Band 
Fünfter Band.
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506 Hessen - Darmstadt.

eine ganze Reihe der entschiedenen Schüler herangezogen hatte, die großenthcils auchbei den Staatsgeschä'ften eine bedeutende Stellung einnahmen. Diese günstige Stim-mung für den Gagern'schcn Bundesstaat ist auch bis auf den heutigen Tag bei derkonstitutionellen Partei die vorherrschende geblieben: eine großdeutsch-conservative Mich'tung prägte sich erst später bei einem Theile der rheinhessischen Ultramontanen aus-

Hessen'Darmstadt zögerte ziemlich lange in Betreff des Beitritts zum Dreiko-nigsbündniß. Als derselbe endlich erfolgte, sollte die Zustimmung der noch nicht zu-sammengetretenen Kammern nachträglich eingeholt werden. Der neue Landtag konnteerst am 28. Dec. 1849 eröffnet werden, aber die Wahlen waren so radical ausge-fallen, daß er von allen Seiten sogleich mit Todesprophezeiungen begrüßt wurde-Der Reichsregent Vogt und Wilhelm Schulz, Beide in der Schweiz flüchtig, AugustBecker, der Redacteur des „Jüngsten Tages", Paulsackel, ein demokratischer Schul-meister aus Nheinhessen, Müller-Melchiors und Andere wurden zur zweiten Kaminsgewählt, Mohr aus Oberingelheim gar zur ersten, die übrigens ihrer Mehrheit nachnicht oppositionell war. Der Ausfall dieser Wahlen (nach dem neuen Wahlgesetze)und die Haltung des aus ihnen hervorgegangenen Landtags erregte bei furchtsame"Gemüthern einen solchen Schrecken, daß das Ministerium nachgehend nicht nur vo"Einzelnen, sondern selbst von constitutionellen Vereinen förmlich und öffentlich darlU"angegangen wurde, ein neues Wahlgesetz zu octroyiren. Jaup dachte aber constit"'tionell genug, um auf dieses Ansinnen nicht einzugehen.

Im Äußern stach freilich die Haltung der radicalen zweiten Kammer grell avgegen Das, was man bisher in Hessen bei so demokratischen Versammlungen zu seh^gewohnt war. Eine außerordentliche, sorgfältig studirte Mäßigung in den Forme" ,charakterisier sie; kein Schelten und Poltern, kein Jnterpellationßsturm, keine drü^lichen Anträge, kaum einige gereizte Scenen, kein eigentlicher Skandal. Die wil^Kämpen der Revolution schienen mit einem male ganz zahme Diplomaten gewor^zu sein. Man konnte in bitterm Spott die Frage auswerfen : wozu man denn ^gentlich so radicale Vertreter gewählt habe, wenn sich dieselben nicht einmal leideschaftlich betragen wollten? Allein es lag der Kammer Alles daran, in diesen e"scheidenden Tagen nicht ausgelöst zu werden, und man kann sagen, es ward dcMinisterium in der That recht sauer gemacht, mit dem Auflösungsdecret heraus-rücken. Die Eröffnungsrede war dem voraussichtlichen Glaubensbekenntniß derheit der Kammer scharf entgegengetreten: sie hatte derselben förmlich den Fehdeha"schuh hingeworfen. Die Kammer beschloß, allem bisherigen Brauch zuwider, ^Antwortsadresse abzufassen. Das Ministerium hatte eine Steucrverwilligung ^sechs Monate gefedert; die Kammer gab nur drei Monate zu. Dabei klang e S .ein offener Hohn, wenn Mitglieder der oppositionellen Mehrheit fortwährendcherungen ihres Vertrauens gegen Jaup abgaben, da doch dieselbe Partei seit 3 ^und Tag Alles aufgeboten hatte, diesen Mann zu stürzen. Vier zu Abgcordm^Erwählte waren vor Beginn des Landtags verhaftet worden. Müller-Melchiors ^^auf diesen Fall die Gesetzesstelle angewendet wissen, wonach die Kammer dashat, ein während der Sitzungen verhaftetes Mitglied auf freien Fuß setzen zuund die Mehrheit zollte dieser Auslegung Beifall. Ja mehr noch: daS Verfahre" g-Gerichte, welche jene Verhaftungen angeordnet, wurde von der Kammer für verfall ^widrig erklärt. In der deutschen Frage schlug man ganz dasselbe System desven Widerstandes ein, welches überhaupt den Charakter dieser merkwürdigen K" ^bildete. Das Ministerium hatte die Zustimmung der Kammer für den BeitN rDreikönigsbündniß einzuholen. Man widersetzte sich anfangs der Wahl deS Z" Ja-orterung der Sachlage zu ernennenden Ausschusses, und verzögerte dann desse -Her-sammensehung soviel als möglich. Nachdem das Ministerium die Actenst",^ ^sel,liefert hatte, ward die Sache abermals verschleppt. Zum offenen Kampfebeide Parteien in ihrem tiefsten Leben berührenden deutschen Frage sollte e l ^terdings nicht kommen, und Jaup sah sich endlich zu der Erklärung 6"" "werde hier jedes weitere Hinausschieben der Entscheidung einer Verwerfung 9