Hessen-Darmstadt. 493
ganze Eifer der Demokratie, der sich bisher auf die deutschen Zustande gewor-bn, begann sich nun in das Detail der Kleinstaaterei einzuwühlen. Daher jetzt die-in so vielen La'ndchen wiederholte Ruf nach constituirenden Versammlungen en^misturs, die neben dem deutschen Parlament entweder nur ein sinnloses Possen-oder — eine Gegenmine sein konnten! Durch diesen Ruf nach constituirenden^ersarnmlungen wurde dem spätern Particularismus der Fürsten die Brücke gebaut.Andererseits muß man nicht verkennen, daß die Federung, den alten darmstädtischenLandtag endlich einmal aufzulösen, ihr gutes Recht sürsichhatte; denn diese nach demalten System gewählte Versammlung konnte, so willig sie sich auch in die Zeit zuUen suchte, doch füglich nicht mehr für eine Vertretung des hessischen Volks gelten.
es freilich vorn geschäftlichen Standpunkte aus praktisch erschien, damals neueZahlen auszuschreiben, ist eine andere Frage.
Die Männer der frankfurter Linken wußten die durch das fruchtlose Verlangen^ach einer constituirenden Versammlung hervorgerufene und stets wachsende Aufregung.ohl zu würdigen. Wir begegnen den bekannten agitatorischen Persönlichkeiten jetztÜberall auf Missionsreisen in der Wetterau, in Starkenburg und am Rheine. Einltankfurter Parlamentsmitglied mußte bei jeder im Umkreis einer Tagereise von Frank-st abgehaltenen Volksversammlung das Tüpfelchen aufs I sehen. Es sind so vielesicher über das Parlament erschienen, aber man hat meines Wissens diese originelle^"ssionsthä'tigkeit einer ganzen Reihe von Abgeordneten, die sich vortrefflich zum8enreartigen Ausmalen eignet, noch nicht so recht im Einzelnen dargestellt. Und
war sie von ungeheurer Wirksamkeit auf die umliegenden Kleinstaaten, und bil-"e gleichsam das radicale Widerspiel zu dem rkichspolizeilichen Hexenbann, welcherUmkreis von fünf Meilen um die Parlamentsstadt gezogen war zur -Einschrän-,!^g der Volksversammlungen. Der hessische Bauer, der auf den radicalen Wort-^hrer aus seiner Gegend nur mit Mistrauen hörte, zog vor dem apostolisch umher-E^nden Parlamentsmann in heiliger Scheu seine Kappe und nahm dessen Worte6 ein Evangelium hin, denn der Bauer ist der ärgste Autoritä'tsmensch und will,ihm eine Autorität gegenübertrete. Wo blieben die Männer von der Rechten,den nicht unwürdigen Kampf mit ihren Collegen nicht nur im Sitzungssaal,^dern buchstäblich auch „im Felde" aufzunehmen?
^ Am 23. Juli sollte eine große Volksversammlung auf dem Kranichstein beiH^wstadt erhalten werden. Man erwartete, daß hier die Frage der constituirenden2 ^Mmlung zur Entscheidung gedrängt würde. Aus Rheinheffen sollte bedeutender^^8, Zih an der Spitze, eintreffen. Er erschien. Von Darmstadt aus war vor-HjA^eise die conservative Farbe vertreten. Allein die Parteien ließen sich gegenseitigVla/ Worte kommen. Unter der Streitfrage, wer den Vorsitz führen solle,stak der ganze Congreß auseinander. Der alte Groll der Rheinhessen und Darm-^ gegeneinander ließ sich nicht verhalten: er brach durch, und Zitz, der überhauptGelegenheiten in der trotzigen Demonstration des Davonlaufens seine Stärkei^e, mit seinen rheinhessischen Turnern ab, ehe man nur eigentlich zur Eröff-stch? ^ Versammlung hatte kommen können. Bei dem Abzug von dem „ungast-beÄ Boden" wurde zugleich die Rednerbühne zerstört, und die so erwartungsvollUßte Versammlung zerflatterte wie eine Seifenblase.
^sfi^ ? folgenden Tage legte der neue Minister Jaup der zweiten Kammer inRede sein Programm vor. Die Märzverheißungen sammt Dem, waSder hessischen Verfassung zu Recht besteht, ist für ihn Maß und Richt-. sodann aber auch die Nationalversammlung und die in ihr dargestellte^be der Nation. Gegen die sofortige Auflösung der Kammern und die
^ts^flwg einer constituirenden Versammlung spricht er sich aus, da hierdurch dem^^auiente vorgegriffen und ein landständischer Particularismus, der inh>o cy und Preußen allerdings eine Sache der Nothwendigkeit gewesen, in Hessen,r webt Noth thue, begründet werde. Der Minister schließt mit den Worten:ange oder so kurz ich an dieser Stelle stehen werde, wird mein Grundsatz