Band 
Fünfter Band.
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487
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Hessen Darmstadt. 487

Befürchtungen wegen eines Fürstencongresses hegte, trat der hessische Bevollmächtigte,Graf Lehrbach, im Verein mit Max von Gagern und dem Geheimrath von Stern-fels (den Abgesandten Nassaus und Würtembergs), eine Rundreise an die deutschen8ürstenhöse an, um die ersten gemeinsamen Schritte zur Ordnung der deutschen.An-gelegenheiten zu veranlassen. Die Berufung eines Parlaments, Organisirung einesBundesheeres, gemeinsame Handelspolitik, Einheit der Gesetzgebung u. s. w. warendie Hauptpunkte, auf welche diese Bevollmächtigten namens ihrer Regierungen drin-gen sollten. Die Auffassung der deutschen Frage im Sinne einer einheitlichen, bun-deßstaatlichen Politik, welche das hessische Ministerium damals zu dieser Sendungveranlaßte, ist denn auch, solange Gagern und Jaup das Regiment führten, währendaller Krisen dieselbe geblieben. Schon am 11. Jan. 1849 übergab der großherzog-liche Bevollmächtigte bei der Centralgewalt, Eigenbrodt, eine Erklärung, daß es demSinne des Großherzogs von Hessen vollkommen entspreche, „wenn ein einziges undselbst erbliches, mächtiges Oberhaupt an die Spitze des deutschen Bundesstaats ge-Hellt werde". Namentlich herrschte in dieser Beziehung ein merkwürdiges Vertrauenauf die Persönlichkeit des Mitregenten der Mä'rztage, des jetzigen Großherzogs Lud-wig in. Dies leuchtet am deutlichsten daraus hervor, daß zur Entscheidungszeit derdeutschen Oberhauptsfrage an vielen Orten Hessens durch Adressen u. dgl. der Lan-desfürst als der vom Volke erwünschte Statthalter von Deutschland, wo nicht garals Kaiser bezeichnet wurde. Der Abgeordnete Heldmann hat sogar einen Antragauf die Reichsstatthalterschaft Ludwig's III. in die zweite Kammer eingebracht. Als?d ein kleiner Fürst, und sei er noch so deutsch gesinnt, heute noch die Rolle einesRudolf von Hübsburg spielen könnte!

Wir kehren jedoch zn den Märztagen zurück. Während sich das Ministerium dieErfüllung des Verheißenen angelegen sein ließ, das Polizeistrafgesehbuch vom 2. Nov.^847 wieder aufhob, die Trennung des Ministerium des Innern von dem der Ju-stiz durchführte, die Vereidigung des Militairs auf die Verfassung anordnete u. s. w.,vkach bei den Bauern, namentlich im Odenwalde, eine Bewegung aus, die sehr be-denklich zu werden drohte. Der Bauer, welcher von der politischen Erhebung ebendeine sonderlichen Früchte für sich abfallen sah, wollte nun seinerseits auch wegschaffen,

. ^as ihn zunächst drückte. So stand er denn auf gegen die Juden und gegen —^ Standesherren.

^ Im Odenwald rückten die Bauern in hellen Haufen dem Grafen von Erbach-^-rbach aufs Schloß und zwangen denselben zu einem schriftlichen Revers, worin er^ sein Prä'sentationsrecht bei Besetzung geistlicher und weltlicher Stellen, ebensoZehnten und Grundrenten Verzicht leistete, die Jagd völlig freigab u. s. w. An^ Grafen von Erbach-Fürstenau und Erbach-Schönberg wurden ähnliche Foderun-^ gestellt. Unter Anderm wollten die Bauern auch den Letzter» zwingen, den^kaufspreis für Brotfrüchte, welche er in dem Hungerjahre 1847 gegen ein ganzDinges Geld an die Bevölkerung abgelassen, nunmehr den bereits halbwegs Be°Unkten auch noch ganz zu schenken. Ja es schien sogar eine Weile, als ob diesekfährdung des Eigenthums nicht blos die Standesherren, sondern auch Privatper-son treffen sollte. So drang z. B. zu Fürth im Odenwald eine Rotte in ein^vathaus, und preßte dem Bewohner die Quittung für eine nicht abgetragene^pitalschuld ab. Da es an zuverlässigen und mit persönlichem Einfluß gerüsteten^albeaniten fehlte, so mußten eigene Civilcommissare in die standesherrlichen Bezirke^stöbet werden. Gagern erließ eine kräftige Proklamation, worin er gesetzliche Ab-standesherrlichen Rechte verhieß, aber auch nachdrücklich auf den Unter-zwischen einer solchen und eigenmächtiger Beraubung aufmerksam machte. Diese^ vclaniation hatte nicht überall den erwünschten Erfolg. In Lauterbach am Vogcls-keä am 25. März ein förmlicher Zerstörungskrieg gegen das Eigenthum dersche rlich^ von Niedesel'schen Familie begonnen. Der Hausrath in fünf Riedesel'-y^bäuden wurde zertrümmert und verbrannt, werthvolle Gegenstände gestohlen,Archiv vernichtet, eine Ziegelei in Brand gesteckt. Ganz wie im Bauernkriege