402 Staat und Stadt Frankfurt.
Mit sehnsüchtigen Hoffnungen und nicht ohne trübe Ahnungen sah man dieSendboten von Frankfurt scheiden. In wohlunterrichteten Kreisen sagte man wohder König werde die Kaiserwürde nur über die Staaten antreten wollen, die sichfreiwillig anschlössen. Darauf war man sehr wol gefaßt und ehrte diesen Gewissens-zweifel. Daß Östreich nicht beitreten würde, darauf war ja auch Preußen vorbereitet.28—20 Staaten waren unaufgesodert bereit; von den deutschen Königen war, wenndie preußische Regierung mit der Nationalversammlung und der Sta'ndeversammlungihrer eigenen Lande übereinstimmte, baldiges Nachgeben zu erwarten. Baiern hattefreilich in seinem größern Umfange und einem Theil seiner Bevölkerung eine größereKraft des Widerstands gegen die öffentliche Meinung; aber auch in Nordamerikawaren nicht alle Staaten gleich in die Union eingetreten! Vielleicht, hieß es ferner,würde der König die Oberhauptswürde vorerst nur für die Dauer der nächst^Sitzungsperiode übernehmen, in der Erwartung und Voraussetzung, daß der nächst*Reichstag manche Scharte auswetzen würde. Auch darauf einzugehen hatte ma"sich keineswegs versagt.
So lauteten die Nachrichten, so ließ sich das preußische ministerielle Blatt, dl„Deutsche Reform", so ein großer Theil der rechten Seite in der zweiten preußisch*^Kammer, so ungefähr der Ministerpräsident Graf von Brandenburg gegen einzeln*Mitglieder der frankfurter Deputation vernehmen. Anders fiel die Antwort deKönigs aus! Sie kam in einiger Stufenfolge nach Frankfurt a. M. Amwurde der Nationalversammlung von dem Neichsministerium eine telegraphischepesche angezeigt des Inhalts: die Deputation der Nationalversammlung sei nachhaltener Antwort des Königs zusammengetreten, und werde der Versammlung ^Ergebniß ihrer Berathung spätestens am folgenden Tage mittheilen. Sie sei ^ihrer Verantwortlichkeit wie der Größe ihrer Aufgabe wohl bewußt. Dieselbst war nicht mitgetheilt. Ein Donnerschlag ohne sichtbaren Blitz! Die ÄUp ,sten lachten; die große Mehrzahl war tief erschüttert. Bald kam das Wort *Räthsels, das immer deutlicher hervortrat. Es hatte die Wirkung, in Süddcut!^land zumal, für einen Augenblick jeden Partciunterschied aufzuheben, Conserva tund Radicale um die mühsam gewonnene, schwer bedrohte allgemeine Fahne Zscharen. In der frankfurter Constituante stellten zwei Mitglieder der Majorität .Antrag (13. Apr.), die am 28. März verkündete Verfassung des Deutschen N.eAfür rechtskräftig und endgültig zu erklären, und den Senat zu ersuchen, in die!Sinne die Rechte und Freiheiten des Volks zu wahren. Eines der Häupter ^Minorität (Dr. Binding l.) fand jede Berathung hierüber unnöthig: Alle seienmit einverstanden. Der Bürgermeister Cöster zeigt hieraus an, der Senat Freits eine Erklärung, ganz in diesem Sinne gehalten, an den preußischenmächtigten gelangen lassen. Die frankfurter Montagues und CapuletS: die Dorst^rdeß Bürgerverein und deS Montagskränzchen, vereinigten sich mit Zuziehungangesehener Bürger dahin, auf Sontag den 21. Apr. eine große Volksversann" ,ein der Katharinenkirche zu veranstalten. Diese fand unter allgemeiner Theil"^rdes frankfurter PublicumS und der zahlreich anwesenden Meßfremden und je*Fremden statt. Die weiten Räume der Kirche waren schnell überfüllt. ^M^jurie'
und Ludwig Simon, Nr. MappeS und Nr. Neinganum sprachen in demselben
Die Reichsverfassung, die ganze Neichsverfassung, nichts als die NcichSversüst^ ^— -.- . aver
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Ludwig Simon, durch sein Jugendfeuer zur extremen Partei hingedrängtdurchaus redlicher, ^talent- und charaktervoller Mann, warnte eindringlich, ^von theoretischen Separatisten blenden zu lassen, und sagte sich dadurch ^oSchweife los, der ihn und seine Freunde schon als Renegaten denuncirte. ^ gro-klärung in dem angegebenen Sinne wurde verlesen, und nicht nur (waS w 1ßen Versammlungen freilich nicht immer einen Maßstab gibt) angenommen,auch ungemein zahlreich unterschrieben. ^ , .§ rib^
Freilich konnten zwei, wenn auch damals über den Zweck, dochdie Mittel zum Zwecke einverstandene, so durchaus verschiedene Parteien mcy