Band 
Fünfter Band.
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407
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Staat und Stadt Frankfurt. 407

Lebens goldener Baum war nicht mehr „grün" für die Demokratie, und es wärewol klug gewesen, wenn sie Das, was sich ihr noch darbot, ohne Umstände ergriffenhätte. Es geschah nicht! Ohnehin waren die Parteien, die hinter der Vereinba-rungscommission standen, wie gewöhnlich ausschließlicher als die Commission selbst.In der Mitte des August löste sich die Vereinbarungscommissiou auf, indem sieanscheinend ihre Aufgabe gelöst. In der zweiten Lesung kam der Verfassungsentwurfgroßentheils ohne jene Verbesserungen vor.

Der Streit der Regierungen beglückte jetzt zunächst Frankfurt mit einer fastunerträglichen Einquartierungslast. Preußen, das den Neichsverweser nicht mehr an-erkannte, schickte auf eigene Faust Truppen auf Truppen nach Frankfurt. BaiernWollte in dem edlen Wettstreite nicht nachstehen, und sandte auch seinerseits „befreun-dete" Krieger nach der Stadt. Die Bürger murrten, die Constituante remonstrirtein Dur-, der Senat in Molltönen. Beide verklangen, nachdem sie die Luft vergeb-lich erschüttert hatten. Einigen Trost gewährte die Ankunft des Prinzen von Preu-ßen, der sich sehr freundlich gegen die Bürger benahm, und baldige Erleichterungverhieß. Wie aber die Cabinete miteinander standen, zeigte sich offen. Der Prinz,der jedem Bürger gern zugänglich war, sprach zwei „Reichsminister" gar nicht,und lud den dritten (von Wittgenstein) nur als „großherzoglich hessischen General-üeutenant" zu seiner Tafel ein. Natürlich prügelten sich die Soldaten, da dieHäupter schmollten. Das benachbarte Bornheim sah mehre solcher DemonstrationenZu Ehren der deutschen Einheit. In Frankfurt war der konservativ-liberale Theilder Bürgerschaft für den Anschluß an den Dreikönigsbund; aber weder die demokra-tische Partei in der Constituante noch die im Senate zahlreich vertretene altreichs-städtische wollte davon hören.

So schroff standen die Parteien gegeneinander über, daß selbst die SäcularfeierGoethe's, des größten Sohnes Frankfurts und Deutschlands (28. Aug. 1849), vonallen Seiten als Parteifrage behandelt ward. Ein Festcomite wurde bestellt; manZog aber die demokratische Partei, der es an bedeutenden Talenten durchaus nichtfehlte, nicht oder doch nur auf eine Weise zu, welche sie mit Recht verletzte. DerSenat verlangte 3000 Gulden zu Ausgaben für das Fest; die ständige Bürgerre-^äsentation, die sich später keineswegs als Anhängerin ihres Mitglieds, des vn.^einganum, bewährte, war jedoch mit ihm einverstanden, als derselbe rieth, den Geld-^Utel zuzuhalten. Sie bewilligte nur den fünften Theil der Summe. Das Fest-winite hatte unter Andern: am Vorabend des Festes, nach dem Theater, Nachtmusikvnd Gesang vor dem Eoerhe'schen Hause veranstaltet. Die Sänger kamen spät,^ Mob benutzte die Zwischenzeit, Heckerlieder anzustimmen. Es kam in der engen^aße zu Händeln, Prügeleien und Verwundungen. Doch bot die Feier einzelneHone Momente. Zur Mittagsstunde wurden, unter ansprechenden begleitenden Wor-^ aus dem Munde des Dr. Mappes, zwei bildliche Darstellungen um die impo-^Nte Eoethestatue von Schwanthaler's Meisterhand enthüllt. Schön stand in ihrer^"te der Dichter, in seiner unnahbaren Höhe, in stolzer Größe und edlem Selbst-^ußtsein, und blickte herab auf die Menge zu seinen Füßen; der Strom der Ve-resterung brach in hellen Fluten hervor. Die geistige Einheit Deutschlands in seinen^sterblichen und durch seine Unsterblichen erhob den Redner und das Publicums. . der stolzen, leider immer getäuschten Hoffnung, daß ihm auch die nationale Ein-^ nicht vorenthalten bleiben könne. Schöne symbolische Bilder und eine treffliche. Unrenlese aus des Dichters Schriften, auf verschiedenen Tafeln angebracht, erhöh-* noch die festliche Stimmung. -

^ Bald aber erinnerte man sich, daß der Raum um des Dichters Statue ebenimprovisieren Pferdeställen umgeben war, die den Kriegern der „54 Natio-Nück DE!chlands angehörten — und die gehobene Stimmung des Festes wich derSternen des Tags. Vieles wurde zur Feier geboten: Guhkow's „Königslieutenant"^he^"sprechendem Prolog, treffliche Musik und spärliche Gasflammen an dem^Er, im Kaisersaale drei ansprechende Reden (von L)r. Creizenach, Professor