Band 
Fünfter Band.
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49V Hessen - Darmstadt.

puritanischer Seite bereits stereotyp als ein „reactionaires" bezeichnet wurde. Na-mentlich konnten eS die rheinhessischen Radikalen nicht verschmerzen, daß ihr opposi-tioneller Landtagscandidat,. nun er Minister geworden, so gar keine Opposition mehrmache! Das „Bürgercomite" in Mainz hatte sich zu einem förmlichen Wohlfahrt^ausschuß ausgebildet. Am 25. Apr. beschloß dasselbe: es achte sich für befugt undverpflichtet, in allen Fällen „beschließend" einzuschreiten, wo ihm dies „durch dasöffentliche Wohl gefedert" erscheme. Weil es directe Wahlen für allein vernunft-gemäß ansah, ward der Beschluß gefaßt, auf eigene Faust, und der Regierung undden Kammern zum Trotz, directe Wahlen für die Nationalversammlung zu veran-lassen! Später erläuterte man dies, die darin ausgesprochene offene Auflehnungwohl einsehend, in Nichtbetheiligung am Wahlact; zu allerletzt gab man auch nocheinen Schritt weiter zu und — wählte. Dieses „Bürgercomite'" löste sich übrigensrasch wieder auf, als die republikanische Sache in Baden so schlechten Erfolg gt'Wonnen hatte.

Die fortwährenden Reibungen zwischen einem Theile der Bevölkerung von MainKund den dort garnisonirenden Bundestruppen, namentlich den preußischen, führte"am 22. Mai zum offenen Straßenkampfe. *) Der äußern Gewaltthat ward für de"Augenblick Einhalt gethan, und vielen Einwohnern, die das vergessen, die eige"Hthümlichen Ausnahmeverhältnisse der BundeSsestung auf eine erschreckende Weise i"sGedächtniß gerufen; die innere Erbitterung der beiden sich befehdenden Theile koM^aber weder durch die Maßregeln des Festungsgouvernement noch durch die ^schlösse der Nationalversammlung weggetilgt werden. Vielmehr gährte der Groll ^gen die preußischen Soldaten fort durch die ganze Revolutionszeit, und wenn *auch nicht zu so gewaltthätigem Ausbruch kam, so suchte er sich wenigstens in za"losen kleinen Neckereien und Anfechtungen Luft zu machen.

Weil es innerhalb des Festungöberinges nicht mehr wohl anging, so hielt ^inzer Demokratie am 11. Juni eine große Volksversammlung in dem nahen

mamzer

säuischen Städtchen Hochheim ab, wo die ersten jener später obligat gewordenen ^ ,höhnungen des deutschen Parlaments aus dem Munde von Zitz die Pointe desbildeten, während Bamberger aus Mainz die Verbrüderung des Militair- und 2) ^gerstandes mit zwei betrunkenen hessischen Soldaten auf der Nednerbühne symbollveranschaulichte. g,j-

Die mainzer Bevölkerung, bei welcher noch die Tradition einer in frühern,,^.,ten durchgeführten selbständigem politischen Rolle lebte, konnte sich, soweit sieHaupt dem politischen Fortschritte ergeben war, nie recht in die neue Lage der ^hängigkeit von Darmstadt finden. Es ist daher wol erklärlich und verzeihlich,..^,sich das politische Treiben, namentlich der demokratischen Partei, häufig einemmaße des Unabhä'ngigkeitsdranges hingab. Ein Wahrzeichen davon war es/ ^neben dem Abgeordneten Zitz auch die rheinhessischen Abgeordneten Mohr,und Grobe aus der darmstädtischen Kammer trotzend austraten, weil es dortnach ihren Wünschen ging. Humoristisch zeigte sich dieser überschäumende ^des Unabhängigkeitsgefühls in einem Verfahren, welches der mainzer demokra..^Verein im Juni 1848 einschlug, als eben die Verhandlungen des Reichstagdie provisorische Centralgewalt die allgemeine Aufmerksamkeit aussichzogen.

Verein drohte nämlich in einer Adresse an den Reichstag, falls der AMragmann's durchgehe, solle der mainzer Neichstagsdeputirte unverzüglichund der Beschluß der frankfurter Versammlung für null und nichtig erklärtKeine andere Großmacht wagte damals noch, in solchem Tone mit demzu sprechen! . ^

Es währte lange, bis eine gemäßigtere Partei in Mainz und Nhemyen^ e»"zu organisiren vermochte, während neben dem radicalen Extrem sogleich a

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*) Diese traurigen Scenen find bereits in dem Artikel: „Die mainzer Vorgänge vo^p.1848", im ersten Bande der „Gegenwart", S. 121—438, geschildert worden.