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Hessen Darmstadt.
tranken die Plünderer in den Kellern erst soviel Wein als menschenmöglich, undließen dann den übrigen Inhalt der Fässer auf den Boden auskaufen. Und dochhatten die Freiherren von Riedcsel den Abgeordneten der Bauern, welche nachDarmstadt zu ihnen kamen, wo sie des Landtags wegen anwesend sein mußten, vor-her alle möglichen Zugeständnisse gemacht, und „in so bewegter Zeit, und entferntvon Haus, Weib und Kind und ihr Eigenthum unter den Schutz der Bürger Lau-terbachs gestellt". Die Bürger LauterbachS aber hatten diesen Schutz nicht geleistet.Auch das Einschreiten des großherzoglichen Civilcommissars blieb erfolglos, und erstdie bewaffnete Macht vermochte dem Frevel Einhalt zu thun. In der AufregungdeS Jahres 1830 hatten ähnliche Excesse in Oberhessen gedroht» damals aber warin einzelnen Gemeinden der bessere Theil der Einwohnerschaft selbst eingeschritten undhatte Ordnung erhalten. Diese Energie schien dem vernünftigern und gesitteter^Theile der Bevölkerung inzwischen fast überall in Deutschland abhanden gekommenzu sein. Nicht minder mußten im Jahre 1848 die Judenverfolgungen, die sich auchauf einzelne Punkte Nheinhessens erstreckten, durch militairische Gewalt unterdrück»werden. Im Bauernkriege von 1525 war Hessen allein von dem ringsum tobendenAufruhr sreigeblieben; an einzelnen Grenzpunkten, wo die Ansteckung eben bereits dltHessen zu ergreifen begann, trieb die Autorität dcS Landgrafen Philipp rasch dltunsauber» Geister wieder aus. Ja die Bauern selbst halfen dem hessischen Kriegsvolk zur Unterdrückung des Aufstandes im Fuldaischen. Es fällt also diese Parallel*nicht eben zur Ehre der Gegenwart aus. Zudem waren die Vorrechte der hessisch*"Standesherren keineswegs mehr so bedeutend, namentlich nicht sehr drückend für de§Bauersmann, dem gegentheils durch die Residenz dieser Überreste des alten Reichtadels in seiner Gegend erhebliche Vortheile zuwuchsen. Es war eben die unversta^dene Idee der politischen Freiheit und Gleichberechtigung, welche jetzt den Bauersdie Köpfe in derselben Weise verdreht hatte, wie vor 200 Jahren die unverdaut*Idee der evangelischen Freiheit gegenüber dem Papstthum. Denn der Bauer hakeinen Sinn für die politische Doctrin, und wo man sie ihm aufdrängt, da überstker sich dieselbe sogleich in seiner Weise ins Praktische, eine Übersetzung, die, wie ^sehen,, sehr unglücklich ausfallen kann.
Ähnlich wie jene Bauern faßte das städtische Proletariat in Mainz die neu*"Errungenschaften auf. Hier kam namentlich der alte Groll der sogenannten „2^anzieher" (Leute, welche die Frachtschiffe längs der Stadt vorbei durch den H^"ziehen) gegen die Schleppdampfschiffahrt zum Ausbruch. Diese armen Arbeiterten dabei freilich einen nähern Grund zur Gewaltthat als die Bauern, den»ganzer Erwerb war durch die Schleppdampfschiffe ruinirt worden. Kein so^Schiff sollte mehr Fahrzeuge an der Stadt vorbeischleppen dürfen. Um diesem ^böte Nachdruck zu verschaffen, begannen überall am Nheinufer Angriffe aufSchleppschiffe: sie wurden beschossen, und sahen sich bereits im Anfange April S*" ,thigt, ihre Fahrten einzustellen. Erst am 27. Mai konnte in Folge der von Seider Regierungen ergriffenen Maßregeln das erste Schleppschiff wieder ungefah^Mainz und Bingen passiren. Noch weiter gingen die Hafenarbeiter in Mainz-verfügten: Kein Kaufmann, der eigene Pferde hat, darf diese dazu benutzen, ^die aus und nach dem H-sen ab- und zugehenden Güter zu fahren; die Haf*"^.beiter allein sollen daS thun. Diese Vorschrift wurde sämmtlichen Kaufleuten " ^getheilt. Als nichtsdestoweniger ein Steinkohlenhändler seinen Kunden die Koy ^mit eigenem Fuhrwerk aus dem Hafen ins Haus lieferte, suchten die schrien»*der That dies zu wehren, wobei es zu Rauferei und Verwundungen kam. ^größte industrielle Etablissements in Mainz wurden als der Zerstörung gewech s§zeichnet. Insofern man damals in einem großen Theil der Gesellschaftweit gekommen war, das Fenstereinwerfen u. dgl. nicht mehr als eine Eige"ty^,Verletzung anzusehen, sondern als etwas selbstverständlich Erlaubtes, als einen u ^lichen und unbestreitbaren Ausfluß des PetitionS - und VersammlungSrechtS, ,Preßfreiheit und der übrigen Errungenschaften — konnten derlei Drohungen