418 Niederland und seine Colonien.
Tugend einseitigen Handelsgeist untergeschoben, statt der Selbstvertheidigung der Bür-ger Ihr ein stehendes Miethheer zum Schutze errichtet, und ihr Leben veräußerlicht.Zn Zeiten der Kriegsgefahr auf dem Festlande fanden die Staaten ihren Schutz Wder Feldherrnkunst eines Oranischen Prinzen. Zum Statthalter von einigen oderallen Staaten, zum Oberführer der Landheere, bald auch der Flotten ernannt, er-langte dieser, bei Niederlagen fast noch mehr als siegreich, einen Einfluß und eir^Allgewalt, welche sich dem freien Niederländer schnell als drückend und unerträglichfühlbar machen mußte. Das führte denn unausbleiblich zum Aufstand und zur"Siege der Nationalpartei für einen beschränkten Zeitraum. Es siegte aber stets nureine Partei, die andere ward unterdrückt, ohne doch vernichtet oder versöhnt zu wer'den. So ward zwischen Herrschen und Unterdrücken eine der englischen Staatsgut'Wickelung ähnliche unmöglich; es entstand kein verfassungmäßiges, d. h. vertragmäß"ges Wirken zwischen und mit den Parreien zu Gunsten der öffentlichen WohlfahrtDie höhere Staatsentwickelung auf der breitern Grundlage eines großen Volkswesens,während Holland doch immer nur ein Bruchtheil der deutschen Nation war, mußEngland, das längst in die gleichen Fußstapsen getreten war, allmälig auch die Über?legenheit zur See und im Handel zuführen; denn die Gewerkkraft als Bestandsder Nationalität kann sich nur allseitig aufthun und auf der Höhe erhalten du^eine entsprechende Gesammtentwickelung der Nation. Die Erlangung des Statthabters Wilhelm auf den englischen Thron, obschon dem europäischen Staatensystemersprießlich, entschied den Wettkampf zum Nachtheil Hollands, dessen Interesse de"britischen gleichsam untergeordnet ward. Von da an macht sich ein langsamer Dcfall bemerkbar. Die Republik erduldet eine lange Kette von Widerwärtigkeiten,ihre Seeüberlegenheit allmälig untergraben, bis ihre Unabhängigkeit selbst an Fra"reich verloren ging. Zwar ward beim Absterben des alten Oranischen ZweigsWilhelm voll England die Statthalterwürde abgeschafft, die Macht der Staaten unHeinsius' Leitung wiederhergestellt, auch blieb die Republik mit der alten Hände.compagnie noch Beherrscherin des ostindischen Verkehrs; doch bald nach dem glucksgeführten Spanischen Erbsolgekriege offenbarte sie eine große Schwäche zu Lar^und bei dem drohenden Vordringen der französischen Heere im Jahr 1747 brachein Nolksaufstand Wilhelm IV., Statthalter von Friesland, Gröningen und Geldesaus dem jüngern Oranischen Zweige, zur Erbstatthalterwürde: die alte Verändert"^doch ohne neue Resorm. Die siegende Partei fand wieder ihre Stärke in der "mehrten Macht des Erbstatthalters; die besiegte seufzte unter dem Joche der Tyl^nei. Dabei bildete sich durch Familienverhältnisse eine ganz neue Richtung aus' ^oranische Partei sah ihre Stütze in England und Preußen, während die Nalio"Partei, theils aus Handelsneid, theils durch Handelsunterdrückungen der Englä" Him Siebenjährigen Kriege sich von jenem Lande abwendete. Der endliche Ausb^edes Kriegs mit England raubte dem Staate mit dem Überreste der politischenauch die Handelsmacht. Das Getreibe der Factionen ward immer krankhafter ^lockernder, bis es mit Auslösung des Staats mehr vor innerer Schwäche als däußere Gewalt endete. , .,i-
Ein unglücklicher doch lehrreicher Zeitabschnitt begann für Niederland — die s ^zösische Herrschaft. Zwei große Schläge schienen es für immer zu verderbe"- ^Wegnahme seiner Colonien durch England, welche seinen Handel zugrunden^.^,,und der bei der französischen Invasion ausbrechende Staatsbankrott, welcher 'durch Jahrhunderte angesammelten Capitalreichthum erschütterte, indem dieländischen Rentner mit einem mal ihre Zinsen verloren. Überhaupt ging dasunter dem Fremdjoche sichtlich zurück, selbst der Waterstat gerieth in Gefahr- ^rridieser Zustand noch zwei Jahrzehnde länger gewährt, das Meer >i^irde d*mit unsäglicher Ausdauer entrissene Beute wieder verschlungen haben. Auch ^ et'Centralisation anklebende verwickelte Verwaltung mit ihren zahllosenwies sich für Holland verderblich. Ein Generalgouvernement im Kaiserreichemußte es ein halbes Jahr auf die Erlaubniß aus Paris warten, um einen
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