Band 
Fünfter Band.
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Hessen-Darmstadt.

Übel; doch selbst diese- Übel ziehen sie der Fortdauer einer ungewissen, schwankendenLage vor. Entweder ganz Deutsche oder ganz Holländer — ist wohlverstanden ihrWahlspruch.

Was nun aber da- Interesse Deutschlands an Limburg betrifft, so wiegt das"selbe gewiß schwer. Wir erhalten durch Limburgs Anschluß einen neuen Strom, einewichtige Verkehrsader, eine weit einfachere Zollgrenze im Nordwesten, eine viel län-gere Grenzberührung mit Belgien, überhaupt eine günstigere Stellung zu diesem auf-strebenden Staate und dadurch auch zu Niederland selbst. Unsere ganze Lage iwNordwesten und zur See vereinfacht und verbessert sich; und außerdem reichen wiralsdann unsern flämischen Brüdern, zu deren Stamme die Limburger gehören, undihren Bestrebungen unmittelbar die Hand. Die limburger Frage darf deshalb nichtblos aus dem Gesichtspunkte des Rechts, der freilich entscheidend ist, sondern ^muß auch aus dem der nationalen Politik und der deutschen Machtentwickelung auf-gefaßt werden.

So haben wir denn die Zustände NiederlandS und sein Verhältniß zum deut"schen Mutterlande zu entwickeln versucht. Als das Resultat unserer Betrachtungaber hat sich die Nothwendigkeit einer nähern politischen Vereinigung dieser losge-trennten Volks- und StaatSglieder mit dem großen, allgemeinen Vaterlande ergeben-Wie wenig auch selbst die Lage der deutschen Dinge im Jahre 1850 AuSsicht g^währt, daß diese Einigung alsbald eintrete: wir durften uns nicht abhalten lassetdie innerlichen Verhältnisse zu erfassen und den Weg der Zukunft zu bezeichnen'Aber nicht nur tausend materielle Beziehungen sind eS, welche Deutschland, HollaNund Belgien zueinanderführen: auch solche Zeichen geben sich hier und dort kund,die auf eine Annäherung im Geiste schließen lassen. In beiden Niederlanden bereitssich ein tiefgreifender Umschwung auf dem Gebiete der Volksmäßigkeit vor. ^erinnern nur an die flämische Bewegung, an diesen Frühlingshauch des niederdeu^schen Lebens. Wer wollte nicht schon in diesem erwachenden Bewußtsein dersammcngehörigkeit Deutschlands und seiner alten Glieder Holland und Belgien *Blut, Sprache, Geschichte und Gesittung die tiefste und sicherste Grundlage ihr*künftigen politischen Wiedervereinigung erkennen!

Hessen-Darmstadt in seiner neuesten politischen Entwickelung'

Der hessische D«ali«mu§; die Bureaukratie; Ursachen der Oppositionsgeist«» in Rheinh^,die Vorboten der Märzrevolution; zwei Blutgeschichten; die hohe Aristokratie; Linde'S

dienplan; der Landtag.

Die Theilung Hessens durch Philipp den Großmüthigen wuchs im Lauf der 3^-hunderte zur tiefgreifendsten politischen Bedeutung. Nicht blos neue Linien pNegentenhauseS wurden durch dieselbe geschaffen, sondern auch ein neues Hesse" e-neben dem alten. Als die Linie Hessen-Rheinfelö und die marburgische bereitsnige Jahrzehnde nach Philipp'S Tode auSgestorben, und nach langen Jahrenseligen Kämpfe geschlossen waren, welche sich an die marburgische Erbschaft ^ ^ten, da hatte sich allmälig ein förmlicher hessischer Dualismus herausgebildet,^,auch heute noch für da- ganze politische Leben der beiden Hessen maßgebend ^Hessen-Kassel sah sich, als ihm Marburg wieder zugefallen war, im Besitze voder ganzen althessischen Ländermasse; fast alle die Orte, an welche sich die öErinnerungen der frühern hessischen Geschichte knüpfen — Kassel, Marburg,kenberg, Fritzlar u. s. w. zusammt den Stammsitzen der mächtigen niedery''Ritterschaft — lagen in seinen Grenzen, und jener echte althessische Volksscy