Band 
Fünfter Band.
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Staat und Stadt Frankfurt.

Die frankfurter Angelegenheit in der letzten Halste von 1849.

Nach der Auflösung des deutschen Parlament- und der Veränderung, die inden Angelegenheiten eintrat, hörte Frankfurt auf ein Mittelpunkt für Deutschland zusein. Der Reichsverweser machte in Begleitung seines Ministers Detmold, der imParlamente fast nur seinen Wih hatte spielen lassen, eine Reise nach Gastein. Manwußte, wie sehr er wünsche, sich dem Jrrsal zu entwinden, in welchem er, in seinerunerquicklichen Stellung zwischen Deutschland und Östreich, sich so unbehaglich fühlte.Wenige glaubten damals an seine Rückkehr. Der Rest seines Reichsministeriumsbesorgte ohne große Anstrengung eine Zeitlang die Geschäfte allein. Daß derVersassungsentwurf und andere Maßregeln der frankfurter Constituante in vielenSchichten der Bürgerschaft Mißvergnügen erregt hatten, haben wir bereits mehrfacherwähnt. Am 7. Juli trat eine bedeutende Zahl Bürger unter der Leitung des vl'-Souchay, der mittlerweile aus dem Senate getreten war, zusammen, um den P§'triolischen Verein zu gründen, der sich die Bekämpfung des neuen Verfassungsent-wurfs zur Hauptaufgabe machte. Die Mängel dieses letztem lagen freilich offen zuTage. Die Frage war nur, ob man ihn im Sinne eines vernünftigen Liberalismusoder veralteter Ideen verändern oder beseitigen wolle. Daß der gesetzlich ausgesprochenenGleichheit aller Staatsangehörigen kein Abbruch geschehen dürfe, wurde sogleich de*stimmt anerkannt. Der Satz des Programms aber, „daß die neuen Schöpfungensich naturgemäß an das Alte anschließen müßten", ließ die Deutung zu, daß derveraltete Staatsorganismus nur übertüncht werden sollte. Immerhin aber schloffensich auch freisinnige und keineswegs reactionaire Männer dem neuen Vereine an: ^höhere Bourgeoisie fiel ihm ganz zu. Der Verein mußte aber allerdings auch einenbösen Schweif mitsichschleppen, der nicht nur das Überstürzende, sondern auch, "Nzwar vorzüglich, das Gute und Zeitgemäße in dem Verfassungsentwurfe dertuante haßte. In den Lokalblättern waren nun die gehässigsten Zänkereien an dTagesordnung. Auch das vor den Märztagen sehr unschuldige frankfurter „Juten!'genzblatt"," das sich bis dahin nur mit den gewöhnlichsten Verkehrsanzeigen besaßt,fing an, für mäßige Jnsertionsgebühren Feuer und Flamme zu sprühen, und z^mit anerkennenswerther Unparteilichkeit sowol gegen die Wühler als gegen die Heule'Der Künstler- und Gewerbverein nahm auch Partei gegen die Constituante, theffweil sie einzugehende Ehen an gar keinen Nachweis oder Bedingung geknüpft wisffwollte, theils weil namentlich die ältern Männer die Sitze der ihrem Stande anShörigen Rathsverwandtcn im Senate nicht aufgeben wollten. ,

Während sich die Bürgerschaft auf diese Weise in zwei feindliche Lager spalt^konnte man doch einen Augenblick hoffen, der Streit werde auf friedliche Weiseschlichtet werden. Am Ende des Juli trat eine „ Vereinbarungscommission " ^mehren ausgezeichneten Mitgliedern der linken und der rechten Seite der Constitua ^zusammen. Sie bestand zwar ohne eigentliches Mandat, aber doch nicht ohne ^ h.schweigende Billigung beider Parteien. Die Linke in der Commission war z"ren Concessionen bereit. Sie hätte wol das Eine Monsterwahlcolleg für die 80geordneten der Stadt in vier auseinandergehen, den Negierungsrath gouverne"taler constituiren und wählen lassen, die Grundrechte in der Gestalt angenow" ^wie sie aus der ersten Lesung der Nationalversammlung hervorgingen, und diecalen Auswüchse weggeschnitten. Die Rechte ihrerseits war der Errichtungsioneller Schulen nicht entgegen, wenn man nur den bestehenden Gemeinde^ hihre Einrichtungen und ihre Dotationen lassen, und den Religionsunterricht "^9^,ausschließen welle. Den eigentlichen Stein des Anstoßes bildete die Dauer de ^gierungsraths. Die SenatSpartei mochte von der Lebenslänglichkeit nicht,

Fall nicht für alle seine Mitglieder, abgehen. Für diese Ansicht ließ sichsagen, daß in einer reichen Stadt wie Frankfurt tüchtige Männer sich "ich ^f-entschließen möchten, einen oft einträglichern Beruf für eine precaire Stellungzugeben, bei der man ohnehin nicht auf Rosen gebettet ist. Theoretisch ließ ^dererseits in einen: Freistaate auch viel gegen die Lebenslänglichkeit einwenden; a