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Hessen' Darmstadt. 48S
^ings ein großes Bedenken erregen. Gleichzeitig fiel die Zerstörung der Taunusei-lenbahn durch Proletarier aus Kassel und Mainz. Die armen Teufel, welche doch^vol blos blinde Werkzeuge gewesen, wurden hart bestraft; den eigentlichen Veran-kern des Frevels konnte^ daS Gericht nichts anhaben. Wie die Bauern in ihrem«ortschrittsdrange meist höchst reactionair verfuhren, so auch diese armen Arbeiter,Welche, wie überall in Deutschland, der Freiheit den größten Dienst zu erweisenDankten, indem sie den mächtigsten Hebel derselben, die Maschinen, zerstörten. Dieihrem Erwerb gefährdeten Lohnkutscher zwangen gar das Postamt, die Fahrpost.erbindung zwischen Worms und Alzei auf längere Zeit einzustellen!
Im Gegensatz zu dem radicalen Geiste, welcher bald in Rheinhessen auch bei!"iern großen Theile des Bürgerthums durchbrechen sollte, zeigten sich die Provinzen^berhessen und Starkenburg weit mehr conservativ. Namentlich in der WetterauMlt eS der republikanischen Partei sehr schwer, Wurzel zu fassen. In OberhesseneS vorgekommen, daß Volksversammlungen abgehalten werden sollten, welche ausMangel an Volk nicht zu Stande kamen, und obgleich dort in den kleinern StädtenMancherlei demokratische Agitation nicht vergebens sich abmühte, erklärten doch dieDauern auf einer Volksversammlung bei Großenlinden ganz bündig, daß sie ihren^roßherzog lieber hatten als den Herrn Professor Karl Vogt. Die hessische Verg-ieße hielt sich damals, wie auch später, von den aus dem badischen Nachbarlandeornrnenden Einflüssen wenigstens den Thatsachen nach frei. Auf einer großen Volks-brsammlung zu Reisten bei Weinheim am 9. Apr., wo man bereits bewaffnetelnnrischung der badischen Republikaner, jedoch, wie es sich zeigte, grundlos sürch-wurde nach damaliger Art über die Frage, ob die Versammelten Republik oderMonarchie haben wollten, abgestimmt. Wiewol aber von Manheim aus verschiedeneEpublikanische Hauptredner ins Feld geführt worden waren, stimmte doch die große^hrzahl von nahebei 7000 Leuten für die Monarchie. Die hessischen Soldatengelten sich in dem Heckerputsch bekanntlich ganz wacker, und wurden, als sie amMai wieder heimkehrten, in Darmstadt mit Jubel empfangen.
^ Ein ganz anderes Bild bietet Rheinheffen. Bereits am 22. März waren intaiiiz Conflicte zwischen Bürgern und preußischen Soldaten vorgefallen. Der Mit-und sein neuer Minister mochten den Einfluß dieser Provinz und ihrer poli-lchen Stimmung wol in Anschlag gebracht haben, als sie am 23. März eine ge-^usame Reise nach dem hessischen Rheinland antraten. Der Eindruck dieses SchrittesUnd Lochst günstiger, wie denn überhaupt die Persönlichkeit des Erbgroßherzogsh. Gagern's, zu denen in diesen stürmischen Tagen das halbe Land deputations-^ gezogen kam, ihre Wirkung nicht verfehlten.
. 3ui Anfange April begann man in Rheinhessen mit der Organisirung demo-v "scher Comites. Den ersten äußern Anlaß zur Unzufriedenheit gab der BeschlußU)- jammern, demzufolge nach indirecter Wahlart zum deutschen Reichstage gewähltsEe. Erwägt man, daß bis dahin ein dreifach indirecter Modus in Hessen-ry^.stadt zu Recht bestanden hatte, indem bei den Landtagswahlen zuerst „ Bevoll-die „Wahlmänner", und dann diese erst wiederum den eigentlichen Ab-bei d wählten, so wird man ein geheimes Grauen gegen jegliche indirekte Wahlartsty.tr Bevölkerung wol sehr begreiflich finden. Zitz kehrte am 15. Apr. vonDarm-^ "ach Mainz zurück und erklärte, daß er in der darmstädter Kammer nichts^ thun habe, weil man dort den indirekten Wahlmodus beschlossen. Er werdesvf^!" auch nicht mehr nach Darmstadt zurückgehen. In Folge dessen ward er„Oberbefehlshaber der Mainzer Nationalgarde" erwählt. Den Ausruf^üpf/^Eien Bürgers von Mainz", welcher in Folge der an obige Vorgänge sichAgitationen zum Zug nach Darmstadt aufloderte, die Kammer verhöhnte^"ister herunterriß, ließ Gagern, Friedrichs des Großen bekanntes Der-ber Nachahmend, „zur allgemeinen Kenntniß" ganz einfach im ofsiciellen Theile^al-Darmstädter Zeitung" abdrucken. Bemerkenswerth ist es übrigens, daß da-' aum Monatsfrist nach seinem Amtsantritt, das Ministerium Gagern von re-