Niederland und seine Kolonien. 459
Monopolgeist, der sich des Colonialhandels von neuem bemächtigt, sein ersteskünstliches Aufblühen begünstigt, ihn dann aber wieder gelähmt hat. Das ist dieKehrseite aller beschützenden Maßregeln der Regierung, von welchen sie selbst Vor-teile zieht, daß dieselben, wie wohlthätig auch im Beginn, bald ihr Ziel überschrei-en, ausarten und nun durch Hemmung nachteilig wirken. Darum muß das ganzevolkswirtschaftliche Schutzsystem in jedem Schritte seines Vorgangs mit strengem,Unbestechlichem Auge geprüft werden, damit es nicht selbst verkümmernd aus dieMische natürliche Lebensentwickelung der Nation drücke. Trotz dem wichtigen Colonial-vesihe sind außer der Maatschappij doch die holländischen Kaufleute im Ganzen nurGeschäftsleute zweiten Ranges; sie sind Handelscommissare geblieben, die von demGouvernement und dessen Factotum abhängen. Die höhere, freie Thätigkeit kann dem^nde nur aus einem umfassenden Eigenhandel erwachsen, welchen Kaufleute und^heder ohne Monopol aus eigener Kraft und auf eigene Rechnung führen.
Überhaupt hat die monopolistische Ausbeutung der Colonien weit mehr dem ein-fügen Interesse des Fiscus und den Reichen als den mittlern und ärmern ClassenAnsitzt. Die sonst unschätzbare Wohlthat des neuen Aufschwungs des Colonialhan-kls ging dem größer» Theile des Landes verloren: in den untern Ständen zeigte sich^rbeitsmangel, in den höhern ein schmuzigeß Jagen nach Ämtern und Posten. Dieslllhrte dahin, daß man auch nach der Trennung Belgiens, unter ganz verändertenUmständen, im Schutzsystem für die Industrie Hülfe suchte und das Mittel, den Ar-bitern Verdienst zu sichern. Abgesehen von den Differentialzöllen, bemühte sich beson-erß wieder die Handelsmaatschappij, durch directe Eeldunterstützungen und sonstige Be-lustigungen Fabriken in Nordniederland künstlich hervorzurufen. Die Fabrikate desMutterlandes sind gegen den Mitbewerb der fremden Industrie in den Colonien durchWien prohibitiven, mit aller Strenge durchgeführten Differentialzoll von 100 Vo ge-indem sie nur 12'/r Vo des Werths, fremde Baumwoll-, Linnen-, Tuch-aaren u. s. w. dagegen 23 "/> oder höhere Zölle bezahlen. Dieser unmäßige Schutz soll^bh gegenwärtig noch nicht beseitigt werden, ungeachtet er im Grunde überflüssig er-'cheint, insofern der Handelsmaatschappij im Art. 62 ihres neuen Statuts die sehrAusgedehnte Verpflichtung aufgelegt ist: für ihre sämmtlichen Ausfuhren habe sie sichorab der einheimischen Producte und Gewerbserzeugnisse zu bedienen. Damit allein' der Haupttheil der Einfuhren in Java der mutterländischen Erzeugung gesichert,^wal in Betracht der Vortheile, welche die Maatschappij aus den ihr erleichtertenliessen von Java zieht. Das Alles aber konnte die Nachtheile der Beschränktheitd Mutterländischen Markts, des hohen Taglohns, der Ungeübtheit der Arbeiter nichtli^iegen. Die Einfuhr britischer Waaren in den holländischen Colonien auf gesetz-wie auf Schleich-Wegen nahm mehr und mehr überhand, und die holländischenEriken, sofern sie nicht naturgemäß im Lande wurzeln, werden ihr Leben nur so-^Uge fristen, als die Colonialprivilegien dauern. Während sich aber in der ThatKoches Etablissement in Baumwolle, Linnen, Tuch schon als unhaltbar heraus-ba, ^ Zeichnet sich Holland fortwährend in den Gewerben der Fischerei, des Schiff-hz^ (wozu neuerdings auch Dampfschiffe mit großen Dampfmaschinenfabriken ge-der Schiffahrt, der Viehzucht, in Verfertigung verschiedener Kunstsachen wieih^ener Stoffe aus. Diese unabhängigen Wohlfahrtsquellen mit dem Eigenhandelerwehr zu entwickeln, darauf kam es vor allem an!slil> in Aussicht gestellte Maßregel, die Flaggen hinsichtlich der javaischen Aus-gleichmäßig zu behandeln, ist gegenwärtig gleichfalls nur eine scheinbare Li-H,"at. Die Differenz in den Äusfuhrzöllen hatte den Hauptzweck, die javaischenden Häfen des Mutterlandes zuzuführen, und bildete in Verbindung mit* Maatschappij aufgelegten Verpflichtung, nur niederländische Schiffe zu be-lwd ^ ^ diese einen gewissen Vortheil von etwa 30 Gulden per Last für Zucker,Ziffer ^"lden für Kaffee. Jener Hauptzweck wird nun in Zukunft auch ohne die^ A «k ^ Ausfuhrzöllen erreicht, weil eben das Monopol der Maatschappij^fuhren und die Nückfuhren beherrscht: sie hat die Auswahl der javaischen