420 Niederland und seine Colonien.
auch da- monopolisirende Colonialsystem von neuem begründete. Der Handel zogsich von dem Norden nach dem Süden zurück, Antwerpen füllte sich mit große"Handelsschiffen und erinnerte wieder an seine alte Blüte. Die belgische Jndustn*begann auf den Märkten Ostindien- mit der britischen zu wetteifern: nun aber wardsie natürlich ein neuer Dorn im Auge England-.
Nicht im deutschen, nicht im holländischen, sondern im vermeintlich englisch*"Interesse hatte die Bereinigung mit Niederland gelegen. Großbritannien wollte Nie*verland die Hauptcolonien nicht zurückgeben und seinen Großhandel nicht wieder erstehe"lassen; Holland und Belgien sollten eine kontinentale Mittelmacht, einen auf der See,in Kolonialmacht und Gewerkkraft bedeutunglosen Staat bilden, welcher dem Ins*»*reiche selbst die Behauptung seiner Suprematie über da- Festland erleichterte. Als ih"*aber die belgische Industrie, gestachelt durch hohen Schuh, unterstützt durch das groAartige Wirken der neugegründeten niederländischen Handelsgesellschaft, belebt dur^holländische Capitale, Schiffe und Colonien, gefährlicher ward als der holländisch*Handel: da schlug die britische Politik rasch um, die nun ebenso eifrig für die Tr<"'nung war als 15 Jahre früher für die Vereinigung. .
Auch Belgien hatte die Erinnerung, daß eS am meisten blühte, wenn eS pcham selbständigsten verwaltete. Während der mittelalterlichen Unabhängigkeit bildete"seine Städte, so günstig an dem Thore zweier Meere gelegen, den Mittel- undgangspunkt der Künste, des GewerbfleißeS und Handels im Norden; mit BeschrAkung ihrer alten Municipalfreiheiten, damals als sie Theile einer großen MonaEgeworden waren, verloren sie fast ihre Bedeutung. Zugleich fühlten sie sich vielft^gekränkt an ihrer wallonischen und flämischen Volkseigenheit, woran sie durchZeiten und Herrschaften festgehalten. Ihre Unruhe, ihr unaufhörliche- MisbehaS*ward noch vermehrt durch die doppelten Einwirkungen der Geistlichkeit gegen ^holländisch-protestantischen Geist, und deS modernen mit französischen Anschauung*genährten Liberalismus gegen die altfränkische Berfassung. Diese Verhältnisse ern"sen sich mächtiger als alle materiellen Vortheile, welche Belgien aus der Vereinig""^mit Holland zog, und ließen es die erste günstige Gelegenheit zum Abfall ergren*ig Wilhelm I., der Macht jener Interessen zu fest vertrauend, seiner wohlwo"* ^Gesinnung sich bewußt, dabei gewohnt, die Regierungszügel mit eigener
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zu führen, und Einmengung in die Geschäfte von keiner Seite duldend, erkannte
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spät die Triebfedern und den ganzen Ernst des durch die Umstände begünstigten ^ §standeS. AuS schlauer Berechnung stand der größere belgische Theil des verei"*Heeres im Norden, der holländische, bald von den Aufständischen entwaffnete Ain Belgien. Als nun die belgischen Regimenter nach dem Süden heranrück ,kämpften sie nicht gegen ihre Landsleute, waS selbst dem tapfern Prinzen vonnien so natürlich erschien, daß er ihnen die Nichttheilnahme freistellte. So err*"^,die Umwälzung schnell ihr Ziel. Auch war das altniederländische Volk, dem basi-schen Hau-interesse entgegen, ebenso sehr für die Abtrennung Belgiens alsselbst, weil eS seine eigenen Interessen dadurch am meisten zu fördern glaubte.eine administrative Sonderung arbeitete längst in Holland eine mächtige Partei, "^jt
bis in die höchste Sphäre des Staat- hinauf Anklang, ja Unterstützung fand- ^
den spätern KriegSrüstungen und dem Feldzuge bezwecken die Holländer keinem f,
eine neue Verschmelzung mit Belgien, sondern nur die Erkämpfung eine- Ir?
ten und vortheilhasten Frieden-, und um den unerträglich werdenden ungewisse"stand zu Ende zu führen. . . ^ng
Schon in den letzten Jahren der Vereinigung hatte die königliche ^
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ein Schwanken gezeigt, das ihr da- Vertrauen raubte. Der allgemeine - ^
der holländischen Sprache ward heute vorgeschrieben, morgen widerrufen,LoUstzium pliilosoptueuw errichtet, morgen wieder abgeschafft. Dass^evolle Schwanken der holländischen Regierung unterstützte nun den belgisch* ^chttstand und verlängerte den unleidlichen StatuSquo. Gleich nach dem Aufstande ^der Prinz von Oranien daS Verlangen der Belgier um administrative Trerirn