Staat und Stadt Frankfurt. 3S9
zu haben, daß der kühne Satz angenommen würde. Sie wiesen späterhin alleli?^?ge, namentlich von einer zahlreichen bairischen Partei, welche auf Lebensläng-Hkeit des Reichsoberhaupts einzugehen bereit war, schroff zurück, und übertrugen soLegen ihren Willen die Wirren, welche sie der Zukunft ersparen wollten, auf dieGegenwart. Die Linke stand abwärts, und benutzte die Coalition trefflich, ohne sich^selben hinzugeben. Die Demokraten waren damals, in Frankfurt wie überall, füras Direktorium, weil sie die Macht scheuten. Der Mä'rzverein, der sich um diese ZeitLkblldet hatte, machte Fortschritte. In Frankfurt traten ihm das MontagskränzchenNd ^r Demokratische Verein bei. Der gemäßigtliberale Theil der Bürgerschaftö" den Erbkaiserlichen, für welche sich der Bürgerverein in einer zahlreich be-sten Generalversammlung (5. Jan.) aussprach. Die altreichsstädtische Partei, ausgeborener Zuneigung zu dem östreichischen Kaiserhause und den alten Zuständen,zu den Großdeutschen. Am 28. Dec. richtete Schmerling an seine Wähler indas historischgewordene Wort: er habe nie vergessen, daß er vor allem ein^reicher sei. So endete das Jahr, in dessen Frühling alle Deutschen, und zumal dieklvohner der deutschen Parlamentsstadt von deutscher Einheit geträumt hatten!
Die Parlamentsstadt in der ersten Hälfte des Jahres 1849.
^ Das neue Jahr 4849 brachte alsbald den praktischen Commentar zu jenenHarten. In der Nationalversammlung keine oder kleine Majoritäten: Ersteres bei derE^llstschen und der Oberhauptsfrage, Letzteres-in Beziehung auf die Erblichkeit der^fferwürde. Den Verhandlungen über die östreichische Frage (das Gagern'schefolgte das Publkum bei überfüllten: Hause mit der gespanntesten Auf-e.. "-arnkeit. Als über den deutschen Kaiser verhandelt ward, waren die Räumeii? Zuhörer so leer, als handele es sich um einen Kaiser für China. Den
^^nd der Parteien bezeichnete, daß Löwe von Kalbe, Moritz Mohl, Fallme-emr?. Schmerling und Bothmer (der hannoverische Abgesandte) gegen ein
^"heitliches Oberhaupt stimmten. Im Donnersberg nahmen republikanische Rigori-' EU ein Argerniß, daß mehre Mitglieder dieses Clubs für ein einheitliches Oberhaupti?' I.e drei Jahre gestimmt hatten. Der Verein spaltete sich. Überhaupt verschwan-immer mehr die alten Parteistellungen vor den neuen. Die Erbkaiserlichenw.^n sich im Weidenbusch, die Großdeutschen im Pariser Hofe zusammen. Zu^wen gehörten Männer aus den verschiedensten Clubs. Jene reichten bis in dieber nöhalle (Reh und Genossen), Diese bis in den Deutschen Hof und Donners-dtz^^mein. Die Debatten wurden persönlich, bitter, unerquicklich. Der Antheilein ^^licums verminderte sich. Von den Stenographischen Berichten wurde fast^rittheil (etwa 10000 statt 15000) weniger abgesetzt.
D; ^n Frankfurt selbst suchte man indessen die Grundrechte zur Wahrheit zu machen.
-ll? Konstituante brachte Gesetzentwürfe, die bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichheitsvi?^taatsangehLrigen, das öffentliche und mündliche Verfahren, den Schutz der per-iriß p n Sicherheit betreffend, an den Senat, die derselbe annahm, promulgirte, undVerben führte (20. Febr.). Nur die Geschworenengerichte wurden einstweilen nichtverglicht. Die demokratische Partei bereitete die Errichtung eines neuen Bürger-^tgea der jedoch erst im Juni ins Leben trat. Er war bestimmt dem „allen"Ekrist^zuwirken, gestaltete sich in kurzer Zeit sehr zahlreich, und blieb nicht ohneder Wie in der Nationalversammlung die Kaiserfrage, so absorbirte bald in8eist ^rgeischaft die politische Frage jede andere, und durchbrach den alten Kasten-schen über mit Erfolg. Dagegen ward der Parteikanipf auch in städti-
"?blegenheiten um so heftiger; denn an Veranlassungen fehlte es nicht. Diestille ^ratur ^ zum Theil sehr geistreichen, immer aber sehr bissigen Ca-d? gleichsam Bestandtheile des frankfurter öffentlichen Lebens geworden,
^bst. ^kraßenpresse sich nicht eben sonderlicher Mäßigung befliß, versteht sich vonvonPre^sonders hatte ein unverschämtes und aufreizendes Placat: „Der Pfisikuspen", den Unwillen der preußischen Truppen erregt, und blutige Wirthshaus*