Band 
Fünfter Band.
Seite
507
JPEG-Download
 

Hessen - Darmstadt. 507

müssen. Da erfolgte endlich am 21. Jan. 1850 die Auslosung deS Landtags.^ Motiv derselben ward von Seiten der Regierung geltendgemacht: die von derSeiten Kammer ausgegangene einseitige Erklärung einer von den großherzoglichenGerichten innerhalb ihrer Competenz erlassenen Verfügung für Verfassungsverletzung,lowie die unverantwortliche Verschleppung der deutschen Frage. Als das Auflösungs-^cret verlesen war, hielt der Präsident Hillebrand verfassungwidrig noch eine An-fache an die zweite Kammer. Auf den Galerien hörte man den vereinzelten Ruf:

lebe die zweite Kammer! während eine große Zahl von Stimmen ergänzend hin-zufügte: Nicht! So endete dieser erste nach einem höchst freisinnigen Wahlgesetziusanimenberufene Landtag.

Die erste Kammer hatte dem Ministerium eine Jndemnitätsbill wegen seinesVorgehens in der deutschen Frage ertheilt. Eigens organisirte „Reichswahl-Vereine"^falteten ihre Thätigkeit zu Gunsten der Parlamentswahlen für Erfurt, sodaß man^ol eine großartige Betheiligung an denselben hätte erwarten können. Allein es kamanders! In'Darmstadt erschienen von 3157 Wahlberechtigten der dritten Steuer-busse nur 343, in Mainz von 4040 gar nur 161, um ihr Wahlrecht auszuüben.Hier und da hat in ganzen Abtheilungen ein Urwähler einen Wahlmann gestellt; ja^ sind Fälle vorgekommen, wo in ganzen Abtheilungen nur ein Urwähler stimmtezwei Wahlmänner sendete. Auf diese Ergebnisse berief sich nachgehend die hes-?>che Regierung als auf eine Volksstimme, da man ihr ein zögerndes Vorangehen^ der «monistischen Sache zum Vorwurf machte. Die gothaer Partei fühlte sich!!ufs peinlichste berührt von jenen Wahlvorgängen, denn gerade von Hessen-Darm-"udt ehalte man so etwas am allerwenigsten erwartet.

Überall finden wir jetzt Lahmheit und Erschlaffung. Nicht einmal die rhein-hessische Demokratie, die sich allmälig von dem pfälzer Schrecken wieder erholte, ver-mochte rührig zu bleiben. Vergeblich versuchte man in jeder Weise den Eifer fürle Sache rege zu erhalten. So sollten z. B. demokratische Gerichtssitzungen abge-ben werden, wobei freigewählte Schiedsrichter die bürgerlichen Streitigkeiten derParteigenossen zu schlichten hätten, damit dem Krebsschaden der Proccßkramerei ge-lauert würde. Zm November 1849 sollte die erste dieser Gerichtssitzungen im Bier-Zum Pflug in Mainz abgehalten werden; es fand sich jedoch Niemand ein,^ sich Recht sprechen zu lassen, denn man hatte vergessen, daß diesen Richtern ja

^ eigentliche Spitze jedes Nichteramts fehlte — die Gewalt der Vollziehung ihres

Peches!

. Eine. andere Hoffnung der Demokraten knüpfte sich an das Institut der Be-.rä'the. Diesem vom Volke gewählten Kollegium waren ungefähr dieselben Ent-hebungen in innern Verwaltungsangelegenheiten des Bezirks zugefallen, welche frü-d. obersten Kreisbeamten zugestanden hatten. Außerdem besitzt der Bezirksrathvbl- ^ einen tiefgreifenden Einfluß, daß ihm die Aufstellung der Geschworenenlisten

^ Uegl. Die Bezirksrathswahlen können daher unter Umständen von ebenso großer

Äscher Bedeutung sein wie die Landtagswahlen. Der erste rheinhessische Bezirks-fij? charakteristisch genug, Zitz zu seinem Vorsitzenden und Löhr zum Schrift-gewählt, woraus man auf die weitere Zusammensetzung des Kollegiums schlie-In der That dehnte dieser Bezirksrath den Kreis seines Wirkens zumMukf ""b, und brachte selbst allgemeine politische Fragen zur Debatte und Be-t-ge v^siuug, sodaß er mit Fug als ein Provinziall-mdtag neben dem hessischen Land-eichnet werden konnte. Man wollte mit der neuen Einrichtung die Souverai-Bezirksverwaltungen abschwächen und den provinziellen Particularismus^lr hatte aber in Wahrheit Beides noch mehr gekräftigt und ausgedehnt und^ Form gewechselt. Der Demokratie mußte es einleuchten, daß durch ge-herHandeln sämmtlicher Bezirksräthe eine Macht erzielt werden könne, w^l-

lch

ni-

)er

ch'

>ls.

ko-

litt

ge'

de.

ust

ul'

nel

ach

tzc)

neu

ooH

iw'

ab

he"

iicl'

ng'

den

den

ei'

>en'

clit'

dcl§

sz"'

eh?

,nd'

ci»'

elfi'

kah-

e--"o«"'e

se»,

d-l

ossi'

N'"

V'

a>l'

lb-r'

-st"

l--h'

^ den^ Ü^standen selbst der Landtag nicht die Spitze zu bieten vermöchte. Es

»bg^"'aemäß eine Generalversammlung der hessischen Bezirksräthe in Frankfurtund daselbst ein permanenter Ausschuß dieses Gesammtcollegiums gewählt