Band 
Fünfter Band.
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504
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Hessen-Darmstadt.

bairischer Truppen in der «»beschützten Grenzstadt ein, besetzten die Kasernen, legtensich bei den Bürgern ins Quartier, terrorisirtcn dieselben nicht wenig, und zwangen20 Mann hessischer Truppen, die in Worms gelegen hatten, die Reichsverfassung zubeschwören. Sie wurden aber bald durch die Hessen unter Oberst von Weitershausenwieder vertrieben, welche vom jenseitigen User her die Stadt zu beschießen begannen.Der damit correspondirende Einfall ins birkenauer Thal ward bekanntlich gleichfallszurückgeschlagen. Weil aber auch die Neichstruppen WormS nicht dauernd besetzenkonnten, so dauerte das Ab- und Zuziehen der pfälzischen Freischarcn in dieser Stadtfort bis zum 13. Juni, wo preußische Truppen von dem ArmeecorpS des Prinzenvon Preußen daselbst eintrafen und der Sache ein Ende machten.

Die Treue und Ausdauer der hessischen Soldaten in den Kämpfen an der Berg'straße gab dem durch ihre Proklamationen hervorgerufenen Eindruck erst die rechteKraft. Der neu bewahrte hessische Kriegsruhm fand im ganzen Lande einen hellenWiderklang. Eine wetterauische Gemeinde, Södel, beschloß, jedem Soldaten aus ihremOrt, der zum Kampfe gegen die Badener mit ausgezogen, eine Unterstützung von20 Gulden zu senden. Andere Gemeinden folgten diesem Beispiel. Eine Geldsamw'lung zu Gunsten der verwundeten Soldaten lieferte einen ganz unerhörten Ertrag'derselbe stieg nahe bis zur Summe von 30000 Gulden. Auf eine höchst ehrenvolleWeise gab der Großherzog seine Theilnahme für die treuen Soldaten kund. Er er'ließ nämlich am 9. Juni einen Amnestieact zu Gunsten der durch die Militärgerichtezu Festungsstrafe Verurtheilten; und zwar — so besagt die Urkunde — habe sichder Großherzog zu dieser Gnadenerweisung bewogen gefunden „durch das brave Be*nehmen der hessischen Truppen in den bisherigen Kämpfen, wodurch dieselben derGeschichte der hessischen Kriegertreue und Tapferkeit ein neues Blatt beigefügt".

Fragt man nach den Ursachen, durch welche die feste Haltung der hessisch^Soldaten in so schwieriger Lage bedingt wurden, so finden wir, daß in Hesscnla^der Soldat von dem Fürsten von jeher ganz besonders gepflegt und bevorzugt werde"ist, ja daß sich häufig eine ungebührliche Bevorzugung und Soldatenspielereiweisen läßt, fast nirgend aber Vernachlässigung des MilitairS. Die hessischen Ow*ziere gelten im Durchschnitt für sehr freundlich gegen ihre Mannschaft, und die Dienst'einrichtungen für mehr praktisch als glänzend. Der letzte Punkt trägt überall am meiste"zur guten oder schlechten Stimmung des HecreS bei. Dagegen war es bisher ei"großer Mangel im hessen-darmstä'dtischen Soldatenwesen, daß sich jeder nur halbwegsBemittelte gegen eine sehr geringe Einstandssumme von der persönlichen Ableistn"^der Militairpflicht loskaufen konnte. Es will viel heißen, wenn durch diesen einzig^Umstand schon ein Heer nicht geradezu entartet. Dagegen ist aber der alte hist^sehe Kriegername der Hessen gar hoch in Anschlag zu bringen. Sie selbst behauptwenigstens, andern minder schmeichelhaften Erklä'rungsarten zum Trotz, daß sie ^ihrer blindlings auf jeglichen Feind losstürzenden Tapferkeit willen von altersher ^blinden Hessen geheißen seien. In ganz ähnlichen schwierigen Verhältnissen wie "Frühjahre 1849 standen die hessischen Kriegsknechte vor 300 Jahren den Scha^des Thomas Münzer gegenüber, wiesen die Verführung zum Aufstande ab, undgen die Aufständischen nieder in der Schlacht bei Frankenhausen. Sie wendetenmalS die Überflutung des deutschen NordwestenS durch die erste große social-de"^kratische Empörung des Bauernstandes ab, wie zu unserer Zeit den ersten Anp^einer ähnlichen Flut von der Mitte deS westlichen Deutschland. Aber wie §

kleiner ist in den drei Jahrhunderten die politische Macht desselben Gesammt-H^U.^geworden, welches beide male schützend an seinen Grenzen stand: zu Münzer's ^fast eine deutsche Großmacht! Auch in die neuern Epochen steigt der Waffe"U^der Hessen herauf. Ihr geordneter Rückzug aus Rußland und, mit der franzosi!Armee, nachgehend aus Schlesien, ihre tapfere Gegenwehr in der Schlacht bnzig sind noch in frischem Gedächtniß. Solche Überlieferungen wirken unendlich .Sie fehlten z. B. dem, wie eS sich auSwieS, in sich selbst haltlosen Truppes §gent des Großherzogthums Baden, weil es nur ein Land Baden und kein da