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Fünfter Band.
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479
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Hessen - Darmstadt. 479

stch in den Bauern im Schwalmgrunde, an der obern Lahn und anderwärts soMerkwürdig rein erhalten hat, bildete den festen Kern einer ganz originellen Bauern-schaft. Auch alle die reichen architektonischen Kunstdenkmale, welche uns an dieMittelalterliche Blütezeit des hessischen Bürgcrthums gemahnen, fielen mit geringerAusnahme Hessen-Kassel zu. Und wo etwa neue Ländererwerbungen hinzutraten,?? assimilirten sie sich leicht dem hessischen Stammlande. Wäre nicht die Graf-Ichaft Hanau an Hessen-Kassel gefallen, ein neues, beweglicheres Element dem alt-/tsfischen Volksthume beifügend, so würde das heutige Kurfürstenthum Hessen das^.dern dermaligen Staatensysteme Deutschlands fast einzige^ Beispiel eines geogra-phisch wie nach Stammeseigenthümlichkeit und geschichtlicher Überlieferung fest in sich^geschlossenen Landes bieten.

. Ganz anders Hessen-Darmstadt! Dies ist ein moderner Staat in den verschie-den Bedeutungen des Worts. Durch das Testament Philipp's des Großmütyi-^ geschaffen, wuchs das Land durch den Erwerb mannichfaltiger und in sich höchst^gleichartiger Gebietstheile allmälig zu seinem heutigen Umfange heran. Der An-M des alten Stammlandes ist im Verhältniß unbedeutend; die Masse wie derT^ichthurn und die politische Geltung des heutigen Großherzogthums wird vielmehrurch das neuerworbene, äußerlich hinzugekommene Land bedingt. Sein althessischesebiet ist arm an historischen Kunstdenkmalen, und dessen geschichtliche ErinnerungenAffen nach Marburg und Kassel hinüber, nicht nach der katzenelnbogischen Residenzarmstadt, aus welcher später ein landgräflich hessisches Provinzialstädtchen wurde.Diejenigen Landestheite aber, wo eine eigenthümliche, reiche geschichtliche Entwickelungi vt noch in der Seele des Volks nachklingt, wo eine stolze Reihe mittelalterlicherunstdenkmale mahnend in die Gegenwart hereinragt, nämlich Nheinhessen und der'Muhe Theil der Provinz Starkenburg, besitzen keinen innern geschichtlichen Zusam-Euhang mit dem Hessenlande. Die Geschichte der Bildung Kurhessens ist poetischnd romantisch bis herauf zu dem Sommernachtstraum vom „Königreich Westfa-ja noch weiter bis zu jenem Kurfürsten, der das alte Hesscnthum wieder er-^ckeri wollte, indem er die Zopfe, nicht figürlich, sondern in Natur wieder einführte.

aß Schicksal des Landes hing auch noch im modernen Zeitalter mehr als in fast.Send einem andern deutschen Staate an der meist bis zum Eigensinn originellenhs^soulichkeit seiner Fürsten. Kein deutsches Land bietet einen reichern Schatz poli-Kuriositäten und Absonderlichkeiten seitens des obersten Regiments, als Kur-^!Ien seit etwa 100 Jahren. Hessen-Darmstadt dagegen war schon durch seineg.^"wiensetzung aus so lose verbundenen Theilen auf eine ganz andere Politik hin-ge^sen. Um seiner Selbsterhaltung willen mußte es die Prosa einer nüchternen,llivk Eten Staatsverwaltung ins Auge fassen; wie in seiner Zusammensetzung eing. Urtier Staat, so mußte es auch einen im modernen, konstitutionellen Sinne strengst^Neten Staatshaushalt obenan stellen. Der bedeutendste unter den Hessen-darm-Mischen Fürsten, Ludwig I., war gewiß ein origineller und selbständiger Mann,suchte seine Originalität eben darin, daß er die erste Unterlage eines consti-f^°uellen Staatslebens schuf und zwar zu einer Zeit, wo dies allerdings weit mehroriginell galt, als wenn er der Verwirklichung persönlicher, romantischer oder^mien und Grillen nachgetrachtet hätte. Wenn darum die Hessen diesemam Vorabend einer liefern konstitutionellen Entwickelung eine Denkfaule setz-H/n-so hatte dies allerdings noch einen andern Sinn als den der Schmeichelei. Die^t!, "' Darmstädter waren seit langer Zeit auf das Saubere, Ordentliche in ihrer§l,ß7,^crwaltung stolz, obgleich diese Ordnung und Regelmäßigkeit weit mehr eine^»rd mechanische als eine organische war. Die praktischen StaatSinteressen

ßa'dtrr frühzeitig in Darmstadt hoch gehalten. Wir erinnern an den Darm-Handel-kongreß, an den frühzeitigen Beitritt zum Zollverein, an die Aushe-E>, bäuerlichen Frohnen, an die Regelung des Schulwesens u. s. w. Bei

liadtis!^ ssisfhrn Geistlichkeit gedieh ein romantischer Pietismus, bei der hessen-darm-uyen überwucherte ein nüchterner Rationalismus. Ja dieser Rationalismus