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Fünfter Band.
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Hessen-Darmstadt.

worden. Eine zweite Versammlung, welche am 27. und 28. Sept. 1849 zu Mainistattfinden sollte, wurde verboten. Die rheinhesfischen Bezirksräthe kamen trotzdemin dieser Stadt zusammen und protestirten gegen die Maßregel deS Ministeriums,freilich ohne Erfslg. Doch hatten sie durch ihr Bestreben, in der Generalversamimlung einen förmlichen zweiten Tesammtlandtag neben den eigentlichen zu setzen, ivt'nigstens Dies erreicht, daß die conservative Partei jetzt denselben Haß auf die Bt'zirksräthe warf, wie vordem die liberale aus die Kreisräthe.

Nur einzelne Wahrzeichen brauchen wir anzuführen, um überhaupt die verarmderte Stimmung und Lage in der letzten Hälfte des JahreS 1849 zu charakterisier^'Am 20. Aug. kehrte Gagern auf sein Gut bei MonSheim zurück, um wieder zu dem!"'ben Frieden ländlicher Thätigkeit einzukehren, dem er vor kaum anderthalb Jahren eilt'sagt hatte. Der Postdebit der im Jahre 1848 so außerordentlich verbreiteten „MainzOZeitung" sank vom zweiten zum dritten Quartal 1849 von 400 Abnehmern auf 20herab. In Darmstadt bildete sich ein „Preßverein" zur Forderung der guten Press'In dieser Hauptstadt selbst erschienen jetzt bereits vier conservative Zeitungen rMaußerdem in der Provinz Starkenburg noch zwei conservative Lokalblätter, währMsich in der ganzen Provinz nur ein einziges radicales Blatt, der „ Kirchenteufel ^erhalten hatte. DaS Ministerium entschloß sich nun allmalig, die der Stadt Mai^solange verweigerten Vergünstigungen eintreten zu lassen. Es versprach, den Lan^ständen den Vorschlag auf Übernahme der rheinhesfischen Eisenbahn zu machen, od^doch wenigstens die Ertheilung einer Zinsengarantie zu erwirken; die Vergrößert^des Winterhafens, die Herabsetzung des Brückengeldes ward in Aussicht gestellt. ^Mainz durch diese späten Versprechungen loyaler geworden, wissen wir nicht; Swiß aber ist es, daß die Haltung dieser Stadt eine ganz andere gewesen wäre,man sich in Darmstadt zur rechten Zeit zur Ertheilung solcher Zugeständnisse ss.

beigelassen hätte. Das ganze öffentliche Leben schien sich in eine Unzahl großer

und

kleiner politischer Processe aufgelöst zu haben. Die Assisenhöfe mußten eine auß^ordentliche Sitzung nach der andern anberaumen, um nur einigermaßen,, den Sch^der Geschäfte zu bewältigen und die Untersuchungshaften abzukürzen. Überallauf eine kurze Weile die Juristen Herr. In Heffen-Darmstadt reichten mehre g^in ganz Deutschland Aufsehen erregende Processe einander förmlich die Hand. ^zeigt sich dabei, daß die Wahrsprüche der starkenburgischen Geschworenen gegen,politischen Angeklagten durchschnittlich sehr streng ausfielen, die der rhcinhessii^äußerst gelind, während die der oberhessischen so ziemlich die Mitte hielten. öss.,,kam der Proceß gegen die Zerstörer der Main-Neckar-Eisenbahn (beim Struve s^Einfall 1848): er ward in Darmstadt abgehandelt und schloß mit einer langenschwerer Straferkenntnisse. Hieran reihte sich die Verhandlung gegen den des .tentats auf den Prinzen von Preußen beschuldigten Adam Schneider von JngcAsie fand vor den rheinhesfischen Assisen statt und endigte mit Freisprechung,kam unmittelbar nachher der große GLrlitz'sche Proceß. Auch dieser ward ausser,deS Gerichtssaals für eine politische Parteisache angesehen. Die Demokratendie Reminiscenzen der Struve'schen Anklage gegen den Grasen noch nichtsie erwarteten zermalmende Enthüllungen auS der Skandalchronik der hohen ^„jf,kratie; bis zum Ende lauerte man auf umfassende Bekenntnisse des Johannwelche dem ganzen Proceß ein verändertes Object, eine andere Richtung geben!

Die Bekenntnisse kamen nicht, Stauff ward verurtheilt. Mit gleich großernung wie die weitern Kreise aus Gründen der Wissenschaft dem Gang des ^ ^würdigen Processes gefolgt waren, hatte man in Hessen auS politischenEnthüllung der dunkeln That ins Auge gefaßt. Fast gleichzeitig ging die Alung der Mörder Auerswald'S und Lichnowky'S in dem benachbarten Hanau vwelche für die ganze Umgegend ein je nach der Parteifarbe anders ausgedeutelitischeS Ereigniß war. Daran knüpfte sich der Riesenproceß gegen die rhemy ^fttFreischärler. Selten nahm wol ein Proceß einen so großartigen Anlauf ^ g?ein so winziges Resultat wie dieser. Gegen 65 Männer war der Anklag