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Fünfter Band.
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Niederland und seine Colonien.

Im 11. Jahrhundert erst bauten Fischer auf dem innern Damme der Amstel, wodiese in den das D genannten Busen der Südersee mündet, ihre Hütten; mehr dennein halbes Jahrtausend später erreichte die Stadt ihren Glanzpunkt, nachdem sie wie-derholt aus der Asche neu entstanden war. Gleichsam gepreßt in einen nicht ebenfruchtbaren sumpfigen Landstrich zwischen N und Harlemer Meer, steht dieser Sitzdes Welthandels keinem andern an historischer Bedeutung und grandioser Eigenthüm-lichkeit nach. Es verdient unsere ganze Achtung, wie dieses tapfere Volk, auf einenkleinen Raum an der Meeresküste eingeengt, die Kargheit der Natur durch den nuteigenem Fleiße erworbenen Reichthum ersetzt und einen hervorragenden Platz in derGeschichte errungen hat.

Als die Holländer den bewunderungswürdigsten aller Kriege begannen, warensie freilich noch ziemlich güterlose Fischer und nur reich, insofern sie wenig Bedürf-nisse hatten. Gegenüber stand, mit Schwert und Henkerbeil drohend, der Beherr-scher einer Monarchie, in welcher die Sonne nicht unterging, der zugleich die beste"Heere der alten und die Schätze der neuen Welt sein nannte: Philipp II. Die rei-chern Städte Belgiens schauderten zwar vor der Tyrannei des Cardinals Granvell^und des Herzogs Alba; allein sie hatten zu viel zu verlieren, um Alles zu wage"'sie beugten sich dem Grundsätze des Königs, der in der Versammlung der Staate"von Gent erklärte: Lieber nicht regieren, als über Solche, welche die neuen reforM"'torischen Doctrinen bekennen. In Flandern und Brabant waren seit dem 15. Jah^hundert prunkende, stolze Höfe und der prahlende Glanz einer vornehmen Aristokr^tie, während dieses Element in Holland schon früh von der republikanischen und dtreformirten Nüchternheit vollständig überwältigt wurde. Auch heute noch tragenholländischen Städte keine verschwenderische Pracht zur Schau; ihr Äußeres verr""vielmehr einen sparsamen, auf Nutzen und Behagen, auf klare, blanke Nettigkeit^,richteten Sinn. Kein „frohes Völkchen lieber Müßiggänger", aber auch nichtPhlegma des Geschehenlassens, wie im Süden. In dem Holländer liegt die ruh^zähe Energie des Willens, der seiner großen, freien Vergangenheit nie ganz entwa^sen ist. An dem groben Korne des flämischen Wesens sind allerdings auch "Versuche fremder Politur abgeglitten. Die Masse hat fremde Sprache und Slnicht angenommen; aber sie hat sie doch geduldet und sich selbst in öffentlichen Di"Agefallen lassen. Der Holländer ist activer, selbstbewußter, seine Geschichte stehtin lebendiger Erinnerung, seine Helden und Patrioten sind des Volks wahrhal^Eigenthum geworden; darum hält er nicht blos fest an dem Angeborenen: erdafür Propaganda. ^

Die „Wassergeusen" erwarben die Herrschaft der Meere und behaupteten d"dieselbe den Ruhm, über ein Jahrhundert lang an der Spitze der europäischen ^teressen für die politische Freiheit und für das protestantische staatliche Princips,kämpfen. Damals ward Holland das sichere Asyl für alle Protestanten, alle ^folgte und Dissenters der Welt, für die freie Presse und die freie Forschung.dem Herkommen gemäß die meisten wissenschaftlichen Schriften lateinisch gesch^sowie die Lesevorträge auf deli Universitäten lateinisch gehalten wurden, erlerch^sdiesen Zusammenfluß der Gelehrten in dem kleinen Lande; bis vor kurzemden holländischen Universitäten selbst in der vaterländischen Geschichte und imschen Rechte lateinisch docirt. Dies hat jedoch aus die Ausbildung der hollandu ^Schriftsprache und Literatur nicht günstig eingewirkt, und am wenigsten sieFranzösischthümelei geschützt. Die Unterhaltungssprache füllte sich mitWörtern und Redensarten an; man bediente sich der meisten französischen ^ter, nach normännisch-englischer Weise, mit holländischer Endung. Schon h^les für schön, recht gemengt, wie im Englischen, zu sprechen, und verunreinteUnkenntlichkeit die schöne niederdeutsche Mundart. Der spätere Aufschwung ^ländischen Literatur, namentlich jetzt in enger Wechselwirkung mit der neumischen Literatur, die ein Muster von deutscher Sprachreinheit bildet,säubernd auf die Rede zurück, und man begegnet nun oft in ganzen Gesang