Der preußische Heeresorgaitisrrius im Jahre 1850. 513
Wenn sich nun diese Cadres aus der Gesammtheit der Mannschaften, welche^hrer Dienstpflicht nachkommen, ergänzen, so ist damit die Wechselwirkung und der^nigste Verband unter beiden Bestandtheilen des Heeres gegeben. Es ist so jederÄnderung des Letztem von der Nation vorgebeugt; die immer neu zuströmenden Kräfte^tten aus dem Volk, aus allen seinen Standen und Lcbenssphären, erhalten das^eer in innigstem Contact mit des Vaterlandes Eesammtentwickclung. Dort das^.ftifisch Militairische, durch Standesschranken und Gesetze Abgegrenzte, hier das be-endig Lebendige, Mannichfaltige, Vielseitige: Beides in innigster Beziehung miteinan-der! In dieser Zusammenfassung war es möglich, das Heer als ein lebensfrisches,^thwendiges und gesundes Organ des Staatsorganismus hinzustellen und jedemAbsterben fernzuerhalten.
Diejenigen nun, welche im stehenden Heere bei jenen Cadres ihre militairischeErziehung erhalten, zerfallen, je nachdem sie sich freiwillig vor dem gesetzmäßig noth-bndigen Termine bei einem beliebigen Truppenteile zur Ableistung ihrer Dienstpflichtholden, oder erst mit vollendetem zwanzigsten Lebensjahre durch die betreffenden Be-iden ausgehoben werden, in Rücksicht ihres Alters in zwei verschiedene Kategorien,^Freiwilligen und die Ersahmannschaften. Was die erstem betrifft, so ist der frei-Eintritt Jedem, der die Erlaubniß seiner betreffenden Angehörigen, sowie ein gutesMrungsattest beibringt, vom siebzehnten bis zum zwanzigsten Jahre gestattet. Durch^scn verfrühten Eintritt ist es möglich geworden, einen großen Theil der Übelsta'ndeo? beseitigen, welche mit den Störungen verbunden waren, die durch die Heran-?^hung der jungen Männer zum Militärdienst in einer Zeit hervorgerufen wurden,welche auch die entscheidendste Periode für ihre anderweitige Ausbildung fiel. DieLahl der Freiwilligen in der Armee ist nach den Provinzen des Staats, wo in denwen eine vorragend größere Neigung zum Kriegshandwerk zu finden ist als in denf^ern, sehr verschieden. Wenn nun auch in einzelnen Provinzen eine höchste Zahl2 ^ die zuzulassenden Freiwilligen hat festgesetzt werden müssen, so ist doch überall die^hl der später Ausgehobenen beiweitem überwiegend.
.. Hätte man nun die Anzahl der Dienstpflichtigen überhaupt als den einzigen,Stärke des stehenden Heeres bedingenden Facror ansehen wollen, so würde das-sej i" einer die Kräfte des Staats vollständig consumirenden Höhe angewachsenstu' Erwägung der andern hier bestimmenden Momente, der finanziellen Lei-
H^gssähjgkeit des Landes, des wirklichen Bedürfnisses im Frieden zur Besetzung der^:!!^ 3 en, der größer» Städte u. s. w., derjenigen Dauer der Dienstzeit, die hin-. Hend wäre, um jedem Einzelnen eine vollständige militairische Ausbildung zudie 9 !' Abwägung alles Dieses gegeneinander hat dahin geführt, daß einerseitsGerungen der Diensttauglichkeit, den Einzustellenden gegenüber, bezüglich ihrerdas ^Beschaffenheit, ihrer Größe und Kräfte, außerordentlich gesteigert worden sind,gleichzeitig aber andererseits nur ein Theil der Diensttauglichen zum stehendendak^. eingezogen wird. Das Loos entscheidet hier. Es bedarf nicht der Erwähnung,th ; ieder Bescholtene von dem Eintritt in das Heer ausgeschlossen ist. Die Ver>Hebung des Vaterlandes ist eine Ehrensache seiner Bürger; mit dem Verlust sei-beehre "iuß dem Letztem auch der Platz bei dem Heeresbanner seines Vaterlandes^hen.
Hr,. k b Durchschnitt kann man annehmen, daß in Preußen jährlich 160000 Man-*Wd , zwanzigste Jahr erreichen; davon gelangt etwa die Hälfte zur Losung, wah-* ^n Viertel wirklich bei den Fahnen eingestellt wird. So wurden im Jahrehich. 77779, die zur Losung kamen, nur 39790 wirklich ausgehoben. DreK- ^gehobenen bilden eine Armeereserve, auf» die nach Verbrauch der sogenann-Yetzx-Ewgsreserve zurückgegriffen werden kann, und die im Fall des Eintritts außer-lvelü/, - cher und kriegerischer Zustände eine große Zahl der Nichtcombattanten stellt,Mobilmachung sodert.
h, Dienstzeit im siebenden Heere war ursprünglich auf drei Jahre festgesetzt.
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