528 Der preußische Heeresorganismus im Jahre 1850.
Artillerie ihre Zug- und Reitpferde nur aus dem Inlands entnimmt. Die sich fürbeide Waffen eignenden Pferde werden von Remontecommissioncn auf eigens dazuangesetzten Markten, wohin sie die Züchter drei. und vierjährig bringen, aufgekauft,und sodann in Remontedepots ausgestalte. Aus diesen beziehen die Regimenter ihrenErsatz in vier- und fünfjährigen Pferden. Namentlich ist es Ostpreußen, das dengrößer« Theil des sämmtlichen Pferdebedarss für Cavalerie und Artillerie liefert; so-dann züchten Pommern, Westpreußen und die Marken ebenfalls viele gute Pferde.Die Pferdezucht in den andern Provinzen wird freilich überall sehr protegirt, hatindessen noch nicht zur vollsten Befriedigung gedeihen können.
Die Artillerie des stehenden Heeres ist in neun Artillerieregimenter und eineFeuerwerksabtheilung formirt. Hier haben wir nicht gesonderte schwere und leichteArtillerieregimenter, sondern in demselben Regimente vereinigen sich die verschiedenenKategorien der Artillerie, nämlich Abtheilungen der reitenden, der Feld-, Positions-und Festungsartillerie, sowie der artilleristischen Handwerker. Eine Sonderung der-selben schien im Laufe des Jahres 1849 beabsichtigt, ist aber noch nicht zur Aus-führung gekommen. Nur die letztaufgesührten Handwerker sind in den Artilleriewerk-stätten zusammengezogen, und arbeiten dort unter der Leitung von Offizieren, die von
den Regimentern unabhängig stehen.
Die Fcuerwerksabtheilung ist dem Feuerwerkslaboratorium zu Spandau zuge-theilt, dessen Arbeiten sich einerseits den neuern Erfindungen der Pyrotechnik an-schließen, um diese den ««litauischen Interessen nutzbar zu machen, andererseits diezusammengesetzten Hohlgeschosse u. s. w. für den Gebrauch der Armee präpariren.
Die in der Tabelle aufgeführten Pionniere umfassen neun Pionnierabtheilungewbei welchen die Offiziere des JngenieurcorpS zur Dienstleistung commandirt werden«Das JngenieurcorpS besteht einzig und allein aus Offizieren (216 an der Zahl), d^einestheils zu dem ebenerwä'hnten Dienst, anderntheils zum Festungsbau verwebLet werden.
Die Armee-Gendarmen sind stehende berittene Ordonnanzen der verschiedenen höher^Truppencommandos. Sie stehen unter einem Comandeur und sind 150 Mann star^deren Jeder Unteroffizierrang hat. Ihr Ersah wird den besten Mannschaften der 6^Dalerieregimenter entnommen. Man beabsichtigt indessen, das ganze Corps ausz^lösen, statt ihrer den Etat der Cavalerieregimenter verhä'ltnißmä'ßig zu verstärken, unaus diesen die nöthigen Stabsordonnanzen zu geben. Die Landgendarmerie, obgle^noch militairisch formirt und aus frühern Unteroffizieren zusammengesetzt, ist seitzer Zeit dem Ministerium des Innern überwiesen, und wird nicht mehr zum H^gerechnet.
Die Invaliden zerfallen außer Denjenigen, die in den drei schon genanntenvalidenhä'usern untergebracht sind, in 13 Compagnien.
Bevor wir nunmehr die Landwehr in gleicher Weise einer Betrachtung urmwerfen, ist hier der Jnspectionen zu erwähnen. Wenn die Infanterie, mit Ausnahder Jäger, und die Cavalerie nur in den verschiedenen Truppenkörpern, derenselbeziehung mit der territorialen Eintheilung des Staats schon erwähnt wurde,deren Größe und Zusammensetzung durch ihre taktische Verwendung im Kriegestimmt wird, eine größere, aber nicht die ganze Waffe umgebende Gemeinschaft.^,,den, so werden die Jäger, die Artillerie und daS JngenieurcorpS mit den Plon""^noch einmal als Waffengattungen zusammengefaßt. In diesem Sinne steht anSpitze einer jeden dieser Waffen ein Inspecteur, und sie haben als solche eine ,sondere Eintheilung, während gleichzeitig einzelne Abtheilungen derselben mit ,,terie- und Cavalerieabtheilungcn zu Truppenganzen unter denselben Truppencon" ^dos verbunden sind. Es tritt somit eine Doppelwirkung ein. Von dort wir ^Eigenthümlichkeit, das Specifische der Waffe festgehalten und ausgebildet, herein concreteö Zusammenwirken der Gesammtthätigkeit einer Armee, wie eS ^ ^ri-Wirklichkeit nur vorkommt, hingearbeitet. Es ist daS doppelte Geschäft der ^*^hreriobern, das Jnspiciren der innern Tüchtigkeit, der Technik u. s. w., und daS v