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tung" statt mit dem Abcbuche ihre barfüßigen Studenten heranbildeten, so istdas eben gar nicht auffallend. In einer solchen Atmosphäre mußten Zustände w^die kirchbrombacher naturnothwendig von selbst zur Reife kommen. Wodurchhatte sich denn die hessische Landeskirche irgendwie volksthümlich gemacht, daß dasAustreten von so bedeutenden Volksmassen, wie es nachgehend gekommen, so etwasganz Unbegreifliches wäre? Nicht einmal der erste entscheidende Schritt der Kirchebrombacher konnte überraschen. Am 12. Juli 1848 war zu Salzhausen schoneine von ungefähr 80 geistlichen und weltlichen Theilnehmern besuchte „allgemeineKirchenversammlung" abgehalten worden. Die active Betheiligung eines Juden andieser „Kirchen"-Versammlung hatte man als ein erfreuliches Zeichen begrüßt, undein Theil der Versammlung schloß sich zu einem Vereine zusammen, der die Denwirklichung der Religionsfreiheit hauptsächlich in der Vernichtung jedes consessionelleNUnterschieds und in dem Ausgeben einer besondern Landeskirche fand. Man warhier nur bei dem Worten stehengeblieben: in Kirchbrombach schritt man zur That.
Hinter der kirchlichen Agitation lugte die politische hervor. Die Demokratie,allmälig in allen Positionen geschlagen, flüchtete sich zuletzt auf das kirchliche Gebiet.Der Erfolg war hier ein günstigerer. Selbst der veroerblichen Halsstarrigkeit derkirchbrombacher Bauern lagen social-politische Motive, wenn auch nur in gaU)roher und dunkler Form, zu Grunde. Hier ist der Scheidepunkt zwischen der fr<^kirchlichen Bewegung vor und nach der Revolution. Der frühere Deutschkatholicisnn^und das Lichtfreundthum zielte auf einen dogmatisch-doctrinairen Umschwung ab, damoderne Freikirchenthum auf einen social-praktischen. Der Deutschkatholicismus, vo"einer kirchlichen Polemik ausgehend, spielte nur auf das politische Gebiet hinüber*das Freikirchenthum stellt sich mit beiden Füßen auf dasselbe und hält nur noch ^.!religiöse Maske vor. Die Reformer von 1845 wollten nur Freigebung des relig^sen Bekenntnisses; die moderne Demokratie will Befreiung von dem religiösenkenntniß. Religionsfreiheit ist ihr Befreiung von der Religion. Um wieviel ^kirchlichen Zustände Hessen-Darmstadts zurückgeblieben waren hinter den fortschreite"den politischen Entwickelungen dieses Staats, um soviel leichter ward es derlerei, aus kirchlichem Gebiete Erfolg zu finden als auf politischem. So rächteeine Stabilität des Kirchenthums, welche in Hessen volle 80 Jahre auf dem i""lichen Standpunkte stehen geblieben war, und in einer ungehinderten Verknöchertden ungehinderten Fortschritt fand. §
Aber nicht blos von demokratischer Seite erhielt der alte vulgaire Nationalist^,des Oberconsistoriums einen bedeutenden Stoß. Auch im conservativen Lagerin den letzten Jahren die Abtrünnigkeit von der officiellen StaatStheologie in t ,merkwürdigen Weise. Die Zahl der strenger kirchlichgesinnten Theologen in
stieg rasch von etlichen auf etliche und sechzig, und diese wagten es sogar,tungen zu gründen, in Conferenzen zusammenzukommen, ein Nettungshaus ^sittlich verwahrloste Kinder zu stiften und einen allgemeinen hessischen Deret >innere und äußere Mission, ja selbst ein großes Missionsfest in dem demokraMNheinhessen abzuhalten. Die Anwesenheit des bekannten begeisterten Missionare" FWichern vom Rauhen Hause bei Hamburg in Darmstadt ließ einen tiefenzurück, wie das noch wenige Jahre vorher eine Unmöglichkeit gewesenes geschah das ganz Unerhörte, daß eine Landgemeinde bei Laubach um Dest?^.ihrer erledigten Pfarrstelle mit einem „ gläubigen und bekenntnißtreuen "
Neben einem „Lutherischen Kirchenblatt", welches die puristischere Richtungentstand seit dem Beginn des Jahres 1850 ein anderes kirchliches Organ, die ^ ;,itisch-kirchlichen Blätter", von einem Kreise jüngerer Theologen herausgegeben ljene die Theologie mit dem gesammten politischen und socialen Leben der ^a olle"Verbindung sehende Richtung einschlagend, welche Hundeshagcn in seinem gen ^Buch vom „Deutschen Protestantismus" so epochemachend ausgeschlossen ha -man sieht, hat also auch hier die freiere Entfaltung des öffentlichen r.e