Band 
Fünfter Band.
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509
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Hessen -Darmstadt. 569

*^et, und wäre daS Interesse durch die unmittelbar vorhergegangenen großen Pro-nicht bereit- abgestumpft gewesen, so würde der in Rede stehende eine europäi-Ae Aufmerksamkeit erregt haben. Der Proceß endigte mit allgemeiner Freisprechung.Ast gleichzeitig wurde in Darmstadt der Proceß gegen die ehemaligen AbgeordnetenT^ohr, Hellmann und Bogen und gegen den verabschiedeten Oberlieutenant von Ro-ienberg geführt, wobei die Erstgenannten angeschuldigt waren, dem Herrn von Rosen-ein Empfehlungsschreiben an die provisorische Regierung in Baden mitgegeben^ haben u. s. w. Und hierzu denke man sich nun die überreiche Gruppe der klei-/u Hochverraths-, Majestät-beleidigung-- und Preßprocesse, welche allesammt imEhten Jahre zur Aburtheilung kamen: dann wird man wol diesen Zeitabschnitt amEsten als denjenigen bezeichnen, wo die Juristen der Revolution die Zeche machten.^ Im Frühjahre 1850 mehrten sich rasch die Anzeichen, daß die Politik Hessen-^arnistadts in der deutschen Frage eine andere Richtung nehme als man sie bei der^gemein verbreiteten Ansicht von der persönlichen Überzeugung Jaup's vorausgesetztMe. Großdeutsche Stimmen verkündeten auf das entschiedenste den Rücktritt Hessen-^arrnstadt- vom preußischen Bündniß als nahe bevorstehend. Auch die Gagern'scheWartet ward allmälig unruhig. Auf eine durch die Presse gestellte Anfrage hatte^ officielle darmstädter Organ mit der nichtssagenden Phrase geantwortet: „Männer,Elche der Regierung nahestehen, versichern, daß derselben eine höhere Auffassungeine nationale Entwickelung der deutschen Dinge nie fremd gewesen ist!" Eine^che Antwort war denn freilich schlimmer als gar keine. Ein von Reh verfaßterAufsah hatte dem Ministerium in ernsten aber gemessenen Worten die drängende/vthwendigkeit vorgehalten, in der Union zu verbleiben. Derselbe durfte in Folge"ieö Ministerialrescripts nicht in die officielle „Darmstädter Zeitung" aufgenommen^erden! Damit waren eigentlich Jedem, der sehen wollte, die Augen geöffnet, und^ ließ sich unter solchen Umständen nur noch die untergeordnete Frage stellen, ob. aup im Ministerium bleiben werde oder nicht? Eine Hinneigung zum engern An-§usse Hessen-Darmstadts an Kurhessen machte sich bemerklich. Was eine solche^nneigung gerade in dem Augenblick, wo Hassenpflug in das kasselsche Ministe-getreten, zu bedeuten habe, war auch nicht schwer zu errathen. Man sprach,lirk?^lich in würtembergischen und bairischen Blättern von den Planen einer form-en Vereinigung der beiden hessischen Linien, und phantasirte in Stuttgart undsch^chen bereits von einem neuen „Königreich Hessen". Es lagen mancherlei Wahr-iy^lichkeitsgründe vor. Die Nebenlinie Hessen-Kassels, Hessen-Nothenburg, warf^^hre 1834 ausgestorben; die Nebenlinie Hessen-Darmstadts, Homburg, ist gleich-ihrem Erlöschen nahe, denn der regierende Landgraf ist ein Greis und ohne6er. Der Kurfürst von Hessen hat ebenso keine successionsfähigen Kinder; derThronerbe, Prinz Friedrich, ist zugleich Erbe der dänischen Krone. Eine Ver-6 des gesammten Hessenlandes unter der jüngern, darmstädtischen, Linie überoder lang erscheint also ebenso wenig unwahrscheinlich als sie wünschenßwerth seinIm Anfange Mai reiste der Kurfürst von Hessen nach Frankfurt; er hattegeh..^e Zusammenkunft mit dem Großherzoge. Zweck derselben war, ein künftigesden Ln^Es Handeln in der deutschen Sache einzuleiten. Man einigte sich dahin,Mischen Vorschlägen zu einer Reform der deutschen Bundesverfassung auf6e der Verträge von 1815 vertrauensvoll entgegenzukommen. Bei dem mitlih ^Eii abgeschlossenen Separatbündniß vom Jahre 1849 hatte man sich ausdrück-ehalten, nur unter der Voraussetzung an dasselbe gebunden zu sein, daßbeid" Hannover gleichfalls dem Bündniß angehörten. Gleichwol beschlossen^ssischen Regierungen, von ihrem Vorbehalte solange keinen Gebrauch zu>^üts ^ d"rch die preußische Union die Verwirklichung eines deutschen Bundes-werde, nicht aber eine bloße Vergrößerung der preußischen Monarchie^als d Selbständigkeit der beigetretenen Einzelstaaten. Kurhessen zeigte eben^bej -b- ^Elt das Kunststück, wie man kräftig im großdeutschen Sinne operiren,r doch Mitglied deS Bündnisses vom 26. Mai bleiben könne. Der Groß-