492 Hessen - Darmstadt.
des darmstädter Ministerium- ausspreche, und hielt dagegen den Begriff der Volk-'souverainetät ft ?. wie er ihn, als nur dem künftigen Parlamente einwohnend, gefaßtwissen wollte, ^epel veröffentlichte bald nachher ein Promemoria, worin er unterAnderm in Betreff seines Antrags auf Mitwirkung der Regierungen beim Verfas*sungswerke sagt: „ES gehört eine eigene staatsmännische Scharfsichtigst dazu, umeinen Dualismus zwischen Regierung und Volk da zu sehen, wo verlangt wird, si*sollten Hand in Hand gehen, weil ihre Interessen jetzt identisch seien. Wol aberwird der Dualismus geschaffen, wenn man die Regierungen ausschließt vom Bauam Verfassungswerke, sie nicht mit zu Rathe sitzen lassen will, oder gar beabsichtigt,statt offen, frei und muthig ihre Mitwirkung in Anspruch zu nehmen, sie verstecktin den heimlichen Gemächern mitwirken zu lassen."
Überschaut man jetzt die traurigen Resultate, vergegenwärtigt man sich die end*losen Wirren, welche durch das geheime Mitwirken der, als Lepel sein Separatpro*tokoll niederschrieb, noch sehr fügsamen und geschmeidigen Regierungen entstand^sind: dann mag man wol eine Weile an jeglicher Vorschauenden Staatsweisheit irre*werden, und sich zweifelnd fragen, wer denn nun eigentlich durch den Erfolg gerecht*fertigt sei — Lepel oder Gagern?
Der alte Landtag und die Agitation für dessen Auflösung; Versammlung auf dem Kranichsteik"Iaup's Programm und praktische Geschaftßthätigkeiti die Septemberunruhen; das neue
Wahlgesetz.
Die Freunde Gagern'S brauchten insofern keine Beso^gniß bei seinem Rücktrittzu hegen, als mit Sicherheit vorauszusetzen war, daß das neue Ministerium in s^nem Sinne gebildet werden würde. So geschah es auch. In einem provisorisch^Cabinet hatte Finanzminister Zimmermann den Vorsitz des Gesammtministeriuwübernommen, Geheimrath Hallwachs die Geschäfte des Hause- und des Äußern,genbrodt die des Innern. Am 4 6. Juli ward Heinrich Karl Jaup zum Minis"des Innern mit dem Vorsitz im Gesammtministerium ernannt. Der GroßherK^Ludwig II. war am 16. Juni gestorben, und der bisherige Erbgroßherzog-Mitreg^hatte als Ludwig HI. den hessischen Thron bestiegen.
Inzwischen richtete sich die öffentliche Aufmerksamkeit vorwiegend auf die Kal?mern. Fast nirgend sonst in Deutschland hatte, wie in Darmstadt, ein Landtag!seiner vormärzlichen Zusammensetzung die Märzkatastrophe überdauert. Hier wie 'Baden war daher durch das fortdauernde Zusammenbleiben der alten KammerOpposition eine bedeutende Angriffswaffe in die Hand gegeben. Die erste KaM^hatte zwar den Beschlüssen der zweiten nachgeben gelernt, Mitte Juni sich auch ^lich entschlossen, Öffentlichkeit ihrer Sitzungen einzuführen- allein in der ganzen ^ihrer Zusammensetzung widersprach sie doch der wirklichen politischen Anschauung ^Zeit, und auch die zweite Kammer hatte durch ihre Beschlüsse, wie wir bei vÄustritt der vier Rheinhessen bereits gesehen, keineswegs die Gnade der Radic^gefunden. In der zweiten Kammer selbst ward, ganz wie in Baden, stite^Linken auf Auflösung gedrungen und die „Berufung einer constituirenden Versa^.^,lung** zum Losungswort gemacht, welches rasch von den Scharen derganzen Lande weitergerufen wurde. Die Agitation wuchs zu solcher Heftigkeit, -sich der Großherzog veranlaßt sah, am 6. Juli ein sehr entschiedeneserlassen, worin er über die Erfüllung der Märzverheißungen Rechenschaftaber auch strenge Aufrechthaltung der Ordnung gelobte. In der MitteMonats ward in Mainz für eine Riesendeputation geworben, welche aus Rheu^.^,nach Darmstadt gehen sollte, um persönlich der Federung einer hessischen confl ^renden Kammer Nachdruck zu geben. Di- k-r Demokratie
Die Hoffnungen der DemokratieWirken des Parlaments in ihrem Sinne waren damals gebrochen durchfung der Provisorischen Centralgewalt und die Erwählung des Erzherzogs-um Reichsverweser. Die Freiheit, welche man bei den Vertretern derder nationalen Einheit nicht finden konnte, .^cbte man jetzt bei dem Partikular