Band 
Fünfter Band.
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Niederland und seine Colonien.

Städte und des platten Landes hervorgehen müssen. Statt dessen aber wurde derinzwischen bedeutungslos gewordene Adelsfactor künstlich hineingcschoben. Eine kleineAnzahl Jonkheeren schickte ungefähr ein Drittel aus ihrer. Mitte in die Provinzia^stä'ndeversammlung, während andererseits Männer von hundert mal mehr Vermögenund von nicht geringerm Wissen nur durch die dritte Hand auf die Zusammensetzungdieser Provinzialstände einen schwachen Einfluß ausüben konnten. Denn obgleich dieEdelleute direct wählten, hatten die Stimmberechtigten des platten Landes nur Wäk^ler zu ernennen, denen die Wahl der Staaten aufgetragen war. In den Städtenbestand sogar eine dreifache Abstufung oder Filtrirung: die Stimmberechtigten ernann-ten eine sehr kleine Anzahl Wähler, welche die Mitglieder des Stadtraths wählte,und diesem auf Lebenszeit gewählten Eollegium voll Familienrücksichten stand erst dieWahl der Provinzialstände zu. Wenn eine gemeindliche oder provinziale Vertretungfür eine höhere Vertretungsstufe wählt, so hat Dies noch einen natürlichen Grund»doch Wähler wählen zu lassen ist ein trügerisches Spiel, das entweder erfolglos bleibtoder ein wichtiges Recht auf wenige Personen beschränkt. Auch nach dem revidirteNGrundgesetze von 1840 betrug die Zahl der Mitglieder sämmtlicher ProvinzialstateN588, von denen die Ritterschaften 139, die Städte mit mehr als einer Million Ein"wohner 238, das platte Land mit nahezu zwei Millionen Seelen 211 zu wählenhatten. *) Bei solchen Gesehen kann von Wahlen eigentlich nicht die Rede sein, so^dern nur von Abordnung der Körperschaften. Da die Kammern noch überdies uN"auflöslich waren, so erschien die ganze Verbrüderung mit den zwischenliegenden Pr^vinzialstaten, also Glieder und Haupt, fast wie auf lebenslang ernannt und unab"setzbar. Welche Überwindung also für die Generalstaten, durch Foderung von direct^Volkswahl ihre eigene Auflösung zu beschließen!

Als bei Eröffnung des Landtags von 1845 die Thronrede Schweigen überGrundgesehrevision beobachtete, die zweite Kammer sodann in ihrer Adresse den Wuns^danach bestimmt ausdrückte, die erste Kammer aber ihre Zustimmung dazu verN)^gerte: da entschlossen sich endlich neun ausgezeichnete Männer, Mitglieder der zweit^Kammer, Thorbecke, de Kempenaer, Graf van Rechteren, Storm, Luzac, Anema^Wichers, van Dam van Jsselt, die Vcrfassungsreform in ihre Hand zu nehmetund die zweite Kammer zur Ergreifung der ihr verfassungsmäßig zustehenden,auch nicht gewöhnlichen Initiative zu drängen. Sie arbeiteten einen neuen EntwU^des Grundgesetzes aus, um welchen sich nun die gesammte Opposition wie um iAsichtbare Fahne scharte- und obwol sie denselben 1845 in der zweiten Kammer ni^durchsetzten, so förderte doch die lange spannende Berathung darüber die Theilnah^des Volks, die Reifung des ganzen Werks. Ja jener Entwurf der Neun vonsollte im Wesentlichen schon 1848 niederländisches Gesetz werden. Die genannt^Männer verwarfen die Vertretung nach Ständen in einem Lande, wo alle ElenM^dafür fehlten, sowie jede persönliche Bevorzugung bei den Wahlen oder andernfugniffen. Sie beantragten die directe Wahl, sowol der Provinziell- wie der Generastaaten, mit Einführung eines Census an directen Steuern, dem jedoch die Gelehrt^Doctoren u. s. w. enthoben sein sollten. Obwol bei der Abstimmung unterlieg^hatten jene Männer, wie schon angedeutet^ doch in den mehrtägigen, glänzenden ^

batten einen unauslöschlichen moralischen Sieg gefeiert — die große Sache der

form war gerettet. Hierin gerade liegt aber das Glück fester, freier Institutendaß sie das Licht nach allen Seiten verbreiten, und dem Fortschritt und der ^Wickelung unwiderstehlich die gesetzliche Bahn ebenen, ehe es heißt: Es ist ö".

Als die Februarrevolution Frankreich mit einem erschütternden Ruck in einepublik umwandelte, die Völker Mitteleuropas in wilde Gä'hrung, die Kabinett lN^stürzung geriethen: da boten nur Belgien und Holland das glückliche Schauspiels^

innern friedlichen Reform, das Bild gesicherter Zustände, an denen die emp

Lrten,

*) Der geistreichste BekampferSchrift: „Over 6e kervorminx

deS alten Wahlsystems warvsn ons Ki688tel8cl."

Professor Lhorbecke in

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