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Hessen-Darmstadt.
herzog stattete dem Kurfürsten einen Gegenbesuch in Kassel ab. Seit 1628,Landgraf Georg H. von Hessen-Darmstadt den Landgrafen Wilhelm V. zu Kasse'besucht hatte, war kein regierender Fürst der jüngern Linie des Hauses zu Gast ar"Hofe der ältern Linie gewesen. In unsern Tagen, wo so Unerhörtes zusiandekaw,gleich als ob es sich ganz von selbst verstände, sollte die aus langen und schwere"Kämpfen übriggebliebene Entfremdung und Kälte zwischen den Häuptern beider Ll'nien auch weggcschmolzen werden; doch aber wol nur aus Furcht vor Dem, wa"an einem Fürstenhofe als aller Übel größtes angesehen werden mag — vor dem Aus'geben von einem Stückchen der theuern Particular-Souverainetät! Wenigstens wirdbehauptet, daß Ende Juni 1850 zwischen beiden Hessen eine Übereinkunft getroste"worden sei, derznfolge beide Staaten sich verpflichten, im Falle einer revolutionaire"Bewegung sich gegenseitig Beistand zu leisten und zu dem Ende 10000 Mann So''baten auf die Beine zu stellen. Es ist dies ein bedeutsame- Zeichen, daß man de*durch die Revolution wieder so nachdrücklich ins Gedächtniß gerufenen Abhängig^von Preußens Hülfe wieder quitt werden will, und auf dem Wege hessischer Einherauch die „hessische Selbständigkeit" wiederherzustellen sucht. >
Ein Provinzialcongreß der oberhessischen konstitutionellen Vereine suchte eben no^einmal gemeinsame Schritte zu Gunsten deS FesthaltenS am Bundesstaate zu vcra^lassen, als die Kunde von Jaup's Austritt aus dem Ministerium ihre osficicllestätigung fand. Ein Besuch des Königs von Baiern am darmstädtischen Hofedieser Entscheidung unmittelbar vorhergegangen. Der Territorialcommissar vonwigk aus Mainz übernahm das Ministerium des Innern. Er hatte früherWorms fungirt, wo er das Zutrauen der Bevölkerung gewonnen; dann in Mai"^wo ihn der grimmigste Haß der Demokraten verfolgte und in den stürmischen Zeitsseine sofortige Abberufung mehr denn einmal als der erste und unumgängliche Sch^zur Beruhigung der Stadt bezeichnet wurde. Im Mai 1850 war er als Vertatder hessen-darmstädtischen Regierung zu dem Congreß der Bevollmächtigten in Fr^fürt abgesandt worden. Es handelte sich jetzt nicht mehr blos um einen Perso',^Wechsel im Ministerium, sondern um eine Änderung des Systems. Die Gagernl^Partei erblickte in dem Äustritt Jaup's den Abfall vom engern BundeSstaat, ^es sollte sich auch bald zeigen, daß ihre Befürchtung gegründet. Den Haß g^.§die Person Dalwigk'S haben übrigens gemäßigte und unbefangene Männer keines^mit der rheinhessischen Demokratie getheilt.
Dieser Wechsel der Person und des Systems mag für unsere Mittheilung ^geeigneten Schlußpunkt gewähren. Was sich daran knüpft und bereits zu entw'^beginnt, hängt so sehr mit den allgemeinen deutschen Verhältnissen zusammen, ^es schon in der Darstellung dieser seine Stelle finden wird. Doch erlaube uns L,Leser noch einen kurzen Rückblick auf das Feld der Thatsachen, das wir soeben d''^schritten. Hessen-Darmstadt hat die jüngste große europäische Krisis in einer fr.chern Weise durchgemacht als die meisten andern deutschen Staaten. ES hat be' ^Durchführung so vieler neuer Staatseinrichtungen verhältnißmäßig kein großesgeld zu bezahlen brauchen. Ein großer revolutionärer Zündstoff war in derstreitenden innern Zusammensetzung seines Landesgebiets gegeben, und bei der drischen Eifersucht seiner Provinzen allem Anschein nach keine bedeutende Kralligmeinsamen Widerstandes. Aber die Tradition einer geordneten Staatsverw^ließ diesen Zündstoff seine Wirksamkeit verlieren. Die Reformen Ludwig's l., Diesie nachher verkümmert worden waren, ersparten dem Enkel die Revolution- _ inandrängende Bewegung ward durch Gagern und Jaup rascher als anderwar Kl-eine gewisse geschäftsmäßige Form gebracht und dadurch ihrer Gefährlichkeit c §§det. Als die erste Stunde der Gefahr vorüber, paralysirte sich der Conscrvader alten und der Naturalismus der neuern Landestheile gegenseitig: in dieser .„ei'selsweisen Abschwächung der Extreme mußte die Regierung fast stärker eN^ Sc<als sie wirklich war. Die geistigen Lebensmächte erkämpften sich unterdessen ^rechtigung, in ihrer freien Mannichfaltigkeit zu bestehen und zu walten u