490 Hessen - Darmstadt.
verschmähte bis gegen die neueste Zeit das Bündniß mit dem Polizeistaate nicht, uMsich recht ausschließlich und rein zu erhalten: er war officiell, monopolisirt, und esgalt für ein Ereigniß, als im Jahre 1847 ein nichtrationalistischer Professor derTheologie an die Universität Gießen berufen wurde. Für die praktischen Disciplinen,für Chemie, Medicin, überhaupt Naturwissenschast wurden dieser Hochschule wahrhastgroßartige Opfer gebracht; für die philosophischen Lehrfächer geschah verhältnißmäß'ggar wenig.
Daß in einem Staate, wo das nüchtern verständige Princip obenanstand, n>*ein äußerlicher Mechanismus die höchste Geltung gewonnen hatte, der günstigst*Boden für die Bureaukratie gegeben war, leuchtet wol ein. In der That geschahe"die politischen Rückschritte, welche man in Darmstadt, wie überall in Deutschland,seit dem Anfange der dreißiger Jahre machte, nicht sowol im Interesse eines persön'lichen Absolutismus als in dem der Bureaukratie. Wir erinnern nur an das z"selbiger Zeit geschaffene Institut der Kreisräthe, welches den obersten Kreisbcamte"(Kreisrath) mit einer unerhörten Machtvollkommenheit ausrüstete, ihn zum Fürste"seines Kreises erhob, und seine Selbständigkeit selbst auf Kosten der Controle von obe"ausdehnte. Ein merkwürdiger Fall, der sich im Jahre 1844 in Gießen zutrug, n>oSdie Machtvollkommenheit dieser Kreisräthe veranschaulichen. Es war bei dem für d>*Einführung von Schlachtvieh zu entrichtenden städtischen Octroi ein kleiner Aufsch^-verfügt worden; die Metzger aber sollten nichtsdestoweniger das Fleisch zu demselb*"Preise wie bisher liefern. Die Mehgerschaft erklärte, ehe sie solchergestalt zu ihre"*eigenen Nachtheile schlachteten, würden sie lieber allesammt ihre Gewerbspatentedie Hände des Kreisraths zurückgeben und gar nicht mehr schlachten. Der Kreis'rath, ein höchst energischer Mann, hielt die sämmtlichen Metzger beim Wort und <nahm ihre Patente zurück. Er ließ in der Zrughaushalle eine große Schlächterfür die ganze Stadt auf gemeine Kosten Herrichten und das Geschäft durch von a"wärts herbeigeholte Mehgergesellen versehen. Der Erfolg bewährte den kecken Sehr"!und der Kreisrath konnte der Stadt das Fleisch noch etwas billiger liefern, alsdie Metzger vorher gethan. Diese saßen unterdessen müßig hinter ihren geschloss*"^Läden, wo die Vcrmögenlosern gar bald mürbe wurden; und wäre man nicht .
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einiger Zeit von Darmstadt aus vermittelnd eingeschritten, so hätte die gesaw" .Mehgerschaft wegziehen oder ein anderes Gewerbe ergreifen müssen, denn ihr cig*"Trotz würde nimmermehr die Entschlossenheit des Kreisraths gebrochen haben.
Das bureaukratische Institut der Kreisräthe, an dessen Statt früher einegialische Behörde bestanden hatte, wurde gleichsam zum Brennpunkt, darin sichStrahlen des gegen die Bureaukratie überhaupt gerichteten Hasses sammelten- .War darum eines der ersten Anliegen des Landtage im März 1848, zur Abschast"dieser Behörde Schritte zu thun.
Nirgend war jedoch das bureaukratjsche Regiment verhaßter als in Rheinh*^Diese Provinz, die sich solange in ihrer Selbständigkeit behaglich gefühlt, konnte ^erst von 1816 her datirende Abhängigkeit von Darmstadt nicht verschmerzen,blos die geographische Lage, nicht blos die Geschichte, Sitte und Art der Dew»^trennte sie von dem Hessenlande, sondern auch eine in so kleinem Staatsvtt"sonst unerhörte Verschiedenheit der politischen Institutionen, an welchen dieHessen mit der äußersten Zähigkeit und Eifersucht hingen. Auch das materiell* §§teresse dieser Provinz ging oft genug nicht Hand in Hand mit dem der ""hessischen Gebictstheile. Während man in Darmstadt gegen die AufhcbuusRheinzölle war, weil durch dieselben der Staatskasse eine so bedeutende Einn^ ^quelle zufloß, die für das nichtrhcinische Land geradezu als ein gefundenes G ^schien, arbeitete man in Mainz natürlich auf die Wegschaffung von Zöllen Y' ' hieman wol für ein bedeutendes Hcmmniß des Rheinhandels halten mußte, da 'Fracht mitunter um 50 — 60übersteigen. Die mit so großen Kosten eins"führte Anlage der Main-Neckar »Eisenbahn achtete man in Starkenburg 0Gewinn, in Rheinhessen dagegen für eine unverantwortliche Verkürzung veo