Ungl"^liche zuerst einen heftigen Kolbenschlag aus die Schulter empfangen haben, sodaß ^in den Graben stürzte. Als er sich wieder aufrichten wollte, erhielt er einen Sch^in den Leib, einen zweiten in den Kopf, der ihn tödtete. Vergebens hatte Auerwald um Schonung seines Lebens gebeten, da er Vater einer zahlreichen Fanü"^die vor kurzem die Mutter verloren. Nach dieser That kehrte die Rotte in das v§mehren Bewaffneten bewachte Schmidt'sche Haus zurück, um Lichnowsky aufzusuch^'Man fand ihn endlich im Keller, und schleppte ihn ebenfalls, unter Drohungen "Mißhandlungen, an seines Gefährten Leiche vorüber, in die über die Bornhei"!.Haide führende Pappelallee. Noch im Hause selbst hatte sich dem Fürsten ein edBeschützer, vr-. M. Hodes, zur Seite gestellt, und Dieser beredete die Meutererter Lebensgefahr dahin, daß sie den Gefangenen nach Bornheim transportiren nwten. Schon war die Hälfte des Wegs zurückgelegt, als Einige aus demden Rock Lichnowsky's in Stücke rissen, um, wie sie sagten, ein Andenken *wnzu gewinnen. Lichnowsky hielt sich hierdurch ernstlich bedroht, und griff demnach dem Gewehr, das man ihm unter Wüthen und Toben wieder entwand. ^gleich erhielt er einen Kolbenschlag auf den Kopf. Ein Anderer legte auf den ^fangenen an, der nun von der Seite seines Beschützers weg nach den BäumenDa fiel der Schuß; Lichnowsky stürzte, von hinten in den Unterleib getroffen,lautem Schrei zur Erde. Noch wurden auf den Liegenden mehre Schüsse §,auch mishandelte man das Opfer und schreckte Die, welche Beistand leisten wo ^durch Drohungen zurück.^ Als aber mehr Menschen hinzukamen, entferntenThäter. Man hob den todtlich Verwundeten auf und brachte ihn später Reiche"zum Heiligen Geist, wo er Nachts gegen 1 Uhr verschied. Diese blutigen Derwaren um so empörender einmal, weil sie an den Abgeordneten des deutschen ^riverübe wurden, dann aber auch, weil sie sich gegen Persönlichkeiten richteten,